Von Petra Kolonko, Peking
01. Mai 2008 Der olympische Fackellauf geht nach einem von Störungen geprägten internationalen Teil jetzt in China weiter. An diesem Freitag wird die Flamme durch Hongkong getragen. Am Mount Everest in Tibet warten Bergsteiger, Journalisten und viele Sicherheitskräfte auf günstiges Wetter, um die Flamme in einer Laterne auf den Gipfel des höchsten Bergs der Welt zu tragen. Exil-Tibeter haben die Einbeziehung Tibets in den Fackellauf als Provokation bezeichnet und kritisiert, damit unterstreiche die chinesische Regierung ihren Herrschaftsanspruch auf Tibet.
Es wird damit gerechnet, dass der Aufstieg wahrscheinlich erst am Wochenende beginnen kann, da es derzeitig zu windig ist. Am Donnerstag erreichten die Bergsteiger ein Lager in 6500 Meter Höhe. Die Fackel soll von zwei oder drei Bergesteigerteams auf den 8848 Meter hohen Gipfel gebracht und dort entzündet werden. Das Feuer soll mit Festbrennstoff brennen, der sonst nur bei Raketen eingesetzt wird. In chinesischen Presseberichten wurde besonders herausgestellt, dass es das erste Mal ist, dass Raketentechnologie beim olympischen Fackellauf verwandt wird.
In Hongkong werden Proteste erwartet
Die Entzündung soll vom chinesischen Fernsehen live übertragen werden. Die chinesische Regierung hat nur zehn ausländischen Journalisten gestattet, zum Mount Everest zu fahren und von dort zu berichten. Diese beschwerten sich, dass sie weit vom Basislager entfernt untergebracht und in ihrer Bewegungsfreiheit damit stark eingeschränkt sind. Nach den Unruhen dürfen ausländische Journalisten nur mit Sondergenehmigung nach Tibet einreisen.
Beim Fackellauf in Hongkong wird mit weiteren Demonstrationen gerechnet. Hongkong gehört zwar zu China, nach der Formel ein Land, zwei Systeme“ sind dort aber auch regierungskritische Demonstrationen erlaubt. Die Behörden haben fünf Tibet-Aktivisten vor dem Fackellauf die Einreise in die Sonderverwaltungsregion verweigert. Dagegen durfte die Schauspielerin Mia Farrow einreisen. Sie ist eine der Initiatorinnen der Kampagne für Darfur. Die Darfur-Aktivisten werfen der chinesischen Regierung vor, sich nicht genügend für eine Friedensregelung in Sudan einzusetzen, obgleich China zu dem Land gute Beziehungen pflegt.
Carrefour weiter im Fadenkreuz
In fünf Städten Chinas demonstrierten am Maifeiertag trotz offizieller Appelle zur Zurückhaltung Hunderte Menschen vor Geschäften der französischen Supermarktkette Carrefour. Mit Slogans kritisierten sie die nach ihrer Meinung einseitige Berichterstattung über die Ereignisse in Tibet und die Störungen beim Fackellauf in Paris.
Nachdem sich im Internet die Nachricht verbreitet hatte, dass ein Carrefour-Eigner den Dalai Lama unterstützt, war die Supermarktkette zum Ziel nationalistischer Demonstrationen und Boykottaufrufe geworden. Carrefour hat die Berichte zurückgewiesen und seine volle Unterstützung für die Olympischen Spiele erklärt. Die chinesische Regierung hatte an die Bevölkerung appelliert, ihren Patriotismus auf rationale“ Weise zu zeigen. In Zeitungsartikeln wurde darauf hingewiesen, dass ein Boykott von Carrefour im Zeitalter der Globalisierung nur China selbst treffen werde.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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