28. März 2008 Tibet-Aktivisten befürchten nach der Protestaktion von Mönchen beim Besuch ausländischer Journalisten in Lhasa Vergeltungsmaßnahmen Chinas. Es gebe ernsthafte Befürchtungen bezüglich des Wohlergehens und Verbleibs der 30 Mönche, erklärte die Internationale Kampagne für Tibet am Freitag.
Der von China eingesetzte Vizegouverneur Baima Chilin wies diese Befürchtungen zurück. Wir werden ihnen niemals etwas tun. Wir werden keinen festnehmen, den Sie auf den Straßen von Lhasa getroffen haben. Ich denke nicht, dass das irgendeine Regierung machen würde.
Nach den Fernsehberichten über den Protest der Mönche in Lhasa, die über Brutalität der chinesischen Militärs teils weinend klagten, wollte das Auswärtige Amt am Freitag keine eigene Lageanalyse geben. Es sei so, dass sich die Dinge in Lhasa beruhigt haben, sagte der Sprecher von Außenminister Steinmeier. Es herrsche aber nach wie vor einige Unklarheit. Die chinesische Regierung sei aufgerufen, Transparenz zu schaffen.
Tibet spricht von 140 Toten - China von 19
Die chinesische Seite habe eine Gruppe von Diplomaten eingeladen, Lhasa zu besuchen. Darunter sei auch ein Vertreter der deutschen Botschaft. Sie seien am Freitag aufgebrochen. Steinmeier forderte die chinesische Regierung dazu auf, maßvoll und mit Augenmaß auf die Demonstrationen zu reagieren. Ein Boykott der Spiele sei aber der falsche Weg. Nach Angaben der tibetischen Exil-Regierung sind bei den Protesten bislang 140 Menschen getötet worden. Die chinesischen Behörden sprechen dagegen von 19 Toten.
Der von chinesischen Reiseführern begleitete und peinlich genau vorbereitete Aufenthalt von Auslandskorrespondenten war am Donnerstag von Mönchen gestört worden. Der friedliche Protest der Mönche habe den Plan der Behörden gestört, die Lage in Lhasa nach den kürzlichen Demonstrationen und Unruhen als unter Kontrolle darzustellen, erklärte die Internationale Kampagne für Tibet.
Dalai Lama warnt vor weiterer Gewalt
Der Dalai Lama warf den chinesischen Behörden vor, ein einseitiges und falsches Bild von den Unruhen in Tibet veröffentlicht zu haben. Dadurch könnten sich die Spannungen in der Region verschärfen und zu weiterer Gewalt sowie unvorhersehbaren langfristigen Konsequenzen führen, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Die Pekinger Führung rief er zu umsichtigen Handeln auf und betonte abermals, er strebe keine Unabhängigkeit Tibets an und wolle keinen Keil zwischen Tibeter und Chinesen treiben.
Rund 18 Exil-Tibeter kletterten am Freitag in der nepalischen Hauptstadt Katmandu über die Mauern einer UN-Einrichtung. Weitere 60 Demonstranten wurden vor dem Areal festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Nepal hatte Demonstrationen gegen das chinesische Vorgehen in Tibet schon vor einigen Tagen mit der Begründung verboten, es könne keine Proteste gegen befreundete Nationen zulassen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP
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