China

Tote bei Unruhen in tibetischen Regionen Sichuans

Von Petra Kolonko, Chengdu

Tibetische Mönche feiern ein religiöses Rituaö in der chinesischen Provinz Gansu

Tibetische Mönche feiern ein religiöses Rituaö in der chinesischen Provinz Gansu

06. April 2008 Bei weiteren Unruhen in den tibetischen Regionen der südwestchinesischen Provinz Sichuan hat es am Wochenende nach unbestätigten Berichten mehrere Tote gegeben. Nach Angaben des amerikanischen Radiosenders Radio Free Asia wurden 15 Personen getötet, als die Polizei in der Region Kardze (chinesisch: Ganzi) das Feuer auf Demonstranten eröffnete. Mehrere hundert Demonstranten hätten die Freilassung von zwei festgenommenen Mönchen aus dem Kloster Tongkor gefordert, hieß es.

Nach Angaben der in England ansässigen „International Campaign for Tibet“ sind unter den Toten drei Mönche, sechs Frauen und ein Kind. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua bestätigte, dass es zu Unruhen in Sichuan kam, teilte aber weiter mit, dass die Polizei nur Warnschüsse abgegeben hätte. Es gab keine Angaben über Tote oder Verletzte. Tibetische Mönche in der Provinzhauptstadt Chengdu sprachen von vielen Verletzten.

„Patriotische Erziehungskampagne“

Die Mönche in Tongkor seien festgenommen worden, weil sie sich der „patriotische Erziehungskampagne“ widersetzt hätten, berichtete die „International Campaign for Tibet“. Mönche hätten sich geweigert, den Dalai Lama zu kritisieren. Darauf sei das Kloster nach den verbotenen Dalai-Lama-Fotos untersucht worden. Nachdem ein Bild des Dalai Lama auf den Boden geworfen wurde, sei die Situation eskaliert. In dem Kloster in Tongkor leben etwa 350 Mönche.

Nach Angaben der Exil-Tibeter und ihrer Unterstützungsorganisationen sind die patriotischen Erziehungskampagnen, die die Mönche auf die chinesische Politik und Religionsvorschriften einschwören sollen, seit den jüngsten Unruhen ausgeweitet worden. In diesen „Schulungen“ werde auch verlangt, dass die Mönche den Dalai Lama kritisieren. In manchen Klöstern würde verlangt, eine schriftliche Kritik am Dalai Lama abzugeben. Die ausgeweiteten Erziehungskampagnen hätten den Unmut bei den Mönchen in den vergangenen Tagen noch verschärft.

Der Dalai Lama äußerte am Sonntag im indischen Dharamsala, dass die Proteste in tibetischen Regionen Chinas weitergehen, sei ein Beweis dafür, dass die chinesische Propaganda nicht glaubwürdig sei. Die vielen Proteste hätten die Darstellung der Chinesen widerlegt, nach der die meisten Tibeter nur einen besseren Lebensstandard und ein ruhiges Leben wollten. Jetzt könne die Tibet-Frage nicht länger vernachlässigt werden, sagte das im Exil lebende Oberhaupt der Tibeter.

„Dalai Lama ein Verräter“

Die chinesische Regierung sieht die Region Kardze als ein Gebiet, das besonders dem Dalai Lama anhängt. Die „Dalai-Lama-Clique“ sehe Kardze als Modellgebiet für ihre sezessionistischen Aktivitäten, hieß es in einem Bericht der „Volkszeitung“.

Chinas staatlich kontrollierte Medien setzen derweil ihre Kampagne gegen den Dalai Lama fort, dem sie vorwerfen, die Unruhen organisiert zu haben. Er sei ein Verräter an China, heißt es in einem Kommentar der Nachrichtenagentur Xinhua.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Dax
Tec
Dow
Nas
07.12.2009 | 17:45
Dax 5.784,75
−0,57 %
 
        Vortag
Tops in %
BASF +1,53%
Daimler +1,32%
Adidas +1,30%
   
Flops in %
Siemens −1,64%
K+S −1,94%
MAN −1,96%
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche