Maigret-Marathon 7

Die Nacht an der Kreuzung

Von Tilman Spreckelsen

23. Mai 2008 75 Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde)

„Don't bore us, get to the chorus“ war das Motto der Band Roxette, und auf Maigret übertragen heißt das: Könnten wir bitte die Anfangsszene in Paris ganz schnell hinter uns lassen, damit wir umso eher den Tatort erreichen? Das Biotop also, aus dem auch in diesem Buch die ganze Handlung überhaupt erst erwächst (und mit ihr die Tatverdächtigen mit all ihren Deformationen)? Simenon lässt sich nicht lange bitten.

Die Handlung in einem Satz: Weil man einen Toten in seiner Garage findet, gerät ein dänischer Migrant unter Mordverdacht, obwohl er seine Unschuld beteuert und auch seine Nachbarn nicht ganz geheuer sind.


Spielt in: Paris und am Rand einer Straßenkreuzung zwischen Avrainville und Arpajon im Departement Essonne.


Neues über Maigret: Der Kommissar trinkt niemals Tee. Er öffnet seine Tür nur mit der linken Hand - Abweichungen von diesem Schema werden von der abergläubischen Madame Maigret genau registriert und als Unheilsboten gedeutet.

Konsum geistiger Getränke: Nein, mit dem Besitzer der Autowerkstatt am Wegesrand mag Maigret nicht trinken, da kann der joviale Mechaniker ihn noch so lautstark und hartnäckig einladen. Geübte Leser wissen das zu deuten.

Obacht vor der schönen Schwester!

Eine Kreuzung, drei Häuser, der Durchgangsverkehr nach Paris: Daraus baut sich ein undurchsichtiger Fall auf, der sich von Anfang bis Ende um Autos dreht: Autos, die gestohlen, beschädigt, beschossen, repariert werden, die in jeder Hinsicht Fassade sind und erst zerstört werden müssen, damit das wahre Ausmaß des Verbrechens deutlich wird. In all dem steht Maigret, so unbeweglich wie möglich (wenn er doch einmal rennen muss, geht die Sache garantiert schief), und diese Ruhe ist sein größtes Kapital. Nur die laszive Schwester des Mordverdächtigen verwirrt ihn sehr. Madame Maigret muss sich trotzdem keine Sorgen machen.

Lieblingssatz: „Dieser Fall hat etwas Anormales, irgendwie Perfides.“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Natascha Vlahovic

 
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