Berliner Philharmonie

Schwelbrand beschädigt Dachkonstruktion

20. Mai 2008 Feueralarm in der Berliner Philharmonie: Ein Dachstuhlbrand hat am Dienstag das weltberühmte Konzerthaus sowie zahlreiche kostbare Musikinstrumente bedroht. Eine dichte gelbe Qualmwolke, die sich über dem Dach ausgebreitet hatte, war kilometerweit zu sehen. Die Feuerwehr kämpfte mit etwa 150 Mann gegen den Schwelbrand, der vermutlich bei Schweißarbeiten unter dem Dach direkt über dem großen Konzertsaal entstanden war. Alle Konzerte in dem Saal wurden bis auf weiteres abgesagt. Menschen wurden nicht verletzt.

Der Brand war gegen 14 Uhr ausgebrochen und hatte sich auf etwa 1600 Quadratmeter im Dachstuhl ausgedehnt. Er war erst am Abend unter Kontrolle, wie Einsatzleiter Harald Herweg mitteilte. „Wir hatten Glück, dass der Brand zu einer Tageszeit ausbrach, in der relativ wenig Betrieb im Haus war.“ In der Nacht werde die Feuerwehr noch nach möglichen Glutnestern suchen. Der Feuerwehr sei es gelungen, mit dem Einsatz von Löschschaum den Wasserschaden gering zu halten. Fieberhaft hatten die Männer versucht, die Dachhaut mit Sägen zu öffnen und mit Wasser und Schaum den Brand zu ersticken.

Konzertsaal und wertvolle Instrumente nicht in Gefahr

Der Konzertsaal selbst, in dem schon Stardirigenten wie Herbert von Karajan, Zubin Mehta oder Kurt Masur am Pult standen, war zur großen Erleichterung der von Sir Simon Rattle geleiteten Philharmoniker nicht betroffen. Allerdings wurden ein Konzert sowie eine Probe mit dem Dirigenten Claudio Abbado abgesagt.

Eine große Sorge galt den wertvollen Instrumenten im Haus. Fast alle konnten in den benachbarten Kammermusiksaal in Sicherheit gebracht werden. Die Konzertflügel blieben zwar im Großen Saal, waren nach Einschätzung der Orchesterleitung aber nicht in Gefahr, weil sie ganz unten in der Nähe des Podiums standen. Rattle war in den dramatischen Stunden nicht in Berlin. Er hielt sich zu Proben in Aix-en-Provence auf, berichtete Intendantin Pamela Rosenberg, und wurde dort über das Feuer informiert.

Eigentlicher Brandherd schwer zugänglich

Zu keinem Zeitpunkt bestand für das Gebäude Einsturzgefahr, versicherte Branddirektor Karsten Göwecke. Die Feuerwehr versuche, den Schaden für das Haus vor allem durch Wasser und Löschschaum möglichst gering zu halten. „Wir setzen alles daran, diese bedeutende Kulturstätte Berlins zu retten.“

Um 13.57 Uhr hatte der erste Anrufer Alarm geschlagen und Rauch am Dach der Philharmonie gemeldet. Obwohl die ersten Löschzüge sechs Minuten später am Ort waren, blieb die Brandbekämpfung schwierig. Zwar gelang es den Feuerwehrleuten, ein weiteres Ausbreiten der Flammen zu verhindern. Sie kamen aber an den eigentlichen Brandherd in einem Zwischenraum zwischen einer Betondecke und dem Dach aus Zinkblech zunächst nicht direkt heran. Deshalb mussten Teile des Dachs mit Spezialsägen herausgeschnitten werden - eine waghalsige Angelegenheit auf dem zeltförmigen Schrägdach in rund 50 Metern Höhe.

Isolierschichten in Brand geraten

Nach Angaben einer Sprecherin der Philharmonie waren vermutlich bei Schweißarbeiten Isolierschichten in Brand geraten. Polizei und Feuerwehr wollten dies bisher nicht bestätigen, die Ermittlungen dauern an. Die am Dienstag angesetzte Nachmittagsprobe für das Konzert Claudio Abbados mit insgesamt 720 Mitwirkenden, darunter 400 jugendliche Chorsänger, musste wegen des Feuers abgesagt werden. Für die Konzerte von Freitag bis Sonntag werde ein anderer Veranstaltungsort gesucht, sagte Rosenberg.

Ein Mittagskonzert war unmittelbar vor Brandausbruch zu Ende gegangen. Zahlreiche Besucher hielten sich zu diesem Zeitpunkt noch im Foyer auf, konnten das Haus aber ohne Gefahr und Eile verlassen - ebenso wie der frühere Chefdirigent Abbado. Er hält sich derzeit - wie alljährlich - zu geplanten Konzerten bei seinem ehemaligen Orchester auf.

Von Scharoun erbaut, von Karajan eröffnet

Die Philharmonie wurde von Hans Scharoun erbaut und 1963 von Herbert von Karajan eröffnet. Später nannten sie die Berliner auch „Zirkus Karajani“. Sie gilt mit ihrem Zuhörersaal im Stil eines verschachtelten Amphitheaters rund um das Konzertpodium als einer der schönsten Konzertsäle der Welt. 1991/92 war die Saaldecke erneuert worden. Das Haus blieb aus diesem Grund seinerzeit 14 Monate lang geschlossen.



Text: dpa
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS

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