21. März 2009 Vor einigen Monaten erschien in einem kleinen Berliner Verlag ein Fotoband mit dem Titel Komm, mein Mädchen, in die Berge“. Zweiundvierzig Bilder, die ein Liebespaar zeigen, fotografiert vor wechselnden Bergkulissen über drei Jahrzehnte hinweg, von den frühen Fünfzigern bis in die frühen Achtziger. Man sieht zwei Menschen, die gemeinsam alt werden und von deren Liebe zueinander in all den Jahren nichts verlorengegangen scheint. Das Vorwort umfasst wenige Sätze und nennt zwei Initialen: D. und G. Sonst erfährt man nichts über die beiden, nur das, was man sieht.
Andrea Stultiens hat das Fotobuch gemacht. Sie ist vierunddreißig Jahre alt, klein und schmal, sie lebt in der holländischen Stadt Nijmegen. Ihr Büro ist in einem früheren Fabrikgebäude in der Nähe des Bahnhofs untergebracht, sie teilt es sich mit einem Künstler und einem Webdesigner. Sie fotografiert selbst, wobei sie darauf achtet, dass hinter ihren Fotos eine Geschichte steht und nicht nur Ästhetik. Sie arbeitet auch mit Fotografien, die sie auf Flohmärkten findet oder in Secondhandläden. Manchmal kommt beides zusammen, das Eigene und das Fremde, und dann entsteht etwas, was über die Fotos hinausweist. Das macht die Arbeit von Andrea Stultiens zu etwas Besonderem.
Die zwei Menschen müssen besonders gewesen sein
Vor etwa vier Jahren erzählte ihr eine Kollegin, sie habe von ihrer Schwester, der ein Geschäft für gebrauchte Möbel und Antiquitäten in Tilburg gehört, zahllose Dias erhalten. Die Aufnahmen zeigten meist langweilige Landschaften mit Bergen, auf manchen aber seien Menschen zu sehen. Ob sie Interesse daran habe. So lernte Andrea Stultiens D. und G. kennen.
Die Kollegin überließ ihr etwa dreitausend Dias in schweren Boxen, die jetzt gestapelt hinter ihrem Schreibtisch in einem Regal stehen. Auf vielen war gar nichts vermerkt, auf wenigen nur zwei Buchstaben, die aussahen wie ein D und ein G. Einige Rahmen waren von Rost überzogen, und es dauerte eine Weile, sie davon zu befreien. Andrea Stultiens hat sich jedes einzelne Bild angesehen, sie konnte nicht mehr von dem fremden Paar lassen.Ich spürte, dass die zwei Menschen besonders gewesen sein müssen, genauso wie ihre Liebe“, sagt sie. Ich hatte einen Schatz gehoben.“
Die Dias verrieten ihr alles und gleichzeitig nichts
Sie entschied, ein Buch zu machen und dafür Dias auszuwählen, die D. und G. gemeinsam vor Bergpanoramen zeigen, alle anderen sortierte sie aus. Die Wahl fiel ihr schwer, es waren ja so viele. Nach wenigen Monaten waren D. und G. so etwas wie Freunde für Andrea Stultiens geworden; sie hatte das Gefühl, sie gekannt zu haben, so tief schaute sie hinein in dieses Leben. Der Frau fühlte sie sich besonders nahe, sie erinnerte sie an ihre Großmutter, an der alles rund und weich gewesen war. Ein wundervoller Mensch“, sagt sie.
Andrea Stultiens hat sich nicht ausgemalt, wie D. und G. gewesen sein könnten, wie sie sich eingerichtet hatten in ihrer Liebe und ihrem Leben, womit sie ihr Geld verdienten, welche Freunde sie hatten. Ihr genügten die Dias, weil sie ihr alles verrieten und gleichzeitig nichts. Sie wollte das Geheimnis bewahren, das die beiden umgab, sie wollte nicht mehr sehen, als sie sah. Deshalb hat sie keine Fragen gestellt oder versucht, ihre Geschichte zu recherchieren. Sie hatte Angst, dass die Wahrheit das Bild, welches sie entworfen hatte, zerstören könnte.
Wichtiges von Unwichtigem trennen
Das Möbelgeschäft Peerke liegt an einer Straße in Tilburg, die aus Asphalt und Häusern besteht; kein Grün, nur ein Baum, der wie tot aussieht. Liesbeth Hessels und ihr Mann Peer eröffneten den Laden vor fünfundzwanzig Jahren, als es Ebay noch nicht gab und die Geschäfte mit gebrauchten Möbeln wie von selbst liefen. Dicht beieinander stehen Tische, Sessel, Schränke, dazwischen Spiegel und Kommoden. Selten ruft jemand bei den Hessels an und möchte eine komplette Wohnungseinrichtung verkaufen. Vor sechs oder sieben Jahren aber meldete sich ein Herr, und man verabredete sich in der Tilburger Wohnung, die es aufzulösen galt. Die Menschen, die darin lebten, waren verstorben und hatten keine Verwandten hinterlassen. Herr Hessels, der den Auftrag abwickelte, erinnert sich nicht mehr an die Adresse, er weiß nur noch, dass die Wohnung groß war und einen Balkon hatte. Er verhandelte mit vier, fünf Männern, die Kollegen des Verstorbenen waren und offenbar Menschen mit guten Manieren. Sie haben sich gewählt ausgedrückt“, sagt Herr Hessels.
An den Möbeln gab es nichts auszusetzen, sie waren von hervorragender Qualität und ohne Schrammen. Neben den Möbeln erwarb er auch einige Kleinigkeiten, darunter zahlreiche Diaboxen und Fotoalben. Diese Alben haben die Hessels behalten. Sie hätten sie auch verkaufen können oder wegwerfen, was logisch gewesen wäre. Wichtiges von Unwichtigem zu trennen ist ja ihr tägliches Geschäft. Aber nachdem sie sie durchgeblättert hatten, brachten sie es nicht mehr übers Herz, sie auf dem Müll zu wissen. Warum, können sie gar nicht sagen. Auch Liesbeth Hessels’ Schwiegervater mochte die Fotos, er nahm die Alben zu sich. Seither stehen sie in einem Schrank in seinem Wohnzimmer. Ich wollte, dass sie in der Familie bleiben“, sagt Frau Hessels.
Der Tag, an dem das Baggermuseum in Sliedrecht eröffnet wurde
Sie hat die Alben in ihr Geschäft mitgebracht, in einer Umzugskiste, in die sie kaum hineinpassen. Alle sind sie in braunes Leder gebunden, manche größer, manche kleiner, neun Alben insgesamt. Das Leder fühlt sich immer noch weich an. Baggermuseum 1973“ steht auf einem.
Die Fotos zeigen festlich gekleidete Menschen, die sich in einem Haus drängen, das auch ein Wohnhaus sein könnte, und vor Vitrinen mit Schiffsmodellen Sekt trinken. Die Sonne scheint, es ist warm, die Frauen tragen kurze Ärmel. Draußen wartet ein Bus, man weiß nicht, warum. Auf der nächsten Seite kleben ausgeschnittene Zeitungsartikel. Sie berichten vom 23. Juni 1973, dem Tag, an dem das Baggermuseum in Sliedrecht eröffnet wurde, und D. und G. kommen darin vor. Er hat als Ingenieur gearbeitet, an der Technischen Hochschule Delft gelehrt und an der Universität von Rotterdam. Er hat auch die großen Baggerfirmen des Landes beraten. Sie hatte mit dem Beruf ihres Mannes offenbar nichts zu tun, aber sie hat ihn zu ihrem Hobby gemacht und das Museum für Bagger eingerichtet. Nirgendwo findet sich ein Hinweis darauf, dass auch sie einem Beruf nachgegangen ist. Ihre Namen waren Greet und Piet Pons.
Hinter ihrem Rücken sagte man, sie sei nicht einfach
Auf einem der Fotos steht Greet Pons an einem Pult. Sie hält eine Rede, um die Haare hat sie ein gelbes Tuch gebunden, eine Sonnenbrille verdeckt die Augen, vielleicht sind sie krank. Ihr Mann sitzt in der ersten Reihe im Anzug mit Krawatte. Er könnte Ende fünfzig sein. Auch die Rede ist in dem Album aufbewahrt. Greet Pons spricht darin von ihrem Enthusiasmus für das Projekt, von den Firmen, die ihr Mann und sie besuchten, weil ihnen Ausstellungsstücke fehlten. Überall seien sie herzlich begrüßt worden, überall habe man sie unterstützt. Sie wisse, dass man hinter ihrem Rücken sage, sie sei nicht einfach. Doch ein Freund habe einmal gesagt, mit ihr in Streit zu geraten sei die Erfahrung wert.
Sliedrecht ist eine kleine Stadt am Nordufer der Merwede nahe Rotterdam. Das Baggermuseum steht in einer gewöhnlichen Wohnstraße namens Molendijk zwischen Häusern und mit Parkplatz davor. Es beschäftigt sich mit der Geschichte der Baggerindustrie, die für Holland wegen seiner Lage am Meer und der Deiche seit je eine wichtige Rolle spielt. Die Dame an der Kasse hat nie von den Pons gehört. Man solle im Nachbarhaus klingeln, sagt sie, da finde man den Kurator, Hans Wijn.
Beim Umzug nach drei Jahren vergessen worden
Hans Wijns Büro sieht aus, als bewahre er gern Dinge auf, um sie zu gegebener Zeit griffbereit zu haben. Den Namen Pons hat er nie gehört, die Fotos der Museumseröffnung kennt er nicht. Vermutlich liegt das daran, dass das Museum drei Jahre nach der Eröffnung umgezogen ist, ein Stück die Straße hinauf, und bei diesem Umzug sind die Pons vergessen worden.
Sieben der neun Alben zeigen Greet und Piet Pons in den Bergen. Man blättert sich durch ihr Leben und in es hinein. Brandner-Tal, Österreich, Sommer 1948. Bludenz. Greet und Piet Pons stehen auf einer Wiese, über ihnen der Skilift bei Tschagguns, in der Ferne die Schweiz. Ein Jahr später Frankreich. Das Mer de Glace, Chamonix und das Montblanc-Massiv. Im selben Urlaub ein Ausflug nach Genf und Annecy, wo die Berge den See so schön einrahmen. 1951 wieder Österreich, Aufstieg zum Säulingshaus auf 1960 Meter mit Blick über die Tannheimer Gruppe. Neben dem Foto klebt ein getrocknetes Edelweiß. Die Tesafilmstreifen fallen nicht auf, so fein sind sie. Viele Bilder sind sorgfältig mit silbernem Stift auf schwarzem Papier beschriftet. Man sieht die Pons vor sich, wie sie nach jedem Urlaub ihre Erinnerungen arrangieren.
Eine Landschaft, die ihm unverrückbar zu sein schien
Buchs im Kanton St. Gallen, Schweiz, 1958. Der Walensee und die Gipfel drum herum. Wieder Österreich: Achensee. Innsbruck. Badgastein. Die Lechtaler Alpen. Goldbergspitze und Goldberggletscher. In den frühen Sechzigern reisen die Pons nach Verona und Limone am Gardasee. Wenig später entdecken sie Südtirol für sich. Sie umwandern mehrmals die Drei Zinnen, zuletzt Ende der Siebziger. Ihre Urlaube verbringen sie auf der italienischen Seite, südlich der Sella-Gruppe, dort, wo die Berge Pomagagnon und Hohe Gaisl heißen. Oft kehren sie zurück nach Cortina d’Ampezzo. Nie aber sind sie ans Meer gefahren, immer nur in die Berge.
Piet Pons übte einen Beruf aus, bei dem es darum geht, wie man mittels gewaltiger Maschinen Land bewegt, wie man Dämme und Deiche baut, wie man Häfen anlegt und für freie Schifffahrtswege sorgt. Vielleicht fand er in den Bergen eine Landschaft, die ihm unverrückbar zu sein schien. Vielleicht hat ihn diese Übermacht der Natur, gegen die der Mensch nicht ankommt, angezogen. Dann wäre es vor allem seine Leidenschaft gewesen, dann hätte er ihr die Berge gezeigt.
Kein Bild, auf dem sie einander nicht berühren
Auf den Fotos sitzen Greet und Piet Pons meist im Gras oder in der Hocke irgendwo am Wegesrand, selten stehen sie, vor dem Hintergrund der Berge. Als wollten sie sich noch kleiner machen vor ihnen. Ihre Art, sich der Kamera zu präsentieren, bleibt dieselbe, jedes Jahr. Kein Bild, auf dem sie einander nicht berühren, er nicht seinen Arm um ihre Schultern legt oder ihre Hand in seiner hält. Sie lächeln. Nur küssen sie sich nie. Sie sehen aus wie ein Paar, dessen Liebe keine Krisen überstehen musste. Aber auf keinem Foto sind Kinder oder Freunde um sie.
Sie fuhren oft im August, September, manchmal schon im Juli, meist drei, vier Wochen lang. Sie reisten in einem Glas, einer Automarke, die es heute nicht mehr gibt, und später kauften sie sich einen muschelfarbenen Volkswagen. In ihren frühen Urlauben müssen sie Mitte zwanzig gewesen sein. Er ist groß und schlank mit einer randlosen Brille, die braunen Haare sind noch dicht, aber die Geheimratsecken deuten sich bereits an. Sie hat ein weiches Gesicht und kurze, wellige Haare. Zu den Wanderschuhen trägt er lange Hosen, Hemd oder Pulli, sie meist Röcke mit Strumpfhosen darunter. Das Nötigste verstauen sie in einem kleinen Rucksack. Sie bewegten sich in den Bergen wie Menschen, die lange Wanderungen unternehmen, aber keine hochalpinen.
Die Furcht, dass es nur so aussieht, als seien sie glücklich gewesen
Die Fotos sind per Selbstauslöser entstanden. Wahrscheinlich hat er zuerst seine Frau, dann die Kamera und schließlich sich selbst in Position gebracht. Er hatte ein gutes Auge für die Dramaturgie der Landschaft und dafür, wie ein Foto funktioniert. Meist ist er es, der sie ansieht. Sie sieht oft in den Himmel. Das gibt den Bildern etwas Gestelltes, das sie auch über die Jahre nicht verlieren. Aber immer ist da dieser Blick, der das Erstaunlichste ist an den Fotos, weil seine Zärtlichkeit die Zeit überdauert. Es ist ein Blick, in dem alles liegt, was eine Liebe ausmacht.
Am Ende, als man die Alben von Greet und Piet Pons durchgeblättert hat, kann man sich den einen nicht mehr ohne den anderen vorstellen. Sie scheinen glücklich und einander genug gewesen zu sein. Man fragt sich, wie sie das so lange geschafft haben. Gleichzeitig fürchtet man, dass es nur so aussieht, als seien sie es gewesen.
Auf einmal ist ein alter Mann aus ihm geworden
Auf den Fotos altern Greet und Piet Pons unterschiedlich schnell. Lange sieht er jünger aus als sie, bis mit einem Mal ein alter Mann aus ihm wird. Er beginnt beigefarbene Hüte und Jacken zu tragen, die ihm nicht stehen. Auf den späten Fotos hält er sich an ihr fest, anstatt sie festzuhalten, als würde sie ihn stützen. Auch ihre Körper verändern sich, er bekommt einen kleinen Bauch, alles andere an ihm wird hager. Ihre Haare werden weißgrau, aber die rosigen Wangen bleiben. Man kann nicht erklären, weshalb, aber es hat den Anschein, als sei sie die Stärkere gewesen in ihrer Beziehung, als habe sie die Richtung vorgegeben, als Angebot, ohne jede Dominanz, und er sei ihr gefolgt.
Gäbe es diese Alben nicht, Greet und Piet Pons hätten keine Spuren hinterlassen. Es gibt keine Kinder, keine Verwandten. Auch in der Technischen Hochschule Delft, wo er so lange unterrichtet hat, erinnert sich niemand an ihn oder an sie.
In den Achtzigern fand man das schick, heute wirkt es bedrückend
Im letzten Album steht ihre Adresse: Vereniging van Eigenaars Service, Appartementen Koninxhoek, Prof. Cobbenhagenlaan 700, 5037 Tilburg.
Die Prof. Cobbenhagenlaan ist eine lange Straße, die vom Hauptbahnhof stadtauswärts führt und auf der reger Verkehr herrscht. An ihre Ränder hat die Stadt Bäume gepflanzt, und dort, wo die Nummer 700 ist, breitet sich ein kleiner Park aus. Es sind viele junge Menschen unterwegs an diesem Tag, die Universität ist nah, und es ist Mittagszeit. Der langgezogene Apartmentkomplex besteht aus mehreren stufenförmigen Häusern, die ineinander übergehen und deren Farbe ein helles Braun ist. Gebäude wie diese fand man in den achtziger Jahren schick. Heute haben sie etwas Bedrückendes.
Zum Eingang führt eine kurze Auffahrt. Rechts befinden sich die Postfächer und Klingeln der Anwohner, links ein Empfang hinter Glas, dann weitet sich der Raum zu einer Lobby mit Teppich und Ledersesseln um einen Tisch. Koninxhoek ist eine luxuriöse Wohnanlage“ mit sechsundfünfzig Wohnungen von 137 bis 280 Quadratmeter, die meisten mit Balkon und zwischen 200.000 und 300.000 Euro teuer. Auf der Rückseite des Gebäudes erstreckt sich eine Grünanlage, in deren Mitte ein Teich liegt, auf dem Enten schwimmen. Es gibt ein Restaurant, einen Aufenthaltsraum, einen Billardtisch, einen Catering-Service für Feiern. Der Friseursalon hat einen Tag in der Woche geöffnet, an zweien wird der Hausmüll in den Wohnungen abgeholt. Wessen Fernsehapparat oder Radio nicht funktioniert, erhält Hilfe vom technischen Dienst.
Ja, ja, die Pons, sagt sie, nette Menschen, immer für sich
Für die Menschen, die hierherziehen, ist dieser Ort das letzte Zuhause. Manche sterben in Koninxhoek, andere mit weniger Glück müssen noch einmal umziehen in ein Pflegeheim oder Krankenhaus.
Greet und Piet Pons sind am 19. Juni 1985 eingezogen in das Apartment Nummer 770, welches einhundertneunzig Quadratmeter misst. Bei sich hatten sie ihren Hund, einen Cockerspaniel. Es ist nicht ihr erster gewesen, vorher hatten sie einen weißen Hirtenhund, den man auf einigen Bildern sieht, aber nie in den Bergen. Dorthin haben sie keines der Tiere je mitgenommen.
Ja, Greet und Piet Pons hätten vor Jahren hier gewohnt, sagt die Empfangsdame. Ja, sie erinnere sich an sie. Nein, sie hatten keine Kinder, niemanden, der kam. Sie seien reizende Menschen gewesen, gepflegt und stets freundlich, jedoch immer zu zweit und so sehr miteinander beschäftigt, dass sie kaum Kontakt hatten zu Bewohnern oder Personal. An Ostern, sagt die Empfangsdame, beschenkten die Pons alle Mitarbeiter mit selbstbemalten Eiern. Auch an Weihnachten gab es Kleinigkeiten, ein paar Plätzchen, solche Dinge. Eine Anwohnerin im Kostüm schaut herein. Ja, ja, die Pons, sagt sie, nette Menschen, immer für sich. Und ist er am Ende nicht dement gewesen?
Vielleicht die letzten Menschen, die wissen, wie Greet und Piet Pons zueinander waren
Nachdem Greet und Piet Pons nach Koninxhoek gezogen waren, sind sie nie wieder in die Berge gefahren. Sie haben Ausflüge in die Gegend unternommen, nach Kleve zum Beispiel, und sich beim Spazierengehen fotografiert, unter rot gefärbten Bäumen, im Schnee. Ihre Wohnung richteten sie mit antiken Möbeln ein. Auf ihrem Balkon blühten Geranien. Alles hatte seinen Ort. Es gibt auch Fotos, wie Greet Pons die Enten im Teich fütterte.
Die Empfangsdame sucht in den Unterlagen, ob sie etwas findet zu den Pons. Sie entdeckt einen Zettel mit Telefonnummern. Drei Adressen hatten die Pons angegeben für Notfälle: D. Moolhuijzen aus Brasschaat in Belgien, Mevrouw M. van Elk aus Alblasserdam und Kees und Tiny van de Graaf aus Dordrecht.
Vielleicht sind das die letzten Menschen, die wissen, wie Greet und Piet Pons zueinander waren. Nun ist man ihnen so nahe gekommen, und auf einmal fürchtet man, etwas zu erfahren, was man nicht wissen will, weil es das Bild, das man sich von ihnen gemacht hat, beschädigen könnte. Das Problem, das sich der Fotografin Andrea Stultiens am Anfang stellte, stellt sich einem nun am Ende selbst.
Die ersten beiden Nummern existieren nicht mehr. Bei der dritten meldet sich Kees van de Graaf. Seine Stimme ist rauh, und er ist kurz angebunden. Bis er die beiden Namen hört. Kommen Sie vorbei, sagt er. Ich kann sie Ihnen erzählen, die ganze Geschichte.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
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