In den sechziger Jahren, als Deutschland noch Arbeiter suchte

Integration

Meine Leitkultur

Einheimische irren sich, wenn sie meinen, man könne Zugewanderten westlich-modernen Lebensstil einpflanzen wie eine neue Software. Und das war schon in den Sechzigern so. Ein italienisches Beispiel.

Lesermeinungen zum Beitrag

12. Juni 2006 14:05

Integration ist möglich

Franz Altmann (elviejo_136)

Nicht von jedem Einwandererkind kann wissenschaftliche Hochbegabung erwartet werden. (ein aktuelles Beispiel ist die 17jährige Berliner Spanierin, die kürzlich ein Buch über Quantenphysik geschrieben hat)

Erwartet werden kann allerdings, und das bestätigt dieser Erfahrungsbericht, eine grundsätzliche Bereitschaft, sich positiv mit der neuen Heimat auseinander zu setzen, ohne deswegen die eigene bzw. der Eltern Herkunft zu leugnen.

Das gelingt ja auch vielen Einwanderern. Anderen leider nicht, aus verschiedenen Gründen. In der Vergangenheit wurde in Deutschland die Integration auch durch eine ablehnende Haltung der Einheimischen behindert - wem ständig gesagt wird, dass er nicht dazugehört, der zieht
sich irgendwann ins Ghetto zurück. Dieses Problem ist aber mittlerweile erkannt und die Einstellung der (meisten) Deutschen hat sich geändert.

Andererseits sabotieren auch bildungsfeindliche Herkunftsmilieus die Integration der Kinder. Da darf es keine Kompromisse geben: gegenüber bildungsfeindlichen Eltern muss z.B. die Schulpflicht notfalls von der Polizei durchgesetzt werden, wenn sonst nichts hilft.

(wie die heute skurril anmutende Anekdote des süditalienischen Vaters zeigt, der dem Turnunterricht seiner Töchter hinterherspionierte, überzeugen zum Glück oft Argumente)

Wesentlich ist, dass man möglichst vorurteilsfrei miteinander umgeht und jedem die Chance gibt,
sich zu beweisen. Wer diese Chance allerdings
bewusst sabotiert, muss sanktioniert werden.

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12. Juni 2006 11:13

Leitkultur: den Begriff definieren

Julius Franzot (JFranzot)

Man lese sorgfältig die Geschichte der gelungenen Integration des Autors: seine Familie kam aus Süditalien, aus einem Gebiet, das sich selbst, wie der Autor zugibt und ich am eigenen Leibe erfahren mußte, einer Integration von Einwanderern weitgehend verschließt. Die Gesellschaftsform, die er skizziert, war für die späten 50er Jahre zutreffend, ist heute in Süditalien selbst überholt. Erster Punkt: oft hinken Einwanderer der Kultur ihres Herkunftlandes hinterher.
Zweitens: der Autor ist in Deutschland zur Schule gegangen, hat "Stallgeruch" erworben, hat sich als Hochbegabter in lobenswerter Weise eine akademische Ausbildung zurecht gelegt. Damit ist er nicht für die Mehrzahl der Einwanderer räpresentativ, sicherlich nicht für solche, die ihre Kinder auf die Rütli-Schule schicken. Ausserdem ist der Autor Christ und teilt somit viele deutsche Grundwerte.
Drittens: "Leitkultur" bedeutet Anpassung an die Lebensweise im Gastland. Dies schließt den Verzicht auf die ursprüngliche Kultur nicht aus. Als Kind einer Mischehe habe ich selbst keine Probleme im Umgang mit deutscher und italienisch-friaulischer Kultur.
Gäbe es keine Leitkultur, dann würden wir alle in einem kulturlosen Multi-Kulti Mischbrei mit fragwürdiger Justiz leben.
Zu recht dagegen stellt man die Frage, ob ein schriftlicher Test zur Prüfung der Integration geeignet sei. Gut, man kann alles auswendig lernen, aber die Alternative wäre eine Bespitzelung nach Stasi-Muster. Im heutigen Europa unvorstellbar.

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