Sprache

„Herdprämie“ ist Unwort des Jahres

Früher blieben Frauen ganz ohne Prämie zuhause

Früher blieben Frauen ganz ohne Prämie zuhause

15. Januar 2008 Das „Unwort des Jahres“ 2007 heißt „Herdprämie“. „Das Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause erziehen“, sagte der Sprecher der sechsköpfigen unabhängigen Jury, Prof. Horst Dieter Schlosser, am Dienstag in Frankfurt.

Der Begriff setzte sich gegen 968 andere Vorschläge durch. Auf den zweiten Platz wählte die Experten-Jury der Frankfurter Universität den Begriff „klimaneutral“, auf Platz drei „entartet“. Insgesamt waren 1760 Einsendungen eingegangen. Unter den Vorschlägen waren nach Angaben des Gremiums neben Dieter Bohlens Äußerung über das „epileptische Singen“ eines Kandidaten in der Show „Deutschland sucht den Superstar“ auch einige Begriffe zur aktuellen politischen Diskussion über mehr Überwachung, darunter „Bundestrojaner“ und „Vorratsdatenspeicherung“.

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 gewählt. 2006 hatten sich die Sprach-Experten für „Freiwillige Ausreise“ entschieden.

WÖRTER und UNWÖRTER des Jahres


WORT DES JAHRES


1995: „Multimedia“
1996: „Sparpaket“
1997: „Reformstau“
1998: „Rot-Grün“
1999: „Millennium“
2000: „Schwarzgeldaffäre“
2001: „Der 11. September“
2002: „Teuro“
2003: „Das alte Europa“
2004: „Hartz IV“
2005: „Bundeskanzlerin“
2006: „Fanmeile“
2007: „Klimakatastrophe“


UNWORT DES JAHRES

1995: „Diätenanpassung“ (Beschönigung der Diätenerhöhung im Bund)
1996: „Rentnerschwemme“ (Falsches Naturbild für einen sozialpolitischen Sachverhalt)
1997: „Wohlstandsmüll“ (Umschreibung arbeitsunwilliger und -unfähiger Menschen durch den Ex-Nestlé-Verwaltungspräsidenten Helmut Maucher)
1998: „sozialverträgliches Frühableben“ (Zynisch wirkende Ironisierung durch den Ex-Präsidenten der Bundesärztekammer, Karsten Vilmar)
1999: „Kollateralschaden“ (Verharmlosung der Tötung Unschuldiger als Nebensächlichkeit, Nato-offizieller Terminus im Kosovo-Krieg)
2000: „National befreite Zone“ (Zynisch heroisierende Umschreibung einer Region, die von Rechtsextremisten terrorisiert wird)
2001: „Gotteskrieger“ (Kein Glaube an einen Gott gleich welcher Religion kann einen Krieg oder gar Terroranschläge rechtfertigen)
2002: „Ich-AG“ (Reduzierung von Menschen auf Börsenniveau)
2003: „Tätervolk“ (Grundsätzlich inakzeptabler Kollektivschuldvorwurf; als potentiell möglicher Vorwurf gegen Juden in der Rede des Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann schlicht antisemitisch)
2004: „Humankapital“ (Degradierung nicht nur von Arbeitskräften in Betrieben, sondern von Menschen überhaupt zu nur noch ökonomischen Größen)
2005: „Entlassungsproduktivität“ (Verschleierung der Mehrbelastung derjenigen, die ihren Arbeitsplatz noch behalten konnten)
2006: „Freiwillige Ausreise“ (Freiwilligkeit werde nur behauptet)
2007: „Herdprämie“ (Diffamierung von Eltern)

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und AP
Bildmaterial: Cinetext/Allstar

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