
Irgendwie ist ein neuer milder und kritischer Geist in ein Stockwerk der FAZ eingezogen. “Ein deutscher bürgerlicher Liberalismus, der auf sich hielte, sähe in diesem Nobelpreisträger seine Zukunft.” Die moralische Wirtschaftsordnung wird wiederentdeckt. Dann ein schräger Vergleich: (...) "Gesellschaft wird ausrechnen, was nur ein Promille des augenblicklich in der Finanzkrise vernichteten Kapitals in der Bildung bewirkt hätte." Sagen wir mal ein Tausendstel von 3000 Milliarden Spekluationsblase im Fließzustand?? Antwort: Das würde gar nichts bewirken. Was wir in der Bildungspolitik brauchen? Antwort: 100 Milliarden Euro real zusätzlich bis 2016. Eine kritische Begleitung des nationalen Bildungsgipfels und der voraussichtlich dürftigen finanzpolitischen und pädagogisch-didaktischen Ergebnisse. Ja, das wäre dann wieder eine andere Geschichte und doch am 22.10./23.10. eine FAZ-Geschichte.

ohne Folgen der Verursacher, zumindest in Deutschland, wird diese Bankenkrise nun vom Steuerzahler in Ordnung gebracht. Absehbar war diese Krise aber schon seit einigen Jahren, reagiert haben aber weder Wirtschaft (Banken) noch die Politik. Schon vor Jahren schrieb Gräfin Dönhoff "Zähmt den Kapitalismus" und wie wir alle wissen, gehört sie wohl zu den intelligentesten Frauen die dieses Land je hatte. So lange Politik und Wirtschaft derart eng miteinander verflochten sind, wie es seit der Ära Kohl der Fall ist, wird sich allerdngs nicht viel ändern. Ich habe da keine großen Hoffnungen. Hinzu kommt, dass wir Politiker haben, die allesamt Laien sind und außerdem ohnehin nur Selbstdarsteller. Sie benutzen Politik nur zum Eigenzweck. Und man kann schließlich jetzt auch nicht alle Banker verärgern, wo soll man denn nach der Politik hin? Man braucht ja schließlich einen guten Aufsichtsratsposten. So läuft das. Wir brauchen wieder eine strikte Trennung von Politik und Wirtschaft, Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard und einen Neuanfang. Wir bräuchten quasi eine zweite Stunde Null

Respekt - Sie zeigen mit Ihren Anmerkungen sehr deutlich, was unser "Vordenker" tatsächlich ist. Letztlich ist auch Mr. Krugmann nur ein Theoretiker, welcher seine Theoriemodelle den Entwicklungen der Realität anpasst. Im Gegensatz zu einer wirklichen Wissenschaft wie z.B. Philosophie vermag die "Wirtschaftswissenschaft" keine wirksamen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Es ist immer nur der Versuch, die Gegenwart und Vergangenheit zu erklären. Jedes Modell für die Zukunft gleicht der Glaskugel oder auch der Wetterprognose nach Beobachtung des Verhaltens des Hahns auf dem Mist. Mr. Krugmann ist sicherlich nicht der geeignete Messias für liberales Gedankengut. Egal wer in der Vergangenheit oder auch Gegenwart versucht (hat) uns zu erklären was wahr und richtig ist, ob Nachfragetheoretiker oder Angebotstheoretiker, ob neoliberal oder postkommunistisch war/ist nicht in der Lage, das Verhalten des Menschen zukünftig richtig einzuordnen und zu beurteilen. Jedes Modell leidet unter Unsicherheit und setzt ceteris paribus gezwungenermaßen Annahmen voraus, welche das genaue Gegenteil des anvisierten Ziels zur Folge haben können. Ein gutes Beispiel ist das Vabanquespiel mit der Immobilienblase. Das Ergebnis ist offensichtlich.

Treffen sich die Redakteure aus den verschiedenen Ressorts der FAZ eigentlich ab und zu mal zum gemeinsamen Kafeetrinken? Man könnte meinen: eher nicht! Denn während die Politikredaktion der FAZ sich konservativ gibt und der Wirtschaftsteil stramm neoliberal ist, lobt Schirrmacher den "linken" Ökonomen Paul Krugman über den grünen Klee (mehr, als ein Selbstdarsteller wie Krugman es eigentlich verdient hätte), Patrick Bahners wünscht sich Gesine Schwan zur Bundespräsidentin (obwohl der Redaktion klar sein muss, dass sie das nur mithilfe der Linkspartei werden kann) und Nils Minkmar macht sich über "Fozzy McCain" lustig. Das alles mag die Scharen an FAZ-lesenden Grünen- und Linksparteiwähler bei Laune halten. Der Glaubwürdigkeit der FAZ dient das allerdings nicht.

Was in Amerika der New Deal war, war, teilweise ist noch in Deutschland der rheinische Kapitalismus. Ein Kapitalismus, der nicht die Flexibilität absolutierte und die soziale Sicherheit diffamierte, sondern beides komplementär als zwei notwendige Seiten ein und derselben Medaille ansah. Weiterhin eine Balance zwischen beiden anstrebte. In der sozialen Sicherheit gibt es daher in Deutschland 5 Säulen, Beveridge- (steuerfinanzierte Sozialleistungen), Bismarck-Säule (staatliche Sozialversicherungen), private Säule (einige der Finanzinstrumente, die jetzt in Verruf geraten sind), zivillgesellschaftliche Säule (gemeinnützige Vereine, Stiftungen etc.) und die Familien-Säule. Die Herausforderung besteht darin, diese Säulen komplementär zu gestalten und fitt für die neuen Herausforderungen der Globalisierung zu machen. Dabei kann man weder auf den Staat noch auf den Markt geschweige denn auf Familie und Zivilgesellschaft verzichten.

@ Herrn Klemme - Die Steigerung der Arbeitskosten - also nicht nur der Lohnkosten - wird durch das einkommenspolitische Monopol des (Metall-) Tarifkartells und durch die sog. 'paritätische Finanzierung' der Sozialleistungen betrieben. Der Produktivitätsfortschritt wird also über durch Anstieg der Bruttoarbeitskosten verteilt. Beide Kostenströme für die Finanzierung von Wohlstandssteigerung und Sozial-Leistungen können sofort auf Energie- und Sachkapitaleinsatz umgestellt werden - mit revolutionären und rettenden Auswirkungen auf die Produktions- und Lebensstile in den entwickelten Industriegesellschaften. Diese '2. Industrielle Revolution' ist evolutionsprozess-logisch unaufhaltsam - es sei denn, man wünscht sich einen völligen Zusammenbruch der Industriekultur von apokalyptischen Ausmaß. Das Umsteuerungswissen ist da. Je später es in die Diskussion gerät, umso höher werden und 'Rettungs- und Revolutionskosten' sein. Das Rettungsprojekt wird also kommen. Auf die aktuelle Finanzsystemkrise wird eine ebenso dramatisch verlaufende Industriesystemkrise folgen. Die Durchsetzung des Rettungsprojekts (= EPIKUR-Projekt) werden die Finanzmärkte organisieren - durch eine Vorwegnahmespekulation des Evolutionär-Unaufhaltsamen.

@Klemme: Die zunehmende Ungleichheit wurde nicht toleriert, in der Gesellschaft, sondern nur ohnmächtig begleitet, zumindest von dem Teil der Gesellschaft, dessen Einkommen eben nicht gewachsen, bzw. sogar gefallen sind. Sie wurde von den Handlangern solch einer Entwicklung – der politischen Klasse – kräftig unterstützt, zumal auch für sie dabei „Bonis“ abgefallen zu sein scheinen. Man muss unterscheiden!

Der NEOliberalismus wurde von der Kapitalseite zu einer verlogene Ausprägung des Liberalismus entwickelt, um ihn in den Dienst des Kapitalstockmaximierungs-Projekts (= Vorherrschaft der K'interessen) nehmen zu können. Er ist zur Ideologie der K'interessen-Machtstruktur verkommen. Sein Verschleierungstrick ist u.a.: er setzt sich mit dem Modell der 'freien Marktwirtschaft' gleich. In Wirklichkeit hat er das Modell der 'kapitalstockmaximierenden Marktwirtschaft' realisiert. Wir haben in D einen Rumpelstilzchen-Aufstieg zum geheimen Tyrannen erlebt. Der ORDOliberalismus hingegen erkennt in j e d e m Machtsystem - auch in der Vorherrschaftsstruktur der Kapitalinteressen/Kapitalstockmaximierer - den freiheitsauflösenden Gegner der freiheitlichen Gesellschaft. Er weiß um die Labilität der Interdependenz der Ordnungen, d.h. er weiß, dass das Freie-Spiel-der-Kräfte jederzeit von geheimen Steuerungs-/Vormachtstrukturen beendet werden kann, so dass deren Leistungen auf die Mühlen des fast-geheimen Rumpelstilzchenclans umgelenkt werden können - ohne dass die Abgezockten wissen Wie?, sondern nur ahnen, dass etwas faul ist ... Trost: der Kreis um Angela Merkel kennt dieses deutsche Drama und betreibt die ORDOliberale Revolution.

Krugmann beschreibt die Auswirkungen des Neoliberlismuses auf die Gesellschaft sehr treffend. Deutlich wird hier auch, dass sich im Zuge dieses Neoliberlismuses das Geld nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern einen Selbstzweck angenommen hat, der auch Mittelstandsbanken und staatliche Banken in ihren Sog gezogen hat. Wie auch Krugmann beschreibt, sollten Staaten, die durch die Finanzkrise erhebliche Verluste erlitten haben, sich auf Werte aus vergangenen Zeiten rückbesinnen. Für Deutschland hieße das, das Rückgrat der Wirtschaft und Arbeitsplätze, nämlich den Mittelstand stärker zu finanzieren und zu stärken. Zwar werden hier die Renditen nicht so hoch ausfallen wie in hoch spekulativen Finanztransaktionen, aber für den Staat und die Gesellschaft viel sicherer und nützlicher sein. Cüneyt Eryilmaz

Die Entwicklung auf Zinseszins und Vererbung zu reduzieren ist eine grob fahrlässige Vereinfachung. Um nur ein Gegenbeispiel zu nennen: die Investmentbanker haben ihre Vermögen mitnichten durch Vergrößerung ihres Erbes angehäuft sondern durch die exorbitanten Boni, die wiederum durch das Volumen der abgewickelten Transaktionen bestimmt werden. Das Zurückführen auf die Kostenschere trifft auch nur die halbe Wahrheit, denn zumindest die Energiekosten sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Auch sagt Herr Kalupner nichts darüber, warum denn die Löhne steigen und die anderen Kosten nicht. Wahr ist sicherlich, dass die zunehmende Ungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten immer noch von unseren Gesellschaften toleriert wurde. Insofern hat die Finanzkrise vielleicht doch ihr Gutes, weil sie uns hilft, uns auf bestimmte Werte zurückzubesinnen. In einer globalisierten Welt wird es freilich schwerer, Einkommensstrukturen zu erreichen, die weniger auseinanderklaffen wie heute.

Ich habe Ihren Artikel heute schon dreimal gelesen und werde es vermutlich noch 18 mal tun, so ich die Zeit dazu habe. Er ist mir aus der Seele gesprochen, und zwar mit jedem einzelnen Wort. Einzelne Passagen sollte man hersagen können. Hoffen wir also, dass Krugmans Ansicht sich weiter verbreite und der Schwanengesang auf die Mittelschicht doch zu früh komme.

Es ist schon betörend, wie schnell und konsequent selbst die FAZ sich innerlich vom Neoliberalismus verabschiedet. Ich bin dabei - auch wenn ich noch nicht ahne, worauf ich meine Hoffnungen auf eine Erneuerung der Gesellschaft stützen soll. Auf die Moral werden wir uns auch nach diesem Schock nicht verlassen können. Zumal auch jetzt die Politik die Gelegenheit verstreichen lässt, durch ein Massaker unter den Verantwortlichen der Bankenkrise dafür zu sorgen, dass die "Leistungselite" endlich Angst vor dem Versagen entwickelt. In Deutschland scheint es an dem Mut zu fehlen, Manager auch nur anzuklagen. Die FAZ könnte helfen, hier für den nötigen moralischen Druck und das Encouragement zu sorgen. Packt die Guillotine aus, ihr Journalisten! (Und hackt jetzt auch mal dem einen oder anderen Kollegen, der nach Deregulierung geschrien hat, ein Auge aus!)

3. Schlag gegen Bushs Amerika: Was für ein Glück, das der das letzte Jahr Präsident ist. Sonst würde nächstes Jahr vielleicht noch Chavez den Friedens- und in 2010 Achmadinedschad den Physiknobelpreis bekommen. Aber mal ernst: Als "FAZ'ler" seit ca. 30 Jahren, kann ich sagen, daß sie immer mehr nach links gerückt ist. Ob, wegen oder durch Schirrmacher? Die Argumente erinnern mich an die Rechtfertigungen von Lafontaine! Und zum Thema Bushs Wirtschaftspolitik: Die zunehmende Deregulierung und Globalisierung erlebt man spätestens seit Anfang der 90er. Möchte man es an einem Präsidenten festmachen, wäre es also der Demokrat Clinton. Ebenso steigt die (private) Verschuldung der Amerikaner seit Jahrzehnten, auch unter Clinton. Und Krugman unterstützt nun die Demokraten. Spitze!

DAs Elend begann lange vor Bush. 1992 veröffentlichte der nicht ganz unbekannte John Kenneth Galbraith ein Buch mit dem Titel "Die Herrschaft der Bakrotteure. Der wirtschaftliche Niedergang Amerikas". Die Überschrift zu Kapitel 5 lautet: Die amtliche Lizenz für die finanzielle Katastrophe", der erste Satz: "In dieser Welt wird jeder Unsinn, den die Reichen erzählen, gern zur Weisheit erhoben." Zu diesr Form von Unsinn gehört auch die von Geißler über Westerwelle bis zur FAZ jahrzehntelang der Öffentlichkeit als Mantra eingebläute Parole "Leistung muss sich lohnen". Wer eine solchen Haltung den Boden bereitet, erzeugt nicht Leistungsbereitschaft, sondern Habgier, wie die vergangenen Jahrzehnte und die gegenwärtige Krise zeigen.

Der Autor nennt Krugman einen "großen Theoretiker", in dem "ein deutscher bürgerlicher Liberalismus, der auf sich hielte," seine Zukunft sähe. Hier dessen weisen Worte: Oktober 2001: "Wirtschaftspolitik sollte weiteres Ausgeben fördern um das vorübergehende Nachlassen von Geschäftsinvestitionen auszugleichen. Niedrige Zinssätze, welche Ausgaben in Immobilien und anderen dauerhaften Gütern fördern, sind die Hauptantwort." August 2002: "Um diese Rezession zu bekämpfen benötigt die Fed mehr als eine Einzelaktion; sie benötigt rapide steigende Privatausgaben um kränkelnde Geschäftsinvestitionen auszugleichen. Und dafür muss Alan Greenspan, (...), eine Immobilienblase erschaffen um die Nasdaq-Blase zu ersetzen." Erst nachdem Andere jahrelang die Krise vorhergesagt und mit dieser Geldpolitik der Fed begründeten kamen Krugman Zweifel: Mai 2005: "Was passiert, falls die Immobilienblase platzt? Es wird wieder das gleiche (wie in der Aktienblase) sein." Und als die Krise endlich da war, lag das natürlich an der "Ideologie" angeblich freier Märkte: Dezember 2007: "Wo waren die Regulierer? (...) Sie waren von Ideologie geblendet." Seine eigenen Worte wenige Jahre zuvor hatte er bequemerweise vergessen. Die FAZ offenbar auch. Wir nicht.