
Irgendwie ist ein neuer milder und kritischer Geist in ein Stockwerk der FAZ eingezogen. “Ein deutscher bürgerlicher Liberalismus, der auf sich hielte, sähe in diesem Nobelpreisträger seine Zukunft.” Die moralische Wirtschaftsordnung wird wiederentdeckt. Dann ein schräger Vergleich: (...) "Gesellschaft wird ausrechnen, was nur ein Promille des augenblicklich in der Finanzkrise vernichteten Kapitals in der Bildung bewirkt hätte." Sagen wir mal ein Tausendstel von 3000 Milliarden Spekluationsblase im Fließzustand?? Antwort: Das würde gar nichts bewirken. Was wir in der Bildungspolitik brauchen? Antwort: 100 Milliarden Euro real zusätzlich bis 2016. Eine kritische Begleitung des nationalen Bildungsgipfels und der voraussichtlich dürftigen finanzpolitischen und pädagogisch-didaktischen Ergebnisse. Ja, das wäre dann wieder eine andere Geschichte und doch am 22.10./23.10. eine FAZ-Geschichte.

ohne Folgen der Verursacher, zumindest in Deutschland, wird diese Bankenkrise nun vom Steuerzahler in Ordnung gebracht. Absehbar war diese Krise aber schon seit einigen Jahren, reagiert haben aber weder Wirtschaft (Banken) noch die Politik. Schon vor Jahren schrieb Gräfin Dönhoff "Zähmt den Kapitalismus" und wie wir alle wissen, gehört sie wohl zu den intelligentesten Frauen die dieses Land je hatte. So lange Politik und Wirtschaft derart eng miteinander verflochten sind, wie es seit der Ära Kohl der Fall ist, wird sich allerdngs nicht viel ändern. Ich habe da keine großen Hoffnungen. Hinzu kommt, dass wir Politiker haben, die allesamt Laien sind und außerdem ohnehin nur Selbstdarsteller. Sie benutzen Politik nur zum Eigenzweck. Und man kann schließlich jetzt auch nicht alle Banker verärgern, wo soll man denn nach der Politik hin? Man braucht ja schließlich einen guten Aufsichtsratsposten. So läuft das. Wir brauchen wieder eine strikte Trennung von Politik und Wirtschaft, Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard und einen Neuanfang. Wir bräuchten quasi eine zweite Stunde Null

Respekt - Sie zeigen mit Ihren Anmerkungen sehr deutlich, was unser "Vordenker" tatsächlich ist. Letztlich ist auch Mr. Krugmann nur ein Theoretiker, welcher seine Theoriemodelle den Entwicklungen der Realität anpasst. Im Gegensatz zu einer wirklichen Wissenschaft wie z.B. Philosophie vermag die "Wirtschaftswissenschaft" keine wirksamen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Es ist immer nur der Versuch, die Gegenwart und Vergangenheit zu erklären. Jedes Modell für die Zukunft gleicht der Glaskugel oder auch der Wetterprognose nach Beobachtung des Verhaltens des Hahns auf dem Mist. Mr. Krugmann ist sicherlich nicht der geeignete Messias für liberales Gedankengut. Egal wer in der Vergangenheit oder auch Gegenwart versucht (hat) uns zu erklären was wahr und richtig ist, ob Nachfragetheoretiker oder Angebotstheoretiker, ob neoliberal oder postkommunistisch war/ist nicht in der Lage, das Verhalten des Menschen zukünftig richtig einzuordnen und zu beurteilen. Jedes Modell leidet unter Unsicherheit und setzt ceteris paribus gezwungenermaßen Annahmen voraus, welche das genaue Gegenteil des anvisierten Ziels zur Folge haben können. Ein gutes Beispiel ist das Vabanquespiel mit der Immobilienblase. Das Ergebnis ist offensichtlich.

Treffen sich die Redakteure aus den verschiedenen Ressorts der FAZ eigentlich ab und zu mal zum gemeinsamen Kafeetrinken? Man könnte meinen: eher nicht! Denn während die Politikredaktion der FAZ sich konservativ gibt und der Wirtschaftsteil stramm neoliberal ist, lobt Schirrmacher den "linken" Ökonomen Paul Krugman über den grünen Klee (mehr, als ein Selbstdarsteller wie Krugman es eigentlich verdient hätte), Patrick Bahners wünscht sich Gesine Schwan zur Bundespräsidentin (obwohl der Redaktion klar sein muss, dass sie das nur mithilfe der Linkspartei werden kann) und Nils Minkmar macht sich über "Fozzy McCain" lustig. Das alles mag die Scharen an FAZ-lesenden Grünen- und Linksparteiwähler bei Laune halten. Der Glaubwürdigkeit der FAZ dient das allerdings nicht.

Was in Amerika der New Deal war, war, teilweise ist noch in Deutschland der rheinische Kapitalismus. Ein Kapitalismus, der nicht die Flexibilität absolutierte und die soziale Sicherheit diffamierte, sondern beides komplementär als zwei notwendige Seiten ein und derselben Medaille ansah. Weiterhin eine Balance zwischen beiden anstrebte. In der sozialen Sicherheit gibt es daher in Deutschland 5 Säulen, Beveridge- (steuerfinanzierte Sozialleistungen), Bismarck-Säule (staatliche Sozialversicherungen), private Säule (einige der Finanzinstrumente, die jetzt in Verruf geraten sind), zivillgesellschaftliche Säule (gemeinnützige Vereine, Stiftungen etc.) und die Familien-Säule. Die Herausforderung besteht darin, diese Säulen komplementär zu gestalten und fitt für die neuen Herausforderungen der Globalisierung zu machen. Dabei kann man weder auf den Staat noch auf den Markt geschweige denn auf Familie und Zivilgesellschaft verzichten.

@ Herrn Klemme - Die Steigerung der Arbeitskosten - also nicht nur der Lohnkosten - wird durch das einkommenspolitische Monopol des (Metall-) Tarifkartells und durch die sog. 'paritätische Finanzierung' der Sozialleistungen betrieben. Der Produktivitätsfortschritt wird also über durch Anstieg der Bruttoarbeitskosten verteilt. Beide Kostenströme für die Finanzierung von Wohlstandssteigerung und Sozial-Leistungen können sofort auf Energie- und Sachkapitaleinsatz umgestellt werden - mit revolutionären und rettenden Auswirkungen auf die Produktions- und Lebensstile in den entwickelten Industriegesellschaften. Diese '2. Industrielle Revolution' ist evolutionsprozess-logisch unaufhaltsam - es sei denn, man wünscht sich einen völligen Zusammenbruch der Industriekultur von apokalyptischen Ausmaß. Das Umsteuerungswissen ist da. Je später es in die Diskussion gerät, umso höher werden und 'Rettungs- und Revolutionskosten' sein. Das Rettungsprojekt wird also kommen. Auf die aktuelle Finanzsystemkrise wird eine ebenso dramatisch verlaufende Industriesystemkrise folgen. Die Durchsetzung des Rettungsprojekts (= EPIKUR-Projekt) werden die Finanzmärkte organisieren - durch eine Vorwegnahmespekulation des Evolutionär-Unaufhaltsamen.

@Klemme: Die zunehmende Ungleichheit wurde nicht toleriert, in der Gesellschaft, sondern nur ohnmächtig begleitet, zumindest von dem Teil der Gesellschaft, dessen Einkommen eben nicht gewachsen, bzw. sogar gefallen sind. Sie wurde von den Handlangern solch einer Entwicklung – der politischen Klasse – kräftig unterstützt, zumal auch für sie dabei „Bonis“ abgefallen zu sein scheinen. Man muss unterscheiden!

Der NEOliberalismus wurde von der Kapitalseite zu einer verlogene Ausprägung des Liberalismus entwickelt, um ihn in den Dienst des Kapitalstockmaximierungs-Projekts (= Vorherrschaft der K'interessen) nehmen zu können. Er ist zur Ideologie der K'interessen-Machtstruktur verkommen. Sein Verschleierungstrick ist u.a.: er setzt sich mit dem Modell der 'freien Marktwirtschaft' gleich. In Wirklichkeit hat er das Modell der 'kapitalstockmaximierenden Marktwirtschaft' realisiert. Wir haben in D einen Rumpelstilzchen-Aufstieg zum geheimen Tyrannen erlebt. Der ORDOliberalismus hingegen erkennt in j e d e m Machtsystem - auch in der Vorherrschaftsstruktur der Kapitalinteressen/Kapitalstockmaximierer - den freiheitsauflösenden Gegner der freiheitlichen Gesellschaft. Er weiß um die Labilität der Interdependenz der Ordnungen, d.h. er weiß, dass das Freie-Spiel-der-Kräfte jederzeit von geheimen Steuerungs-/Vormachtstrukturen beendet werden kann, so dass deren Leistungen auf die Mühlen des fast-geheimen Rumpelstilzchenclans umgelenkt werden können - ohne dass die Abgezockten wissen Wie?, sondern nur ahnen, dass etwas faul ist ... Trost: der Kreis um Angela Merkel kennt dieses deutsche Drama und betreibt die ORDOliberale Revolution.

Krugmann beschreibt die Auswirkungen des Neoliberlismuses auf die Gesellschaft sehr treffend. Deutlich wird hier auch, dass sich im Zuge dieses Neoliberlismuses das Geld nicht mehr Mittel zum Zweck, sondern einen Selbstzweck angenommen hat, der auch Mittelstandsbanken und staatliche Banken in ihren Sog gezogen hat. Wie auch Krugmann beschreibt, sollten Staaten, die durch die Finanzkrise erhebliche Verluste erlitten haben, sich auf Werte aus vergangenen Zeiten rückbesinnen. Für Deutschland hieße das, das Rückgrat der Wirtschaft und Arbeitsplätze, nämlich den Mittelstand stärker zu finanzieren und zu stärken. Zwar werden hier die Renditen nicht so hoch ausfallen wie in hoch spekulativen Finanztransaktionen, aber für den Staat und die Gesellschaft viel sicherer und nützlicher sein. Cüneyt Eryilmaz

Die Entwicklung auf Zinseszins und Vererbung zu reduzieren ist eine grob fahrlässige Vereinfachung. Um nur ein Gegenbeispiel zu nennen: die Investmentbanker haben ihre Vermögen mitnichten durch Vergrößerung ihres Erbes angehäuft sondern durch die exorbitanten Boni, die wiederum durch das Volumen der abgewickelten Transaktionen bestimmt werden. Das Zurückführen auf die Kostenschere trifft auch nur die halbe Wahrheit, denn zumindest die Energiekosten sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Auch sagt Herr Kalupner nichts darüber, warum denn die Löhne steigen und die anderen Kosten nicht. Wahr ist sicherlich, dass die zunehmende Ungleichheit in den vergangenen Jahrzehnten immer noch von unseren Gesellschaften toleriert wurde. Insofern hat die Finanzkrise vielleicht doch ihr Gutes, weil sie uns hilft, uns auf bestimmte Werte zurückzubesinnen. In einer globalisierten Welt wird es freilich schwerer, Einkommensstrukturen zu erreichen, die weniger auseinanderklaffen wie heute.

Ich habe Ihren Artikel heute schon dreimal gelesen und werde es vermutlich noch 18 mal tun, so ich die Zeit dazu habe. Er ist mir aus der Seele gesprochen, und zwar mit jedem einzelnen Wort. Einzelne Passagen sollte man hersagen können. Hoffen wir also, dass Krugmans Ansicht sich weiter verbreite und der Schwanengesang auf die Mittelschicht doch zu früh komme.

Es ist schon betörend, wie schnell und konsequent selbst die FAZ sich innerlich vom Neoliberalismus verabschiedet. Ich bin dabei - auch wenn ich noch nicht ahne, worauf ich meine Hoffnungen auf eine Erneuerung der Gesellschaft stützen soll. Auf die Moral werden wir uns auch nach diesem Schock nicht verlassen können. Zumal auch jetzt die Politik die Gelegenheit verstreichen lässt, durch ein Massaker unter den Verantwortlichen der Bankenkrise dafür zu sorgen, dass die "Leistungselite" endlich Angst vor dem Versagen entwickelt. In Deutschland scheint es an dem Mut zu fehlen, Manager auch nur anzuklagen. Die FAZ könnte helfen, hier für den nötigen moralischen Druck und das Encouragement zu sorgen. Packt die Guillotine aus, ihr Journalisten! (Und hackt jetzt auch mal dem einen oder anderen Kollegen, der nach Deregulierung geschrien hat, ein Auge aus!)

3. Schlag gegen Bushs Amerika: Was für ein Glück, das der das letzte Jahr Präsident ist. Sonst würde nächstes Jahr vielleicht noch Chavez den Friedens- und in 2010 Achmadinedschad den Physiknobelpreis bekommen. Aber mal ernst: Als "FAZ'ler" seit ca. 30 Jahren, kann ich sagen, daß sie immer mehr nach links gerückt ist. Ob, wegen oder durch Schirrmacher? Die Argumente erinnern mich an die Rechtfertigungen von Lafontaine! Und zum Thema Bushs Wirtschaftspolitik: Die zunehmende Deregulierung und Globalisierung erlebt man spätestens seit Anfang der 90er. Möchte man es an einem Präsidenten festmachen, wäre es also der Demokrat Clinton. Ebenso steigt die (private) Verschuldung der Amerikaner seit Jahrzehnten, auch unter Clinton. Und Krugman unterstützt nun die Demokraten. Spitze!

DAs Elend begann lange vor Bush. 1992 veröffentlichte der nicht ganz unbekannte John Kenneth Galbraith ein Buch mit dem Titel "Die Herrschaft der Bakrotteure. Der wirtschaftliche Niedergang Amerikas". Die Überschrift zu Kapitel 5 lautet: Die amtliche Lizenz für die finanzielle Katastrophe", der erste Satz: "In dieser Welt wird jeder Unsinn, den die Reichen erzählen, gern zur Weisheit erhoben." Zu diesr Form von Unsinn gehört auch die von Geißler über Westerwelle bis zur FAZ jahrzehntelang der Öffentlichkeit als Mantra eingebläute Parole "Leistung muss sich lohnen". Wer eine solchen Haltung den Boden bereitet, erzeugt nicht Leistungsbereitschaft, sondern Habgier, wie die vergangenen Jahrzehnte und die gegenwärtige Krise zeigen.

Der Autor nennt Krugman einen "großen Theoretiker", in dem "ein deutscher bürgerlicher Liberalismus, der auf sich hielte," seine Zukunft sähe. Hier dessen weisen Worte: Oktober 2001: "Wirtschaftspolitik sollte weiteres Ausgeben fördern um das vorübergehende Nachlassen von Geschäftsinvestitionen auszugleichen. Niedrige Zinssätze, welche Ausgaben in Immobilien und anderen dauerhaften Gütern fördern, sind die Hauptantwort." August 2002: "Um diese Rezession zu bekämpfen benötigt die Fed mehr als eine Einzelaktion; sie benötigt rapide steigende Privatausgaben um kränkelnde Geschäftsinvestitionen auszugleichen. Und dafür muss Alan Greenspan, (...), eine Immobilienblase erschaffen um die Nasdaq-Blase zu ersetzen." Erst nachdem Andere jahrelang die Krise vorhergesagt und mit dieser Geldpolitik der Fed begründeten kamen Krugman Zweifel: Mai 2005: "Was passiert, falls die Immobilienblase platzt? Es wird wieder das gleiche (wie in der Aktienblase) sein." Und als die Krise endlich da war, lag das natürlich an der "Ideologie" angeblich freier Märkte: Dezember 2007: "Wo waren die Regulierer? (...) Sie waren von Ideologie geblendet." Seine eigenen Worte wenige Jahre zuvor hatte er bequemerweise vergessen. Die FAZ offenbar auch. Wir nicht.

…“ Aufstieg der unteren Schichten“…ist das ein Versprecher?In einem Punkt irrt Krugmann.Die „Philosophie“ bewirkt gar nichts,sie ist nur der Knüppel,mit dem obsolet gewordene Theoretiker (überflüssigerweise) totgeschlagen werden.Keynes ist somit zweimal eines natürlichen Todes gestorben.Einmal wie jeder anderer,nämlich in seinem Bett vermutlich,und dann noch mal durch diesen Knüppel.Keynes ist der Ökonom der Fließband- und automobilen Gesellschaft,zudem in einer Nachkriegsepoche,in der die Werte und damit auch die Mehrwerte wieder mal erst geschaffen werden mussten.Er ist der Ökonom einer damit gewachsenen sog. arbeitnehmenden Mittelschicht.Aber schon die erste große Krise nach dem Krieg,die als Ölkrise in die Geschichte ging,zeigte das Ende an.In der Konsequenz kauften sich die Raffinerien in die Automobilindustrie ein–um den Absatz zu sicheren, bzw. die Verluste besser abschreiben zu können.Mit dem Aufkommen der Informationsgesellschaft läuteten definitiv die Sterbeglocken über diese und viele andere Industrien.Die Finanzindustrie ward geboren und Keynes beerdigt.Nun besteht Gefahr, dass die Finanzkrise reale Werte vernichtet und schon wird Keynes aus der Grube geholt.Das ist pietätlos,denn er muss dann ein drittes Mal sterben.

... ist eben doch nur ein Tier, und ein einigermaßen assoziales noch dazu, wir sollten uns auf unseren Intellekt wohl nicht allzu viel einbilden, im Gunde hat sich außer der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten zur Ausbeutung von Mensch und Natur sowie einigen technischen Spielereien insbesondere gesellschaftlich seit der Steinzeit im Großen und Ganzen nicht viel geändert: Deshalb sind uns an den Hochschulen ja auch Maschinenbau und Informatik so unendlich viel mehr wert als z.B. Geisteswissenschaften und Ethik ! Aber mal ehrlich, wer will den schon freiwillig auf sein bequemes und degeneriertes Leben verzichten und am Ende gar sein Brot ehrlich verdienen ?

Das ist die genialste Aussage, die ich in den letzten Jahren las! Ja, es gibt eine Korrelation, die am Wohlergehen des anderen nicht vorbeigeht. Eine sehr weise Entscheidung für diesen Nobelpreis! Gratuliere und Hoffe!

Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, haben wir in den westlichen Demokratien den Systemzustand von Ländern mit entwicklungslandtypischen Strukturen erreicht. Wenige Reiche kontrollieren viele Arme. Das hält keine Demokratie aus, die logische Folge wäre die Einführung einer Diktatur (die haben wir de facto ja auch schon. Unsere Parteien- und Verwaltungsdiktatur beschließt vieles, was demokratisch im Volksentscheid zur Abstimmung gestellt so niemals Gesetz werden könnte). Wenn die aktuelle Finanzkrise nicht Anlaß für weitreichende Korrekturen ins Wirtschaftssystem sowie auch - und dies - viel notwendiger in das politische System gibt, wird der Konflikt arm gegen reich radikaler. Und bei der Bekämpfung der Konflikte erkennen wir die Diktatur. Es sollte mich wundern, wenn sich das Nobelpreiskomitee nicht ganz frei von der aktuellen Finanzmarktkrise für Paul Krugman entschieden hätte. .

@Hense, @Krüger betreffend: Der steuerungsmächtige Ausgangspunkt der Zinseszins-Dynamik und damit der Crash- und Arm-Reich-Scherendynamik ist die Kostenschere zwischen den Faktoren Arbeit-steigend einerseits und Nichtarbeit-nichtsteigend (= Energie, Sachkapital, Immobilien) andererseits. Daraus entsteht ein Wachstumszwang, der alle Gesellschaftsmitglieder über die Kostenschere zwingt, dabei zu helfen den Hightech-Kapitalstock (deutscher Weg) oder den Hichtech-Konsum (US-Weg) in immer luftigere Höhe zu hebeln - sonst bricht das gesellschaftliche System an der Massenarbeitslosgikeit recht bald zusammen. Das ist ein politik-ökonomisches Crashprogramm von fundamentalster Qualität und von genialer Einfachheit - und deshalb so selbstverständlich, dass fast jeder fachlich, kybernetisch Nichteingeweihte diese fundamentale Weichenstellung ignoriert. Auch Krugmann sieht offensichtlich diese Quelle aller Fehlentwicklung und in allen Industriestaaten vorhandene Steuerungssystemrealität nicht, sonst würde er eine ökosoziale Umfinanzierung der staatlichen und sozialen Leistungen auf globalem Level fordern.

Immer wieder die naive Frage: WOFÜR die Ackermänner soviel Geld eigentlich brauchen. Was kauft man sich mit einer Milliarde? Goldminen? Ölquellen? Mehrheitsbeteiligungen? Britische Erstligisten? Falsch, falsch, falsch! Mit so viel Geld kaufen sie sich MENSCHEN. Nicht ihre Arbeitskraft, sondern Leib und Seele und alles was dranhängt. Nach der Devise: Kapitalismus ist gut, Feudalismus ist besser.

Als langjähriger Leser von Krugmans Kolumne in der NY Times bin ich durchaus der Meinung, dass Krugman die Politik Bushs heftig und kompetent kritisiert. Und zu Recht, die Kombination von Neo-Liberalismus und Unfähigkeit der letzten 7.5 Jahre U.S. Amerikanischer Administration ist beispiellos in der amerikanischen Geschichte. Man könnte natürlich die Große Depression der 30er zitieren, aber eigentlich sollten Regierungen von dieser Episode, und ihren kleineren Brüdern, gelernt haben. Krugman mit einem "Ende des Wohlstandsversprechens" in Verbindung zu bringen ist aber arg weit hergeholt. Im Gegenteil zeigt Krugman Wege auf die mit relativ kleinen Korrekturen genau diese Versprechen einlösen könnten. Dass diese Regulationen ihn in den U.S. of A. weit ins liberale Spektrum schießen liegt an der vollkommen verblödeten republikanischen Mischpoke. Es ist einer, oft obszön reichen, Minderheit gelungen mithilfe massiver Propaganda in etlichen Staaten in den 60ern Wähler zu gewinnen, die aufgrund ihrere wirtschaftlichen Situation niemals republikanisch wählen dürften. Die Südstaaten wurden damals verloren als Farbige endlich gleiche Rechte erlangten, Frauen wesentliche Schritte zur Gleichberechtigung taten.

Die beste Wirtschaftsnachricht des Jahres 2008. Herlzlichen Glückwunsch und alles Beste aus Zürich! C. Dispinar

Die Sache mit "die Reichen immer reicher, die vielen arm und die Mitte vor dem Abrutschen" hat Krugman aber noch 1999 ganz anders gesehen. Er schrieb, mit guter Ausbildung bekäme man idR auch einen guten Job und eine gute Bezahlung; die Ängste der Mittelschicht seien unbegründet (Auch Stiglitz machte sich für die Clinton-Administration stark). Im Nov. 2000 wird Bush gewählt, kommt Jan. 2001 (?) ins Amt und gerade ein Jahr später ist schon der "Untergang der Mittelschicht" erreicht ? In D. ist es ähnlich. Der DGB-geförderte Konjunktur-Experte Horn erklärt, wir werden immer reicher. Die Erbengeneration entsteht und man muß Studiengebühren einführen, weil die Kinder der verarmenden Mittelschicht sonst "alle" mit *30* noch auf der Uni hängen; die Tatsache, daß nicht jede Apotheker-Tochter einen gut bezahlten Job in einer Werbeagentur oder einer Filmproduktion bekommt, bezeichnen wir als "Praktikanten-Dilemma". Vllt. sind einige in dem reichsten Deutschland einfach zu satt und gieren nach einer Diktatur - aber da sollte man sich keine Illusionen machen: Wir sind eine überalternde Gesellschaft, die ganz andere Probleme als "Reiche" hat. q.e.d.

... dass es neben/mit Krugman sogar akad. Talente aus deutschen Landen in dieser Richtung aus Frankfurt a.M. selbst gibt, im Jahr 2007 habe ich eine engl. Kurzversion ins Netz gestellt (kostenlos, auf scribd, genannt Plutopia) , die sich auf allgemein makrooekonomische, nicht laenderspezifische Aspekte (aber sehr populaerwissenschaftlich erklaert) , beschraenkt, wo ich sogar nach den juengsten Ereignissen nicht 1 Zeile aendern muesste (was etwas heisst) / MfG cp

Zitat: "Krugman stellt eine einzige Frage: Wie kann es sein, dass die modernen ökonomischen Verhältnisse im Begriff sind ein paar sehr Reiche, viele Arme und eine große Schicht, der ständig um ihre Existenz fürchtende Mittelschicht produzieren?" Das läßt sich sehr leicht erklären: es ist der Umverteilungsmechanismus durch den Zins. Alle Besitzer von Kapitalvermögen werden von Jahr zu Jahr reicher, alle Schuldner werden von Jahr zu Jahr ärmer. Nachdem dieses Spiel nun 60 Jahre gespielt wurde, gibt es fast nur noch Superreiche und hoch verschuldete Arme. Die Mittelschicht ist fast verschwunden. Man nennt diesen Prozeß auch die Schere zwischen Arm und Reich und sie öffnet sich in *allen* Ländern der Erde, weil alle Länder ein auf Zins und Zinseszins basierendes Geldsystem haben. Die FAZ berichtet Jahr für Jahr darüber, daß die Kapitalbesitzer reicher werden, mit gewaltigen Zuwachsraten von 7-10% pro Jahr. Und sie berichtet Jahr für Jahr darüber, daß die Lage bei den Menschen der Unterschicht immer schlimmer wird, die Verschuldung immer höher und die Lebensverhältnisse immer prekärer. Aber dem Zusammenhang mit dem Geldsystem und der Umverteilung durch den Zins sieht auch die FAZ nicht - leider.

Wenn das, was Sie, Herr Schirrmacher, hier wiedergeben, alles ist, was Krugman zu kritisieren hatte und kritisiert hat, dann, mit Verlaub, hätte man auch mir den Nobelpreis verleihen können, denn dasselbe habe ich meiner Frau, meiner Geliebten und meinen Kumpels beim Doppelkopf schon vor über einem Jahrzehnt erzählt.

Krugmans Wahl zum disjaehrigen Nobelpreistraeger erscheint fragwuerdig, nicht da er ein heftiger Kritiker der Bush-Regierung ist - andere fallen ebenfalls in diese Kategorie (etwa Joseph Stiglitz, zweifelsfrei ein wuerdiger Preistraeger). Problematisch allerdings ist der Umstand, dass dies scheinbar ein wichtiger Punkt bei der Vergabe des Preises war. Krugman's wesentliche Leistung war die Etablierung von unvollstaendigem Wettbewerb in der Handelstheorie. Sicherlich wichtig, aber Andere haben sich vergleichbar, wenn nicht noch staerker um die Handelstheorie verdient gemacht. Jagdish Bhagwati etwa wurde voellig uebergangen - ein Mann, der Dutzende wesentliche Publikationen zum Thema Handel veroeffentlich hat und von vielen als der Vater moderner Handelstheorie betrachtet wird. In Stiglitz Fall hat sich die Akademie entschieden, den Preis aufzuteilen und das waere sicherlich eine angemessene Loesung hier gewesen. Dieser Tage sind politische Aspekte jedoch offenbar wichtiger als Akademische. Anti-Amerikanismus aber - berechtigte Kritik an George Bushs furchtbarer Politik hin oder her - ist nicht im Sinne der Nobelpreise (auch wenn der Wirtschaftspreis eigentlich gar keiner ist) und schadet dem Ansehen der Stiftung.

"Diese Krise wird zu einem fundamentalen Durchdenken unserer Gesellschaften führen,.." und von einer operationalen Physik des Evolutionsprozesses ausgehen, und bei einer gesellschaftlichen Verfassung des kreativen Evolutionsprozess-Weges enden. Übrigens hat Wladimir Putin - und damit Rußland - den Erkenntnisschritt und die Implementierungs-Entscheidung im April/Mai 2000 schon vollzogen. Rußlands Finanz-, Wirtschaftssteuerungs- und Sozialverfassung entspricht schon der neuen Ordnung-des-KREATIVEN. Russland ist besser als alle 'alten', westlichen Industriestaaten im Epochenwechsel positioniert. Die Frage, die Paul Krugman stellt, "Wie kann es sein, dass die modernen ökonomischen Verhältnisse im Begriff sind ein paar sehr Reiche, viele Arme und eine große Schicht, der ständig um ihre Existenz fürchtende Mittelschicht produzieren? " werden auf der Grundlage der Evolutionsprozess-Theorie in e i n f a c h s t e r Weise beantwortet. Auch die Machtfrage wird beantwortet und das Herrschaftsgeheimnis der Kapitalstock- und Kapitaleinkommens-Maximierer offengelegt. Manchmal ist das Einfachste machtpolitisch so gefährlich, dass die Machtspitze alles unternimmt, um den einfachen Evolutionsprojektansatz zu vernebeln.

Roosevelt. Ich nehme an, daß bekannt ist, daß erst die Ankurbelung der Rüstungsindustrie - ich will jetzt keine unpassenden Vergleiche machen - die Arbeitslosigkeit in den USA in starkem Maße senkte. Maßnahmen des New Deal wie Beschäftigungsprogramme, Arbeitszeitverkürzung und staatliche Verschuldung hatten die Zahl der Beschäftigten kaum verändert. Ich traue mir kein Urteil über einen Nobelpreisträger zu aber ich hätte Krugman v.B. (vor Bush) eher als "Hohepriester" der Globalisierung gesehen, der die von Paläo-Konservativen geübte Kritik an NAFTA und drohender De-Industrialisierung in den USA abwehrte. Und v.B., bereits 1999/2000, gab es ernstzunehmende Befürchtungen hinsichtlich eines "Crashs" - ausgehend von subprimes und gigantischer privater Verschuldung, die die Haushaltsüberschüsse (so diese überhaupt existierten) unter Clinton herbeiführten. Aber so mancher soll seine Meinung geändert haben, wenn nicht mehr "seine Partei"am Ruder. FDR kannte allerdings keine "Achse des Bösen" - der sprach lieber von "Quarantänestaaten".

Merkwürdigerweise fällt in dem Beitrag von Frank Schirrmacher der Name von John Maynard Keynes nicht ein einziges Mal. Dabei ist Paul Krugman wohl einer der prominentesten Vertreter des (Neo-)Keynesianismus. In Amerika wird jemand wie Krugman als "liberal" bezeichnet, in Europa würde er eher als ein Sozialdemokrat gelten. Mit der eher neoliberal geprägten deutschen Tradition der Sozialen Marktwirtschaft haben Krugmans ökonomische Theorien jedenfalls herzlich wenig zu tun.

Wie kann man einen Politgauner wie Roosevelt loben. Kein Fragezeichen, weil affirmativ. Der Mann perpetuiierte die Weltwirtschaftskrise mit seinem fehlgeschlagenen new deal (man kann den Begriff nur klein schreiben), suchte den Kriegseintritt in WW II, um davon abzulenken, bandelte mit uncle joe an (verdient auch keine Grossbuchstaben) und machte die Sowjetunion für 50 Jahre zur Angstgrösse in Europa und Amerika.