„K-Frage“ bei der Union

Stoiber will noch nicht verzichten

Von Stefan Tomik

Hält seine Zeit für gekommen: Edmund Stoiber

Hält seine Zeit für gekommen: Edmund Stoiber

23. Mai 2005 Edmund Stoiber muß zusehen, wie die CDU ihre Vorsitzende Angela Merkel schnell und zielstrebig zur Kanzlerkandidatin der Union aufbaut. Seit der Ankündigung des SPD-Vorsitzenden Müntefering am Sonntag abend spricht sich ein Ministerpräsident nach dem anderen für Merkels Spitzenkandidatur in der vorgezogenen Bundestagswahl aus - und gibt eigene Ambitionen auf.

Das will der bayerische Ministerpräsident offenbar noch nicht. Auf einer Pressekonferenz am Montag schaffte es Stoiber, die Frage der Kanzlerkandidatur zu umschiffen und blieb auch über seinen möglichen Wechsel nach Berlin so unverbindlich wie nur möglich: „Ich werde alles tun für den gemeinsamen Wahlerfolg.“

Wulff und Koch unterstützen Merkel

Wulff, Merkel: Jeder weiß es

Wulff, Merkel: Jeder weiß es

„Jeder ahnt und jeder weiß, wie die Entscheidung fallen wird“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff am Montag morgen. Also wird es Merkel? „Ich denke, daß Sie mit Ihrer Vermutung sehr in der Realität liegen“, sagt Wulff. Mit ihm verzichtet der derzeit beliebteste Politiker Deutschlands auf die Führungsrolle in der Union.

Der hessische Ministerpräsident Koch galt lange als Gegenspieler Merkels mit eigenen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur. Doch auch Koch stellte sich am Montag morgen klar hinter die CDU-Vorsitzende: „Ich kenne niemanden, der anderer Meinung ist“, behauptete Koch - und spielte die Abstimmung mit der CSU gar als „formale Entscheidung“ herunter.

„Ich halte das für keinen guten Stil“

Stoiber ist über die Festlegungen in der Personaldiskussion gar nicht erfreut. „Ich halte das für keinen guten Stil“, sagte er am Montag. Personelle Fragen würden erst bei einer gemeinsamen Präsidiumssitzung am nächsten Montag geklärt. In einer Demokratie sollten wichtige Entscheidungen zuerst in den Parteigremien besprochen werden. Dabei war die vergangene Kanzlerkandidatur der Union auch nicht gerade „zuerst in den Parteigremien“ entschieden worden - sondern im Zwiegespräch mit Merkel beim legendären Frühstück in Stoibers Haus in Wolfratshausen.

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hatte dagegen am Montag unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß Stoiber im Falle eines Wahlsieges nach Berlin wechseln werde. Stoiber werde dort „die wichtigste Rolle spielen, die man als CSU-Vorsitzender in einer Bundesregierung spielen kann“. Damit gibt Glos mehr Rätsel auf, als er Fragen beantwortet hätte. Wäre „die wichtigste Rolle“ nicht jene des Bundeskanzlers? Oder muß man die Aussage als Eingeständnis werten, daß ein CSU-Vorsitzender nicht Bundeskanzler werden kann?

Text: @nto., FAZ.NET
Bildmaterial: dpa/dpaweb, REUTERS

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