Von Maria Holzmüller
24. August 2007 Die Abläufe in einer Großküche müssen perfekt geplant sein, jeder Handgriff muss sitzen, jeder Einsatz stimmen. Tim Mälzer, der uns in seiner allabendlichen halben Stunde auf Vox bislang von seinem Motto Schmeckt nicht, gibt's nicht zu überzeugen suchte, müsste das eigentlich wissen. Was ihm im kleinen Format noch gelungen ist, lässt ihn in seiner ersten abendfüllenden Kochshow Born to Cook scheitern.
Im Rahmen der großen Kochoffensive, mit der der Kölner Privatsender Vox bisher auf der Erfolgsschiene fuhr, lässt Mälzer fortan zur besten Sendezeit zwei Teams in der Küche gegeneinander antreten, es geht um Kühlen oder spülen. So platt wie der erzwungen gereimte Slogan kommen Gewinn und Strafe dann auch tatsächlich daher: Die Sieger bekommen einen hellblauen Mini-Kühlschrank - leer wohlgemerkt -, die Verlierer müssen abspülen. Gemessen an den zu bewältigenden Aufgaben der Teams, erscheinen die Prämien dann allerdings doch wieder angemessen. Mälzer degradiert seine Kandidaten, die Metzger und die Feuerwehr, zu farblosen Statisten, die sich allenfalls noch schulmeisterlich zurechtweisen lassen müssen, weil die Karotten und der Lauch für die klare Brühe fingerdick anstatt fingernageldick geschnitten sind.
Hektischer Redeschwall
Mälzer gelingt es nicht, seine Gäste ernst zu nehmen, als Koch mag er Fähigkeiten besitzen, als Gastgeber weniger. Es mag an seiner Nervosität bei der Premiere als Showmaster vor großem Publikum liegen - mit seinem hektischen Redeschwall, schon aus Schmeckt nicht, gibt's nicht bekannt, überrollt er mitunter die geladenen Fachleute, die dem Motto der Show Gerichte mit Geschichte den nötigen Gehalt verleihen sollen. Das gelingt ihnen auch - fast.
Der Ernährungshistoriker Gunther Hirschfelder erklärt zum Beispiel, welcher Zusammenhang zwischen dem Garen von Fleisch und der menschlichen Fähigkeit des Sprechens besteht und liefert historisches Hintergrundwissen zur Kartoffel. Für Hobbyköche durchaus interessant, gehen seine Ausführungen unter in Mälzers Wortspielen, die die ganze Szenerie ins Lächerliche ziehen, ebenso wie den Auftritt des Molekularkochs Detlev Repenning. Wir hätten die Molekularküche und die Verwendung von Flüssigstickstoff und Trockeneis gern kompetent erläutert bekommen. Tim Mälzer aber zieht es vor, ein wenig von dem Stickstoffdampf durch seine Nase zu blasen. Repennings Rettungsversuche, seine Arbeit verständlich zu machen, gehen im Trubel unter.
Mit der Show wird übertrieben
Mälzer amüsiert sich über seine eigenen Versprecher, seine Teams schneiden Tomaten und Paprika für ihre Beilagen, und vom linken Bildschirmrand wirft der neue Assistent Nils - er ersetzt die Aufnahmeleiterin Nina aus Schmeckt nicht, gibt's nicht - Quizfragen zum Thema Essen ein. Aufeinander abgestimmt würden all diese Zutaten vielleicht miteinander harmonieren, im jetzigen Format ziehen sie sich zusammenhanglos durch eine orientierungslose Sendung.
Welche Zuschauergruppe Vox damit ansprechen will, ist ein Rätsel. Für wahre Hobbyköche wird außer den historischen Häppchen und dem Hauch Molekularküche wenig geboten, spätestens wenn in den regelmäßig eingeblendeten Infokästen erklärt wird, dass Bouillon das französische Wort für klare Brühe sei, zappen sie gelangweilt weiter. Ob Zuschauer, die sich von den Kreationen der Teams - Paprika- und Gurkensalat - beeindrucken lassen, sich die Mühe machen eigenhändig ein Rinderfilet zu beizen, sei dahingestellt. Kochshows mögen in Mode sein, doch hier wird es mit der Show übertrieben. Auch bei Tim Mälzer brennt mal was an.
Heute um 21.05 Uhr bei Vox.
Text: F.A.Z., 24.08.2007, Nr. 196 / Seite 38
Bildmaterial: VOX/Philipp Rathmer
Blindflieger: Wirtschaftsminister Rainer Brüderle reiht Peinlichkeit an ![]()
Zivilcourage: Der entscheidende Moment
Ihr Klager klagt: Die Trauerfeier für Robert Enke in Hannover
Morbide Schaulust: der Tatort ... es wird Trauer sein und Schmerz übt Medienkritik
Samt unter Strafe: das iranische Regime fürchtet den weichen Protest