RTL-„Superstar“

Was du singst, ist egal

Von Karen Krüger und Marco Dettweiler

Zu rockig für Bohlen? “Superstar“-Kandidat Max Buskohl

Zu rockig für Bohlen? "Superstar"-Kandidat Max Buskohl

23. April 2007 Reibeisenstimme, Ring in der Unterlippe und schwarze Lederjacke mit Nieten: Max Buskohl sieht aus wie ein Rockstar - bis gestern war er auf dem besten Weg, ein „Superstar“ zu werden. Am Samstag rockte der Achtzehnjährige bei „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) mit einem Lied der „Killers“ die Bühne, seine Fans wählten ihn unter die letzten drei Kandidaten der RTL-Castingshow. Selbst Dieter Bohlens ewige Stänkereien - „Ich glaube, dass es Dir ziemlich scheißegal ist, was ich sage. Deshalb ist es mir auch scheißegal, was du singst“ -, konnten die Freude des Berliner Schülers über den Einzug ins Halbfinale nicht trüben.

Der Plattenvertrag mit BMG Music, der dem Gewinner von „Deutschland sucht den Superstar“ winkt, schien zum Greifen nah. Wer Bohlens Juroren-Auftritte kennt, weiß, dass er regelmäßig rhetorisch Amok läuft und sein Gegenüber fahrlässig verletzt. Das mussten bisher alle Kandidaten erfahren. Doch in dieser Sendung versuchte Bohlen weder witzig zu sein, noch seine vorbereiteten Sprüche abzusetzen. Er fiel aus der Rolle. Irgendwie - so schien es - war Bohlen dieser Jungsänger Max nicht geheuer. Und der Schüler konterte souverän - in Interviews nannte er Bohlen „niveaulos“ und „unmoralisch“.

„Spielregeln waren von Anfang an klar“

Im Nachhinein lesen sich die Kommentare des früheren „Modern Talking“-Sängers als Ankündigung dessen, was sich wohl schon länger über dem künstlichen Traumhimmel von DSDS zusammenbraute. Und jetzt wird endgültig deutlich, dass es RTL nicht um Talente, sondern um die profitable Vermarktung kurzlebiger Fernsehgeschöpfe geht: RTL entscheidet, wer ein Star wird, auch wenn er oder sie gar keiner ist. Folgerichtig hat der Sender gestern offiziell entschieden, dass Max Buskohl nicht länger singen darf.

Zur Begründung führt der Sender „Differenzen“ an: Max habe sich nicht durchringen können, für eine Solokarrierer seine Berliner Band „Empty Trash“ aufzugeben, sagte der RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger im Gespräch mit der F.A.Z. „Unsere Spielregeln waren von Anfang an klar. Irgendwann muss auch ein Achtzehnjähriger Farbe bekennen“, sagte Sänger.

Es geht auch darum, die Idee der Show zu schützen

Seit 2005 ist Max unter dem Namen „Charlie Crawford“ Mitglied der erfolgreichen Schülerband „Empty Trash“; in der vergangenen Woche zeichnete RTL ein Konzert der Band auf und zeigte Ausschnitte davon während des DSDS-Wettbewerbs. Jetzt heißt es hingegen, Max habe seine Band zu sehr in den Vordergrund gestellt. Schon länger habe man ihm deutlich gemacht, dass RTL keine „Superband“ suche, sondern einen „Superstar“.

„Das klare Ziel der Sendung ist ein Gewinner, der als Solokünstler einen Plattenvertrag mit BMG Music bekommt. Max hat sich entschieden, dass er mit seiner Band weitermachen will. Im Wettbewerb ist deshalb kein Platz mehr für ihn“, sagte Sänger. Natürlich gehe es „Deutschland sucht den Superstar“ um Talente. Doch es gehe auch darum, die Idee der Show zu schützen.

Erboster Zuschauer reichte Klage ein

Das wollen auch andere, allerdings halten sie RTL für das Problem : Ein erboster Zuschauer hat gestern bei der Staatsanwaltschaft Köln eine Klage gegen RTL eingereicht. Der Kasseler Zuschauer fühlt sich betrogen: Der Sender hätte schon vor Beginn des Wettbewerbs prüfen müssen, ob es Max Buskohl ernst mit seiner Karriere als Solokünstler sei. Seit Beginn der Show hätten er und seine Familie immer wieder für Max Buskohl gestimmt und dabei ein kleines Vermögen gelassen: Jeder Anruf im Telefonvoting, das über das Weiterkommen der Teilnehmer entscheidet, kostet 98 Cent.

Die vergangenen Staffeln der RTL-Castingshow haben gezeigt, dass es Kandidaten ins Halbfinale schaffen können, indem sie als besonderer Typ auf sich aufmerksam machen - Max Buskohl hat das mit Erfolg erprobt: Sein lässiges Auftreten, seine Hartnäckigkeit bei der Auswahl der Rocksongs überzeugte die Zuschauer. Seine Vorliebe für Rockmusik brachte ihm allerdings auch den Ärger mit Bohlen ein. Deutschland suche keinen Rockstar, sondern einen „Superstar“. Welche Qualitäten der haben soll, entscheidet RTL. Eine ganz besondere Qualität hat Max Buskohl schon bewiesen: Er hat die hohle Marketingwelt von „Deutschland sucht den Superstar“ entzaubert.

Text: F.A.Z., 24. April 2007
Bildmaterial: AP

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