Frankreich

Integrationsmodell in Flammen

Spezial Nicht die Republik, aber das republikanische Integrationsmodell, auf das Frankreich jahrzehntelang sein Selbstverständnis gründete, steht in Flammen. Die nächtlichen Straßenschlachten wurden fast ausschließlich mit Ratlosigkeit beantwortet. FAZ.NET-Spezial.

Lesermeinungen zum Beitrag

10. November 2005 21:01

integrationsmodell in flammen

Cornelia Saupe (cornelia_saupe)

solange politiker äusserungen treffen wie: man muss die vorstädte mit einem hochdruckreiniger von dem gesindel befreien- kann man nicht erwarten, dass die aufgebrachte jugend sich beruhigt.
die von der regierung getroffenen massnahmen werden das feuer nur schüren. was man jetzt braucht ist unter anderem eine senkung der mieten. denn gezwungen sind die einwanderer ja nicht, in diesen gebieten zu hausen. sie haben nur keine andere wahl!
zudem gibt es nicht nur das einkaufszentrum um die ecke.. es gibt eine vielzahl von sportklubs in den vorstädten. das problem ist nur, dass auch sie relativ kostspielig sind. vielleicht sollte auch hier der staat seinen betrag leisten, um diese angebote auch für sozial schwächere möglich zu machen..

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
09. November 2005 01:02

Ich bedaure, aber ihr Titel ist ja ganz falsch.

Primus Secundus (Actustragicus)

Unseres "Integrationsmodell" steht gar nicht in Flammen : im Gegenteil, das wirkliches Problem ist, dass dieses Modell einfach nicht mehr praktisch durchgeführt ist !
Die Regierung, Herr Sarkozy-der-Amerikaner vor allem, will es verbrechen, weil dieses Modell ihre Freunde vereiltet, viel Geld zu verdienen. Die Sozialisten sind nichtig, so wie in 2002. Die Medien sind käuflich. Der Staat, der der Vertreter des Volks und der Bürge des allgemeines Wohls sein sollte, hat auf alles verzichten (das heisst Liberalismus...)
Die Junge der Vorstädte sind nur in der vorderste Linie, in dieses Verlassen des soziales Bands. Was könnten sie endlich machen, ausser Gewalt und Selbstgewalt ?
Wir wollen eine Regierung, die weisst, was Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie bedeuten (gerade wie für die europaische Verfassung !) Aber niemand in der politischen und mediatischen Welt hat den Mut dazu. Nur bleibt leider der Aufstand.

Brüderliche Grüsse.
Actustragicus, Paris

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
05. November 2005 11:02

Bitte keine ideologischen Abwieglungsmodelle!

Karl-Olaf Bergmann (KOB1)

Welche Fragen stellen sich uns in Anbetracht der aktuellen Ereignisse in Frankreich? Besteht unsere einzige Besorgnis darin, ob sich Ähnliches in Deutschland ereignen könnte? Haben wir schon fertige Erklärungen parat? Haben wir Angst? Halten wir Paris für ähnlich fern wie Marokko, Algerien o. Afrika schlechthin? Orte, von denen wir kaum noch die Himmelrichtung im Bezug zu uns richtig bestimmen können. Sind uns mit diesen Orten auch die Menschen jener Nationalitäten so fern geworden, obwohl sie schon längst direkt unter uns wohnen? All das könnten Ausdrucksformen eines allgemeinen Nicht-Ernstnehmens sein. Nicht ernst genommen haben wir Europäer die unter uns wohnenden Ausländer – u. oft schon längst zu Inländern gewordenen Menschen – wohl nie. Sie waren immer vordergründig Objekt unserer eigenen Interessen. Erst Ziel der Kolonisation, später billige Arbeitskräfte, bald Kanonenfutter ideologischer Kämpfe nationaler Platzhirsche u. schließlich Streugut kulturverdrossener konfus multikultureller Wiederbelebungsversuche. Die Ereignisse in Paris haben jeden Scharm universitärer Diskussionen verloren. Wir schauen vielmehr in das entstellte, zu Fratzen verzerrte Gesicht einer krankhaft individualisierten u. in Fragmente aufgebrochenen europäischen Gesellschaft, die entweder sensationshungrig fassungslos u. gelangweilt o. ohne jeden existenziellen Ernst über die Schicksale anderer Menschen hinwegschaut. Wann werden wir diese Menschen hier und in Paris endlich ernst nehmen?!

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
05. November 2005 03:38

Krise von Multikulturalismus

Jan Hlavac (Olav1)

Die moderne Gesellschaft zeichnet sich durch eine komplizierte Arbeitsteilung aus. Damit ist auch eine grobe Menge der interpersonellen Beziehungen verbunden. Damit die Leute miteineander gut auskommen können, braucht es einer gewissen Stufe der sozialen Homogenität, die kulturell und vor allem sprachlich ist. Diese Bedingungen nach dem bekannten Anthropologen Ernest Gellner erfüllt gut der nationale Staat, der auf der Grundlage einer traditionellen Volksgemeinschaft gebaut ist.
Die Idee des Multikulturalismus ist im krassen Unteschied zu dem obenerwähneten. Das belegen auch die neuesten Ereignisse in Frankreich, wo eine muslimische Minderheit gegen einen streng sekulären Staat, mit dem sie nicht auskommen will, meutert. Es hängt übrigens mit dem Aufschwung der Islamisten seit der Zeit ihrer erfolgreichen iranischen Revolution im Jahre 1979, mit dem palästinensischen Intifada, mit Al Qaida usw. zusammen.
Der Versuch, die neuesten Ereignisse, die aufgrund der kulturellen Unterschiede entstehen, einseitig sozial-wirtschaftlich zu erklären, ist nicht zufriedestellend. Es scheiterte übrigens auch in anderen Fällen, wo die Unterschiede nicht so krass sind, wie in Nordirland, im Baskenlande, auf Zypern usw. Der Grund besteht darin, dass der Multikulturalismus eine Idee darstellt, die nicht zu verwirklichen ist. Kurzum: Utopie. Ein Islam, und besonders der fundamentalistische, kann die Idee eines säkularisierten Staates mit allem drum und dran nicht hinnehmen.

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
04. November 2005 17:58

Französisches Integrationsmodell

Bernard MARCHOIS (bmfrance)

Liebe FAZ
Ich bin Franzose, aber von der seltenen nicht-arrogante Art. Eigentlich habe ich seit Jahren kein guter Grund über dieses Land stolz zu sein. Also entspricht dieser Artikel haargenau der Realität. Frankreich ist schon lange nicht mehr regiert. Das einzige Ziel unserer Politiker, alle -ob rechts oder links- aus den Eliten-Schulen stammend, haben zwei Ziele : 1)sich an die Macht zu ringen 2)wenn Punkt 1 erreicht ist, sich daran zu klammern. Obere Interesse der Nation? Wohlstand des Volkes? Bitte nicht erwähnen, sonst wird man ausgelacht. Ich bin kein spezieller Amerika-Fan, aber dort geht die Justiz auch an den Kragen der Mächtigen. In Frankreich? Da der Präsident selber vor zwei Untersuchungsrichter flüchten muss, kann man sich vorstellen auf welchem Niveau die politische Moralität hierzulande liegt. Gutes Futter für die Extremisten.
Bernard MARCHOIS
11 allée des Tilleuls
21560 COUTERNON
FRANKREICH

Diese Lesermeinung bewerten Belanglos Lesenswert
1 - 5 von 5 Lesermeinungen
Suche in Beitrag Lesername oder Login
Datum bis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche