Rechtschreibreform

Die Vernunft kehrt nur in Trippelschritten zurück

Am 1. August 2006 soll revidierte Rechtschreibreform verbindlich werden. Wie aber kann die Gesellschaft mit der Reform versöhnt werden? Jedenfalls nicht mit dem neuen Wahrig. Der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler hat ihn geprüft.

Lesermeinungen zum Beitrag

24. Juli 2006 11:23

Jeder schreibe wieder, wie er will

stefan martin (Stefanodinmartin)

Jeder schreibe wieder wie er will, jeder lebe wieder wie er will. Schreibst du noch, oder Lebst du schon?

Stefan Martin

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23. Juli 2006 13:35

Überflüssige Richtigstellung @Hajo StoRk

Annegret Schad (ASchad)

Hajo Stork: >"Herrn Ickler ging es beim Kreißsaalbeispiel um Getrennt- und Zusammenschreibung. Das falsche Längenzeichen hat er weder bemerkt noch gerügt. "

Es ist natürlich müßig, solch albernem Unsinn zu widersprechen – Herr StoRk möchte eben einfach partout recht behalten und dem Ickler ans Bein p…. Ich korrigiere trotzdem: Theodor Ickler hat genau diesen Fehler gerügt. Theodor Ickler: " Die „spät Gebährende“ ist leider kein Druckfehler, denn es folgt sogleich die alternative Schreibweise „Spätgebährende“. Leider scheint sich Herrn StoRk der Sinn des Satzes nicht zu erschließen.

Es wird Herrn StoRk auch nicht von seiner Meinung abbringen, daß Th. Ickler genau diesen Fehler bereits einen Monat zuvor, am 23.6. unter http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=535
gerügt hat. Das wird Herrn StoRk nicht interessieren.

>Frau Schad empfiehlt Herrn Stock (meint Stork) genaueres Lesen. Gilt das nicht, schon aus Gründen des Respekts, erst einmal für das Lesen und Schreiben von Namen? Sehr amüsant.
Ich bedaure durchaus meinen Lesefehler, der vermutlich der Miniaturschrift und meiner Augenschwäche anzulasten ist. Noch amüsanter als dieser ist freilich Herrn StoRks Verständnisfehler.

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21. Juli 2006 14:46

Der Wahrig ganz innovativ: "der Spätgebährende"

Alfred Loerbroks (alnetum)

Die sogenannte Rechtschreibreform ist zwar dreiste Demagogie, sie hat aber auch amüsante Seiten: Auf Seite 979 des neuen Wahrig heißt es in Wirklichkeit "der Spätgebährende", also mit h und mit Artikel masculini generis. Daß wenigstens das h ein Fehler ist, hat der Verlag offensichtlich bereits eingestanden, wie man unter http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?id=535 nachlesen kann.

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21. Juli 2006 12:35

spät Gebährende @Hajo Stock

Annegret Schad (ASchad)

Ich fürchte, Sie haben die von Ihnen inkriminierte Stelle im Artikel von Theordor Ickler nicht richtig verstanden: Sie werfen ihm süffisant vor, in spät Gebährende das falsche h geschmuggelt zu haben, als eklatanten Rechtschreibfehler, für den er sich zu rechtfertigen habe:
"Wie also gelangt ein solcher Rechtschreibfehler in einen Artikel über Rechtschreibfehler?" schreiben Sie.

Ihre Süffisanz ist allerdings überflüssig; Sie sollten lieber genauer lesen. Theodor Ickler hat hier die falsche Schreibweise des WAHRIG aufgespießt. Dort finden Sie nämlich auf S. 979 im blauen Kasten:
"der spät Geborene / der Spätgeborene, die spät Gebährende/der Spätgebährende " - (was immer ein Spätgebährender sein mag).

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21. Juli 2006 12:05

"mea culpa"

Michael Thum (stefanvolker)

Auch im privaten Leben macht man immer wieder die Erfahrung, daß es am besten ist, einen nun einmal gemachten groben Fehler unumwunden zuzugeben. Das Gegenüber ist dann fast immer bereit, die Sache zu verzeihen und bezeugt meist noch Hochachtung dafür, daß man den Fehler einzugestehen in der Lage ist. Wenn man versucht, den Fehler zu vertuschen und kleinzureden, macht man alles nur noch schlimmer.
Warum fällt es den Politikern und Sprachwissenschaftlern nur so schwer, diese Lebenserfahrung, die doch jeder einmal macht, auf diesen Fall anzuwenden.
Die ganze Sache war von Anfang an ein Fehler. Das kann passieren. Aber das partout nicht zugeben zu wollen, läßt die Handelnden klein und mies erscheinen.

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21. Juli 2006 11:44

Bäh

Reinhard Markner (r_markner)

„spät Gebährende“ und „Spätgebährende“ stehen genau so im Wahrig und sind also in der Rezension richtig zitiert.

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21. Juli 2006 08:49

Vernunft und Rechtschreibung

Hajo Stork (Lyriost)

"Die 'spät Gebährende' ist leider kein Druckfehler, denn es folgt sogleich die alternative Schreibweise 'Spätgebährende'.

Leider, Herr Ickler, ist das nicht nur ein Druckfehler, sondern es sind deren zwei. Aber ebenso leider nicht im "Wahrig", sondern in Ihrem eigenen Text. Genauer: zweimal hat sich der Buchstabe "h" an einen Ort verirrt, wo er nicht hingehört. Oder sagen wir es anders: Da es den bösen Drucker oder dessen Teufel, der angeblich die Fehler in Texte hineinbringt, seit Jahrhunderten nicht mehr gibt und dessen Existenz auf den Zeitraum zwischen Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern und der Diversifizierung der Druckereiberufe reduziert werden kann, und der Setzer, der manchmal für Fehler, also Setzfehler, verantwortlich war, das Zeitliche gesegnet hat, kann sich heute ein Autor, der mit seinem Textverarbeitungsprogramm kämpft, nicht mehr so leicht mit der angeblichen Inkompetenz anderer herausreden, denn daß ein Redakteur oder ein Korrektor ein Wort derart verschlimmbessert, ist eher unwahrscheinlich, selbst bei den augenblicklich herrschenden Witterungsbedingungen. Wie also gelangt ein solcher Rechtschreibfehler in einen Artikel über Rechtschreibfehler?

Ist dafür die Logik des Schreibers verantwortlich?

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21. Juli 2006 00:49

Englische Sprachreform? Sie scherzen wohl?

Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)

Wem würde es je einfallen, die englische Sprache zu reformieren? Reglementierung der natürlich gewachsenen Sprache ist eine typisch deutsche Idee. Die englischen Wörterbuch-Autoren arbeiten DEskriptiv, d.h. sie beschreiben lediglich, was die Leute sagen. Der Duden hingegen arbeitet PRÄskriptiv. Er schreibt vor, was sie sagen SOLLEN. Da liegt der Unterschied!

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20. Juli 2006 20:45

Sprachpflege oder Leid-Kultur?

Alfred Loerbroks (alnetum)

Professor Ickler vermeidet es, die Mitglieder des Rates für deutsche Rechtschreibung Fachleute zu nennen. Auch vermeidet er Wörter in Neusprech wie "Fachmänner" und "Fachfrauen". Sehr lobesam. Doch das Leiden der Denkenden geht weiter.

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20. Juli 2006 19:02

Haben wir keine anderen Probleme?

Wilhelm Friedrich (WillyF)

Typisch deutsch - seit 10 Jahren wettern wir mit einem zum Teil gerade extremistisch anmutenden Überzeugungseifer für oder wider die Rechtschreibreform.

Langsam reicht´s!

Mit Verlaub: Haben wir eigentlich keine anderen Probleme? Dieses Machwerk ist nun wirklich keine weitere Zeile mehr wert.

Ich schreibe, wie es mir gefällt und wie ich es für richtig halte. So geht es allen anderen auch. Und deshalb sollten wir dieses leidige Thema, das allen mittlerweile schon längst zum Hals raushängt, schnellstens begraben.

Auch die Linguisten der FAZ wären gut beraten, dies zu tun.

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20. Juli 2006 17:30

Oh, wie schön ist Panama

Martin Kunstmann (Martinek)

Das Gezuchte um die Rechtschreibreform erinnert mich stark an das Kinderbuch "Oh, wie schön ist Panama" von Janosch:
Nach langen Irrungen und Wirrungen kommen die mit hochfliegenden Plänen ausgezogenen Reisenden wieder da an, wo sie losgingen; und obwohl alles ein bißchen verwildert und verkommen ist, kommt es ihnen schöner vor als je zuvor.
Nach 10 Jahren orthographischen Nebelspuks ist bei vielen die Orthographie verwildert durch das Nebeneinander der verschiedenen Reformstufen und "Hausrechtschreibungen". Jetzt sitzen wir alle im gleichen Boot und müssen wieder neu lernen.
Selig, wer schulpflichtige Kinder hat, der kann sie nach dem aktuellen Stand fragen.

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20. Juli 2006 16:03

Bitte an die F.A.Z.

Annegret Schad (ASchad)

Ich kann die F.A.Z. nur inständig bitten, nicht einzuknicken und nicht dem Druck zum Mitmachen zugunsten einer angeblichen "Einheitlichkeit" der Orthographie nachzugeben. Wie die Analyse von Th. Ickler nur zu deutlich zeigt, ist auch diesem soundsovielten Versuch der Reformierung der Reform keine Zukunft gegeben. Der Wust undurchschaubarer Regeln macht jede praktische Anwendung unmöglich; die haarspalterischsten Einzelfallentscheidungen des alten Duden vor 1996 waren noch nachvollziehbarer als diese neuen Schreibvorschriften. Warum sollte die F.A.Z. sich einem Regelwerk beugen, das schon jetzt den Keim zum nächsten Reformschub in sich trägt? "Einheitlichkeit" im Widersinnigen kann nicht das Ziel einer niveauvollen Schreibkultur sein; Dauer ist diesem neuesten Regelmachwerk nicht beschieden.

Wenigstens eine der großen Zeitungen muß doch der Vernunft folgen und jene bewährte Orthographie hochhalten, die sich über Jahrhunderte als sprachadäquate Form entwickelt hat und jedem Reißbrett-Rechtschreibungs-Konstrukt unendlich überlegen ist!

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20. Juli 2006 14:49

die Vernunft mag zurückkehren, das Geld aber wohl nicht in meinen Beutel

Ralf Fehlmann (henrig)

Die zahlreichen Irrungen, Wirrungen und Wendungen usw. kann ich als halbwegs normal sprechender und lesender Deutscher mittleren Alters eh nicht mehr nachvollziehen, will es auch gar nicht.
Mich ärgert mittlerweile am meisten, daß meine drei Kinder in den letzten Jahren ständig neue Schulbücher brauchten. Ein Teil der Anschaffungen wäre ohne Reform nicht nötig gewesen. Weiterhin fiel und fällt eine Wiederverwendung der Bücher flach.
Wenn ich jetzt noch lese, daß diese Reform von einem ziehmlich einsamen Rat mit einem noch einsameren Ratspräsidenten beschlossen wurde, die sich anscheinend nur noch um ihren Ruf sorgen, na dann danke ....

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