Von Wilfried Endlicher
10. März 2007 Die Auswirkungen der globalen Erwärmung werden dort besonders zu spüren sein, wo sich ein stetig wachsender Teil der Menschheit ballt: in den großen Städten. Es ist deshalb nicht nur eine riesige Aufgabe, den Ausstoß von Treibhausgasen aus den Städten zu verringern, sondern auch, die großen Städte der Erde auf den Klimawandel einzustellen. Ohne Anpassungsprozesse könnte das Leben in den Städten, auch in deutschen Städten, für viele Menschen unerträglich werden.
Städte sind bereits ohne den anthropogenen Zusatz-Treibhauseffekt lokale Wärmeinseln. Ziegel, Beton und Asphalt wandeln die Sonnenstrahlung in Wärme um und speichern sie in Gebäuden und Straßen. Im Mittel sind Städte zwei bis vier Grad wärmer als ihr Umland. In der Nacht kühlen Städte weit weniger stark ab als ihr ländliches Umland. Das kann gerade für ältere Mitmenschen zu einer gesundheitlichen Bedrohung werden.
Besonders empfindliche Reaktion auf Hitzephasen
Der Mensch muss bei sommerlichen Hitzewellen auf Extremwerte von Temperatur, Strahlung und Luftfeuchte reagieren. Bei Tagestemperaturen von vierzig Grad und Nächten über zwanzig Grad ist das Thermoregulationsvermögen besonders bei älteren Menschen häufig überfordert. Die Hitzewelle des Jahres 2003, die in Europa schätzungsweise fünfunddreißigtausend Opfer forderte, gilt als größte europäische Naturkatastrophe der letzten Jahrhunderte. 1994 verdoppelte sich während einer zweiwöchigen Hitzewelle in Berlin die Sterblichkeit.
Der demographische Wandel bedeutet, dass ein wachsender Teil der Bevölkerung besonders empfindlich auf extreme Hitzephasen reagiert. Im Klimawandel werden mehr und mehr Menschen unter thermischem Stress leiden - eine erhöhte Sterblichkeit und Erkrankungsrate zählen ebenso zu den Folgen wie eingeschränkte Leistungsfähigkeit und ein vermindertes Wohlbefinden. Klimamodelle lassen erwarten, dass nicht nur die Mitteltemperaturen weiter steigen, sondern dass außerdem die Variationsbreite der Extremwerte zunimmt. Hitzewellen werden deshalb nicht nur häufiger auftreten, sondern auch noch dramatischer ausfallen.
Klimawandel macht Umbau unserer Städte nötig
Was tun? Die Verantwortlichen in den Städten müssen jetzt damit beginnen, die Infrastruktur auf den Klimawandel vorzubereiten. Nötig ist ein effektives Warnsystem, das bei Hitzewellen eine adäquate Betreuung gefährdeter Menschen sicherstellt. Es wäre etwa bitter, wenn in luxuriösen Pflegeheimen eine Klimatisierung für angenehme Temperaturen sorgt, während ärmere alte Menschen der Hitze ungeschützt ausgeliefert sind.
Der Klimawandel macht einen Umbau unserer Städte nötig. Grünflächen bekommen eine existentielle Bedeutung, weil sie Hitze lindern. Zudem müssen Gebäude so geplant werden, dass eine passive Kühlung erfolgt. Die falsche Antwort wäre es, jedes Gebäude mit elektrischen Klimaanlagen auszustatten, denn das würde den Energieverbrauch explodieren lassen. Für das Stadtleben im Klimawandel sind verändertes Verhalten, intelligente Stadtplanung und eine neue Architektur nötig.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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