Fernsehen

„Focus TV“ nimmt „Spiegel TV“ Sendezeit weg

Von Michael Hanfeld

Ein Sendeplatz für zwei: “Spiegel“-Chef Aust, “Focus“-Chef Markwort

Ein Sendeplatz für zwei: "Spiegel"-Chef Aust, "Focus"-Chef Markwort

21. April 2004 Das Magazin "Focus TV" wird künftig bei Sat.1 auf dem Platz der sogenannten "unabhängigen Drittsendeanbieter" die Hälfte der Sendezeit von "Spiegel TV" übernehmen.

Das sieht eine Vereinbarung der Firma DCTP von Alexander Kluge und "Focus TV" vor, und so hat es die für die Vergabe der Sendezeit zuständige Landesanstalt für private Rundfunkveranstalter Rheinland-Pfalz (LPR) am Montag bestätigt: Vom 1. Juli 2005 an wird einmal im Monat anstelle der "Spiegel TV Reportage" eine Reportage von "Focus TV" gezeigt, vom 1. Januar 2006 an wird die Sendezeit zwischen den beiden Konkurrenten, wie der DCTP-Chef Alexander Kluge dieser Zeitung sagte, "gleichgewichtig" verteilt. Was nicht unbedingt einen wöchentlichen Wechsel bedeuten muß, der dem Sender Sat.1, der die ihm von den Landesmediengesetzen aufgezwungenen Drittprogramme nicht beeinflussen kann, am wenigsten gefiele.

Während sich Alexander Kluge, "Focus", "Spiegel", ja selbst die Landesmedienanstalt auf Nachfrage zufrieden mit der neuen Regelung zeigen, reagiert der Geschäftsführer von Sat.1, Roger Schawinski, denn auch reserviert: "Wir sehen das mit großem Vorbehalt", sagte er: "Es kann nicht sein, daß die Problemlösung zwischen Anbietern von sogenannten ,Sendezeiten für Dritte' auf dem Rücken von Sat.1 ausgetragen wird. Wir werden keine programmliche Lösung akzeptieren, die schlechter ist als die bisherige."

„Erste Klasse“

Nach Ansicht von Alexander Kluge aber sind die "Focus TV"-Sendungen "reportagemäßig erste Klasse" und stellen mithin keine Veränderung dar, die Sat.1 fürchten müsse. Kluge hat mit "Focus" sogar sieben Sendungen beim Sender Vox vereinbart, wo er nicht aufgrund einer gesetzlich eingeführten Zwangslizenz Sendeplätze besetzt, sondern mit 0,3 Prozent selbst beteiligt ist. Wenn man den Gedanken der Sendezeiten für "unabhängige Dritte" wirklich ernst nehme, so Kluge, könne man es nur begrüßen, daß "Focus TV" auf der von seiner Firma DCTP gehaltenen Plattform erscheine.

So ganz freiwillig und in hehrem Denken ist die Entscheidung freilich nicht zustande gekommen: "Focus TV" hat gegen die Sendezeitvergabe der Landesmedienanstalten von Niedersachsen und Rheinland-Pfalz an "Spiegel TV" bei RTL und Sat.1, die auf fünf Jahre lauten sollte, geklagt. Dabei hat "Focus" die Lizenzen zwar nicht sofort stoppen können. Das Oberverwaltungsgericht in Koblenz aber hat die von der DCTP betreute Lizenz bei Sat.1 auf drei Jahre verkürzt (F.A.Z. vom 18. Dezember 2003) und festgehalten, daß es Zweifel an der rundfunkrechtlichen Unabhängigkeit von Kluges DCTP gebe.

Enkel und Tochter

Denn zu seiner Veranstaltergemeinschaft gehöre "Spiegel TV", und an dieser ist wiederum mit fünfundzwanzig Prozent der Stimmrechte der Verlag Gruner + Jahr beteiligt, der zur Bertelsmann AG gehört, diese aber ist der Mutterkonzern von RTL. Womit, wenn man so will, eine Enkelfirma mit einer Tochtergesellschaft ins Geschäft käme. Diese Klage jedoch, die auch dazu geführt hat, daß man bei "Spiegel TV", wie der "Spiegel"-Geschäftsführer Karl-Dietrich Seikel kürzlich wieder bestätigte, über eine Ausgründung nachdenkt, wird, wie "Focus TV" bestätigte, nun zurückgezogen. "Spiegel TV" will sich derweil künftig selbst um Lizenzen bewerben können und nicht mehr auf Kluges DCTP und deren Verteilung der Rechte angewiesen sein.

So sind die Konkurrenten dank gleicher Interessen vereint. Aus Sicht der LPR ändert sich grundsätzlich an der Drittsendelizenz bei Sat.1 nichts: ",Focus TV'", heißt es in dem Bescheid, "ist ebenso wie ,Spiegel TV' eine eingeführte Marke. Aufgrund des gleichermaßen renommierten und seriösen journalistischen Hintergrunds kann der Beitrag beider Sendungen als nahezu gleichwertig eingestuft werden."

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2004, Nr. 94 / Seite 36
Bildmaterial: dpa

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