In der Tat, die FAZ greift das Thema nicht auf, um über die Klassengesellschaft aufzuklären, sondern um die Klasse vorzuführen, die, die es vor-zu-führen gilt und die, welche sie ideologisch vertritt. Und diese Arroganz ist es, wogegen sich sogar der Deutsche zur Wehr setzt – urinstinktiv. - Eine gefährliche Klippenfahrt also am Rande der Klassen, denn, wenn der Deutsche sich über die Klassengesellschaft aufregt, dann über die im Zug, ansonsten ist ihm „Klasse“ so wurscht wie schnuppe.
...die Studien von "Wissenschaftlern", die belegen, dass die Klassentrennung in Bahnen direkt mit den schulischen und beruflichen Leistungen von Menschen zusammenhängt, bevorzugt mit denen von...(bitte wählen Sie)...Kindern, Migranten, Frauen, Prekariatsangehörigen, Bildungsfernen etc. Nach der beliebten Logik: Leute in der ersten Klasse sind oft reicher bzw. gebildeter bzw. beruflich erfolgreicher, also ist die Bahnklasse auch der Grund dafür! (Siehe Beitrag über Computerspiele.)
Danach werden einschlägige Politiker fordern, dass es für diese extrem benachteiligten Gruppen einen finanziellen Klassen-Ausgleich geben MUSS. Natürlich aus dem Geldautomaten, denn da kommt das ja schließlich her.
Frohes Fest!
Stefan M. Oke (fährt zweiter Klasse)
Auch wenn es Mode ist, die Bahn schlecht zu machen, kann man ihr nun wirklich nicht die Schuld am verfehlten Verhaltende einiger Passagiere geben. Das geht doch zu weit.
Die beschriebene Klassentrennung wird in jedem Flugzeug vollzogen und niemand, auch kein Passagier, regt sich darüber auf.
Natürlich wäre es das Einfachste, jeden ICE, IC sitzplatzpflichtig zu machen. Aber genau dass will man bei der Bahn eben nicht. Der Slogan lautet: einsteigen und losfahren. Ist das Profitdenken? Darunter leidet in der Tat besonders Freitags und Sonntags wie beschrieben der Komfort. Aber wie groß wäre der Aufschrei wenn die Reservierungspflicht eingeführt wird...
Anderersseits würden sich damit automatisch die Passagierströme auf die freien Züge verteilen und man könnte sich diesen ganzen Tarifdschungel sparen.
Im Flieger akzeptieren wir bereitwillig unterschiedliche Klassen mit gravierenden Komfortunterschieden. Warum tut sich der Michel bei der Bahn hiermit so schwer? Liegt es vielleicht daran, dass die Bahnfahrt uns noch immer selbstverständlicher erscheint? Wir sind ja nicht auf die Schiene angewiesen... im Gegensatz zu den Flügen, bei denen wir Distanzen überwinden, die wir mit dem Auto nicht mehr in vernünftiger Zeit hinter uns legen würden. Und selbst beim Auto hinterfragen wir die Klassentrennung nicht in dem Maße, in dem hier die der Bahn verurteilt wird... Wo sind die Maße definiert, mit denen der Deutsche misst?
Nach dem Inhalt des Artikels UND selbst Beobachtem sind es aber die Passagiere, die sich selbst in Klassen aufteilen!
Wie im Kommentar beschrieben,war es ein Erste-Klasse-Fahrer,der die Frau mit Kind anschnauzte,war es ein Reservierungsinhaber,der "aus Prinzip" ,aber unnötigerweise jemand anderen von "seinem" Sitzplatz verbannte,sind es Bahnnutzer,die den Bahnbediensteten beim Aufbau des Hebegeräts für den Rollstuhlfahrer belästigte ,stöt sich jeder am Gepäck des anderen,nicht aber an seinem eigenen,....
Sicherlich,die Bahn wird dem Ansturm der Fahrgäste auf den "großen" Linien und zu den Hauptzeiten nicht gerecht.
Aber beim Bahnfahren spielt sich nur spiegelgleich das ab,was sich in unserer Gesellschaft tut:
Wenn es immer enger wird,dann bleibt eben kein Raum mehr für Nachsicht,Rücksicktnahme und Freundlichkeiten.
Dann ist offenbar jeder nur sich selbst der Nächste.Erst recht beim Bahnfahren.
Hier zeigt sich das wahre Gesicht der Deutschen Gesellschaft. Wo ein Mangel Platz greift wird der Charakter der Massen deutlich. ABER - für diesen Mangel ist die Bahn verantwortlich.
Die vorhergehenden Leserzuschriften aber auch der Artikel selbst beschreiben anschaulich, was im Argen liegt und daß die Bahn ein insuffizienter, chaotischer Haufen ist, der schon längst kein Interesse mehr an einer komfortablen und bezahlbaren Beförderung der Bürger hat sondern nur an der Verschleuderung deren Geldes in großkotzige "Global Player" Spekulationen.
... wie heißt es doch so schön: "Geld regiert die Welt" ... und hier stimmt es auch mal wieder !
Das Problem ist einfach, dass es viele Pendler gibt die noch mit S- oder U-Bahn weiterfahren müssen. Da die Züge der Bahn regelmässig unpünktlich ankommen müssen diese Leute oft rennen um ihre Anschlüsse zu bekommen, dabei sind die
2-3 Waggonlängen manchmal entscheidend. Wers nicht glaubt kann es in Frankfurt mal austesten.
Danke, endlich nimmt sich mal jemand der von uns betroffenen Pendler als "Ungezieferdurchsage" bezeichneten "Bitte der Bahn" an.
Diese Durchsage kommt aber nur in ausgewählten Zügen, zB im dem ICE 590, der morgens um 7:45 Uhr in Frankfurt/Main auf Gleis 9 ankommen soll. Eine Stunde später ist diese Durchsage unbekannt.
Ich sage bewusst "soll", denn wie wir alle wissen, ist die Deutsche Bahn immer äußerst pünktlich - weshalb am Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe ja auch die Wartehalle in ein McDonald verwandelt wurde, aber das ist ein anderes Thema.
Erwähungsbedürftig halte ich noch, dass die Wagen der ersten Klasse in dem frühen Zug überwiegend leer sind. Frage an die Bahn: Welche "Fahrgäste der ersten Klasse" fühlen sich denn von den Pendlern, die ihren Anschluss nach Wiesbaden (7:53 Uhr Gleis 24, oder so) oder ihre S- bzw. U-Bahn kriegen müssen, gestört. In der ersten Klasse sitzen um die Uhrzeit meist weniger als 10 "Hansels", die zweite Klasse dagegen quilt über.
Ach, ich könnte mich zu diesem Thema noch endlos auslassen, aber das lasse ich mal lieber.
Eine Pendlerin
Als ehemaliger Besitzer einer Bahn-Card-First, Besitzer einer Normal-Bahn-Card und ehmaliger Vielfahrer im Regionalverkehr kann ich die Beobachtungen nur bestätigen.
Man hat im Bahn-Vorstand entgegen der groß aufgemachten Werbung kein sonderliches Interesse an der Bequemlichkeit der Reisenden (Fahrgäste).
Dies ist auch eine Folge des Konsequent verhinderten Wettbewerbs auf der Schiene.
So hatte ich oft das Vergnügen auf der Strecke Frankfurt-Berlin im verrauchten Bistro auzuharren oder aus gesundheitlichen Gründen vor der Türe zu sitzen.
Viele müssen Bahn fahren mangels alternative und baden dies dann eben aus.
In der ersten Klasse war der Service und die Bequemlichkeit allerdings hervorragend.
Die Pläne des Vorstands den Konzern in einen weltweit operierenden Logistikkonzern zu verwandeln erfordern eben andere, wichtigere Prioritäten.
Dies ist ein sehr guter Artikel. Auch als Nutzer der ersten Klasse fällt mir die zunehmende demonstrative Betonung sozialer Rangunterschiede negativ auf, die sich hier leider als Spiegelung der sozialen Wirklichkeit in unserer Zwei-Drittel-Gesellschaft manifestiert.
Bravo, der Kommentar hat ein Stück Bahnwirklichkeit gut beobachtet.
Überfüllte Züge sind der Normalfall, die Aggressivität leider auch. Und überall diese entsetzlichen Rollkoffer und - noch schlimmer- Rucksäcke.
Ich weigere mich seit Jahren eine 1. Klasse Fahrkarte zu kaufen, weil ich keine Lust habe, mir durch Geld das von der Bahn verursachte Chaos abzukaufen.
Der Gang durch die 1. Klasse ist doch nur dedshalb notwendig, weil die Bahn Verspätungen ohne Ende hat. Man hofft, so noch seinen Anschluss zu bekommen. Reservierungen sind inzwischen teuerer als manche Bahnfahrkarte, also lässt man es. Und eine "Überbuchung" gibt es nicht. Wer mit dem Thalys etwa fährt, der
m u s s reservieren, ein überfüllter Zug ist somit nahezu ausgeschlossen. Denn die Preise im ICE sind enorm, da will ich von Frankfurt nach München eben nicht stehen.
Bei all dem wird der Frust der Reisenden noch gesteigert, weil die Zugtoiletten nicht mehr mit Leuten, die Notdurft verrichten wollen, belegt sind sonddern mit Rauchern.
Schon lange bin ich für die Einführung einer 3. Klasse - Holzklasse- da weiß dann jeder was ihm blüht, aber ere zahlt entsprechend weniger.
Möchte nun auch noch die FAZ dem Boulevard die Tür öffnen und, demnächst mit ähnlicher Aufmachung, wie schon das Hamburger Abendblatt, unter dem Deckmantel einer VORGEGAUKELTEN Seriosität, der Bildzeitung den Rang ablaufen?
Wenn ihr euch um Klassenunterschiede kümmern wollt, dann tut es doch dort, wo es das auch wert ist.
Berthold Asche
Hamburg