
Wie bei allen "echten" Problemen gibt es etwas "Recht" auf beiden Seiten. ( sonst hätte man ja kein Problem). Es ist bedauerlich, dass Worte (und Inhalte) wie "Pietät" nicht mehr existent zu sein scheinen, auf der anderen Seite ist der bereits erfolgte Leserhinweis richtig, dass " schon immer" die sog. Moorleichen ausgestellt werden. Als vor etwa 2 Jahren ein renommiertes Literaturmagazin ein grossformatiges Foto des Kopfes eines Enthaupteten veröffentlichte und ich vorsichtig kommentierte, eine solche Veröffentlichung sei etwas anderes im Kontext mit Gerichtsmedizin als mit Literatur, bekam ich von der Redaktion einen Antwortbrief des Inhalts dass man bedauere mich persönlich " so geschockt" zu haben! Die Diskussion um Inhalte findet offensichtlich nicht statt! Entscheidungen werden getroffen nach primären Kriterien von Medienwirksamkeit , Einschaltquoten oder Besucherzahlen.

Es ist und bleibt mir unverständlich, daß man einen Toten zur Schau stellt. Es wäre besse gewesen wenn man den Toten wieder bestattet hätte.

Der Beitrag spricht mir aus dem Herzen.! Herr Hawass ist ein geschickter Medienmann, aber er tut den Schätzen Ägyptens damit keinen Gefallen -vollkommen abgesehen von aller Verletzung der Totenruhe. Die Fresken in den Grabkammern werden dem Ansturm der Massen nicht auf Dauer standhalten können! jULIE kLIPPGEN

Ich finde es ausgesprochen bedenklich, was sich da gerade tut. Wir mißachten damit die Totenbräuche eines anderen Volkes und einer anderen Kultur, indem wir vorgeben, es gäbe ein Recht darauf, den toten Pharao anzuschauen. Was für ein Recht soll das bitte sein? Schon, daß sein Grab geöffnet wurde, war nicht in seinem Sinne. Wir stellen jetzt also Sensationsgier und Schaulüsternheit über alles und wollen daran auch noch verdienen. Nur kann man Roß und Reiter nicht beim Namen nennen, also geschieht das unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft. Widerlich. Was genau 'weiß' ich denn mehr, wenn ich nun die Mumie sehe? Der Erkenntniswert ist gleich Null.
Es ist ein wahrhaft entwürdigendes Schauspiel. Das gilt nicht nur in Sachen Tutenchamun, das gilt auch für den bedauernswerten 'Ötzi' und für jede Moorleiche, der man ihre Totenruhe verwehrt. Etwas mehr Respekt vor den Lebenden und den Toten stünde uns gut an.

Zitat Vorposter Stefan Heinrich:
"Ich bin sehr glücklich, in den 70er Jahren noch die Gräber von Sethos II u.v.a. gesehen zu haben, deren bald danach erfolgte Schliessung zwecks Schutz der Fresken ich unterstützt habe."
Das hab ich gerne. Selber gesehen haben und dann unterstützen das es kein anderer mehr darf.
Das hat nichts mit Moral und Anstand zu tun, sondern ausschliesslich mit Wichtigtuerei und Erhöhung der eigenen Persönlichkeit.
Hauptsache man kann hinterher sagen, ja ICH, ICH war damals dabei. Aber heutzutage darf das natürlich keiner mehr!
Die mit Pathos und Stolz gefüllte Brust bitte ich den geneigten Leser doch sich selbst dazu vorzustellen.

wenigstens die deutsche Rechtschreibung zu verstehen.

wenn es sich um einen gewöhnlichen Bauern und nicht um einen Pharao handelte, wären die Proteste genauso groß? Ich bezweifle es. Wir haben die Körperwelten-Schau in Deutschland akzeptiert und es war angeblich keine Leichenschändung. Warum also hier die Empörung?

Wir brauchen gar nicht in die Ferne schweifen - in vielen Deutschen Museen gibt es sog. "Moorleichen", die schon immer ohne jegliches Hinterfragen der Öffentlichkeit dargeboten wurden. Oder erinnern wir uns an den bedauernswerten Artgenossen der als "Ötzi" zu zweifelhaftem Ruhm gekommen ist.
Man braucht nur prominent genug zu sein, oder das Pech haben, unter konservierenden Umständen zu sterben und schon gelten Pietät oder Totenruhe anscheinend nicht mehr.

Falls die Besucherzahlen immer noch nicht ausreichen sollten - und das ist abzusehen, denn der Geldbedarf kennt keine Genzen - gibt es nur noch eins: die Geschlechtsteile "zu ihrem Erhalt und Erforschung" auf besondere Weise auszustellen "ehe sie zu Puder zerfallen".

Auch wenn es sich bei dem Foto nicht um einen Blick die Totenmaskte, sondern nur den innersten von drei Särgen innerhalb des Sarkopharges handelt, danke ich die Veröffentlung des Artikels von dieter Bartezko.
Nach den genannten Untersuchungen der Mumie seit 1927 besteht in der Tat kein Bedarf an weiteren Öffnungen des Sarges.
Auch der Schutz der bereits in der Antike "verkohlten" Leiche ist in dieser Weise nicht notwendig.
Herrn Zahi Hawass ist in der Tat zuzutrauen, auch dieses "Ereignis" vor allem zur Erhöhung seiner eigenen Medienpräsenz zu missbrauchen, die ihm über Film- und Veröffentlichungsrechte beachtliche Nebeneinkünfte sichert.
Wer den toten "Kindkönig" ehren und retten will, sollte ihm seine Ruhe lassen und lediglich den Sarkopharg vor Eintritt von Feuchtigkeit schützen - oder aber dieses vergleichsweise völlig unspektakuläre Grab gleich ganz für die Massen schliessen.
Ich bin sehr glücklich, in den 70er Jahren noch die Gräber von Sethos II u.v.a. gesehen zu haben, deren bald danach erfolgte Schliessung zwecks Schutz der Fresken ich unterstützt habe.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass auch der sog. Mumiensaal im Nationalmuseum in Kairo geschlossen werden sollte.

Jeder hat das Recht, nach seinem Tode in Frieden gelassen zu werden. Egal, ob das 1 Sekunde her ist oder 1 Jahr oder 1 Million Jahre.
Für wissenschaftliche Untersuchungen kann man zwar beschränkte Ausnahmen machen, aber das sollte ohne große Publizität vor sich gehen.