Diese Entdeckung ist doch ein wenig peinlich, oder nicht? Muss Weimar nun unter dieser Erkenntnis leiden?
Der nackte Leichnam wird gefunden, und bald, obgleich entstellt von Wunden, erkennt der Gastfreund in Korinth die Züge, die ihm teuer sind. So oder ähnlich wird der Weimarer Magistrat gejubelt haben, als man die (vermeintlichen) Überreste Schillers fand, in die Fürstengruft verbrachte und auf ewiglich an prominentester Seite bestattete - sehr zur Freude des örtlichen Hotel- und Gaststättengewerbes. Da der Mensch jedoch stets nach Wissen strebt, war es nur eine Frage der Zeit und der Fortentwicklung der Natur des Wissens im goethischen Sinne, bis man auf den glorreichen Gedanken verfiel, die letzten Überreste Schillers einer gründlichen DNA-Analyse zu unterziehen. Das Ergebnis ist bekannt. Die Wissenden von Weimar sind nun um eine Erkenntnis reicher - aber auch um eine touristische Attraktion ärmer. Ich wage zu bezweifeln, dass es das wert war. Vielleicht hätte man besser an die Jahrhunderte alte Tradition der Reliquienverehrung in der Katholischen Kirche anknüpfen sollen. Da wird nichts hinterfragt, sondern geglaubt! ;-)
Es zählt einzig das Werk, das Schiller hinterlassen hat.