23. Oktober 2007 Dass er Salem verkaufen werde, so lautet die aktuelle Ankündigung des Prinzen Bernhard von Baden (siehe: Das Haus Baden will Salem verkaufen, das Land irritiert). Dass er damit wird ernst machen müssen, weiß er vielleicht noch gar nicht.
Denn ganz abgesehen von der Petitesse, dass der Prinz die Anlage Salem nur mit Auflagen des Denkmalschutzes hätte verkaufen können, wurde es dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten jetzt offensichtlich doch zu bunt: Verkaufsdrohung, falls das Land nicht endlich dreißig Millionen Euro zur Tilgung von Schulden des Hauses Baden übernimmt; Erstellung von Gegengutachten und offene Klageandrohung, falls dem Adelshaus die Ergebnisse der Expertenkommission, die im Auftrag des Landes über das Eigentum an den zwischen Land und Haus Baden umstrittenen Kulturgütern entscheidet, nicht genehm sein werden, wonach es jetzt schon aussieht. Günther Oettinger schaut sich das alles nicht länger mit an.
Die beste aller Möglichkeiten
Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (siehe: Oettinger schließt Kauf Salems nicht aus) hat er erklärt, dass er, angesichts der offenbar erschöpften finanziellen Möglichkeiten des Markgrafenhauses, dem Landtag raten werde zu handeln - im Klartext heißt das: Das Land übernimmt Salem. Ob durch Kauf oder in Form eines Stiftungsmodells ist noch nicht entschieden. Damit wählen Oettinger und sein Finanzminister Stratthaus endlich die beste aller Möglichkeiten. Erstens sind die siebzig Millionen Euro vom Tisch, die das Haus Baden vom Land für Salem im Grunde nach wie vor wollte - dreißig Millionen für die Schuldentilgung und weitere vierzig Millionen für eine zu gründende Stiftung Schloss Salem -, und zweitens kommt so eines der höchstrangigen und zugleich publikumsfreudigsten Kulturgüter Baden-Württembergs auf die sichere Seite.
Jetzt können die Ökonomen des Musterländles also zeigen, wo sie das Wirtschaften gelernt haben - und bitte nicht nur zu Lasten der Kultur. Natürlich wird Salem nicht zum Spottpreis zu haben sein. Aber von den jedenfalls gesparten zig Millionen sollten doch die Etats der zwei Landesbibliotheken fürs laufende Jahr wieder komplettiert werden; denn die Begründung für die vorauseilenden Einsparungen entfällt ja nun vollends. Und sie hätten es verdient: Ohne die Nibelungentreue zu ihren Handschriften, die ursprünglich für Salem versilbert werden sollten, wäre alles ganz anders gekommen.
Text: F.A.Z., 23.10.2007, Nr. 246 / Seite 39
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