22. Dezember 2004 Wenn der Velociraptor in Steven Spielbergs "Jurassic Park" angreift, überkommt viele Zuschauer ein Grauen. Dank moderner Techniken werden für die Leinwand immer lebensechter wirkende "Urzeitmonster" geschaffen.
Mittlerweile ist es auch in der Wissenschaft Mode geworden, Funde aus der Vorzeit - insbesondere die Vorfahren des modernen Menschen oder der heutigen Affen - in Form von Rekonstruktionen zu präsentieren. Dabei werden oft aus wenigen Fossilien weitreichende Schlüsse gezogen. Daß diese meist nur schwach zu belegen sind, fällt dem Laien, den das Äußere blendet, im allgemeinen nicht auf.
Mit viel Phantasie
Bei der Modellierung steht die Phantasie im Vordergrund, und die kann erheblich trügen. Viele Merkmale, die den ersten Eindruck prägen, lassen sich für ausgestorbene Arten nicht schlüssig herleiten - die Lippen, die Augen oder die Haare. Selbst darüber, welcher unserer Vorfahren als erster aufrecht ging, sind sich die Forscher letztlich nicht einig. Die Herleitung bestimmter Funktionsweisen allein aus der Knochenform ist recht fragwürdig.
Das Bild zeigt einen rund 13 Millionen Jahre alten Ahnen der Menschenaffen, den Pierolapithecus catalaunicus, der jüngst der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Seine bei Barcelona entdeckten Fossilien stammen aus der Zeit, in der sich die Menschenaffen von den übrigen Affen abspalteten.
Text: G.P. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2004, Nr. 299 / Seite N1
Bildmaterial: AAAS/Meike Koehler
