29. Juni 2008 Was Gerd Roellecke schreibt, pflege ich mit Skepsis zu lesen. Mit der Belehrung, die er Monika Maron zuteil werden lässt ("Der falsche Grund / Das Links-Problem spricht nicht gegen die Wahl von Gesine Schwan: Eine Antwort auf Monika Maron" im Feuilleton der F.A.Z. vom 18. Juni), hat er wieder einmal danebengegriffen. Wer bekennt, Marons lebensgeschichtlich geprägtes literarisches Werk habe ihm etwas zu sagen, sollte in der Lage sein, sich auf ihr politisch begründetes Votum ernsthaft einzulassen. Natürlich ist es Roellecke unbenommen, in die Rolle eines Personalchefs zu schlüpfen, der die Kandidaten Köhler und Schwan unter den Aspekten Erfahrung und Charakter einer Risikoabwägung unterzieht, wohl wissend, der eine oder die andere könnte die Firma "abgrundtief blamieren". Doch Roellecke schreibt als Verfassungsrechtler. Er weiß also um den politischen Charakter des Präsidentenamtes und um die politische Signalwirkung einer durch Paktieren mit der Linken zustande gekommenen Wahlentscheidung.
Monika Marons Wort von der "Geschichtsvergessenheit, die einem die Schamröte ins Gesicht treibt", bezieht sich nicht nur auf das unwürdige Taktieren von Frau Schwan, sondern trifft zugleich Roelleckes verharmlosende Argumentation. Großzügig werden in seine Verharmlosung auch "die meisten früheren NS-Funktionäre" einbezogen, hätten sie doch "brav beim Aufbau der Bundesrepublik geholfen". Man müsse und könne damit leben, dass eine vergleichbar positive Haltung bei früheren DDR-Funktionären weniger häufig festzustellen ist. Zu diesem unsinnigen Vergleich wäre manches zu sagen. Deshalb nur eine Bemerkung: Die angesprochenen NS-Funktionäre waren nicht Mitglieder einer NS-Nachfolgepartei, während die angesprochenen DDR-Funktionäre in einem nicht unerheblichen Umfange immer noch einer Partei angehören, die in der Tradition eines Herrschaftssystems steht, in dem Demokratie, Recht und Freiheit unterdrückt wurden.
Jürgen Zabeck, Hemsbach
Text: F.A.Z.
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