Von Andreas Obst
27. Februar 2008 Als Sheryl Crows Debütalbum Tuesday Night Music Club vor vierzehn Jahren auch bei uns veröffentlicht wurde, saß man vor dem CD-Spieler und hörte die Lieder wieder und wieder, und aus den leuchtenden Melodien über kantigen Rockarrangements blühten Legenden, wie sie die Branche seit jeher liebt: vom Aufstieg aus dem Nichts in lichteste Höhen. Sheryl Crows Geschichte handelte von einer Südstaaten-Schönheit, die mit Anfang dreißig, da andere im Rockgeschäft bereits auf Karriere und Comebacks zurückblicken, mit einem wunderbar anachronistischen Konzept zum Star wurde: Eher zufällig sei ihre Platte entstanden, aus dem lockeren Zusammenspiel einer Handvoll amerikanischer Rockmusiker, die sich immer dienstags trafen, lautete die Mär - und dass jeder von ihnen bei diesen Gelegenheiten auf dem Instrument spielte, das er am wenigsten beherrschte.
So steil ihr Aufstieg, so tief war der nachfolgende Fall. In einem Tagebuch, das nach seinem mysteriösen Tod gefunden wurde, beklagte ihr ehemaliger Freund die charakterliche Veränderung Crows nach dem Durchbruch, Mitmusiker aus dem Dienstagsclub bezichtigten sie des Ideenraubs. Doch Sheryl Crow kannte sich längst aus mit Schuld und Sühne im Rock. Aufgewachsen im amerikanischen Bibelgürtel, hatte sie frühe musikalische Erfahrungen mit Werbesports für Hundefutter und in den Bühnenchören von Michael Jackson, Rod Stewart und George Harrison gemacht. Alle Aufnahmen, die sie fortan veröffentlichte, wurden Erfolge, ihr Konzept aus stilsicher neu erfundenen Country-Rockern mit Klassiker-Appeal zu Versen, die etwa von der Bewältigung ihrer Affären mit Eric Clapton und Lenny Kravitz handelten, erhielt auch die Weihen zahlreicher Grammys.
Klänge wie aus Erz gegossen
Vor zwei Jahren trennte sie sich von dem Rennradfahrer Lance Armstrong, danach erregte sie Aufsehen als Umweltaktivistin. Musikalisch indes war länger nichts mehr von ihr zu hören. Vielleicht erscheint deshalb ihr neues Werk als Paukenschlag oder als vierzehn Explosionen, denn so viele Songs sind darauf. Detours stellt die titelgebenden Umwege als kürzeste Verbindungen zwischen dem Flehen um Weltfrieden und dem Verdruss über noch eine verlorene Liebe dar. Sie singt für die wirbelsturmgebeutelte Stadt New Orleans und für das Baby, das sie im vorigen Jahr adoptierte. Ihre Themen mögen weitgefächert sein bis zur Beliebigkeit, die Musik dazu klingt stets wie in Erz gegossen, ob sie allein Gitarre spielt oder eine Band kultiviert lärmt. Die Intensität der Interpretationen sucht nach wie vor ihresgleichen. Vor zwei Wochen feierte Sheryl Crow ihren sechsundvierzigsten Geburtstag. Ihre Musikgeschichten aber bleiben alterslos aufregend.
Text: F.A.Z., 27.02.2008, Nr. 49 / Seite 40
Bildmaterial: AFP, AP, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb, Universal
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