Wirbel um BBC-Film

Weitere Verschwörungstheorie über 9/11

Von Gina Thomas, London

Im Mittelpunkt der Diskussionen: Gebäude 7 des World Trade Center

Im Mittelpunkt der Diskussionen: Gebäude 7 des World Trade Center

04. März 2007 Die Berichterstattung der BBC zum 11. September 2001 ist Gegenstand der seltsamsten Verschwörungstheorien geworden. In der Livesendung über die Terror-Angriffe hatte Jane Standley, die New Yorker Reporterin des öffentlich-rechtlichen Senders, bei BBC World den Einsturz des Salomon-Brothers-Gebäudes (World Trade Center 7, kurz „WT7“) gemeldet, bevor dieser eingetreten war.

Als der Moderator Jane Standley nach Einzelheiten befragte, war der 176 Meter hohe Wolkenkratzer sogar im Hintergrund des Bildes zu sehen. Es war kurz vor 17 Uhr, wie die eingeblendete Uhr auf dem Bildschirm zeigte. Das rauchende Gebäude stürzte erst um 17.20 Uhr ein. Sich auf Berichte berufend, wonach Mitglieder der New Yorker Feuerwehr gewarnt worden seien, dass Gebäude 7 in sich zusammenfallen werde, dichten sich Verschwörungstheoretiker die abwegigsten Interpretationen zusammen.

Zeitliche Diskrepanz nur ein „aufrichtiger Fehler“

Sie sehen die Zeitverschiebung als Beweis für die Beteiligung der amerikanischen Regierung an den Terror-Anschlägen. Die BBC, so wird unterstellt, habe aus internen Quellen im voraus Bescheid gewusst, dass auch Gebäude 7 in sich zusammenfallen werde. Stellungnahmen der BBC, wonach die „Vorausmeldung“ im „Chaos und der Verwirrung“ der sich überschlagenden Ereignisse zustande gekommen sei, wollen die Verschwörungstheoretiker nicht gelten lassen, zumal sie es als überaus verdächtig empfinden, dass die Rundfunkanstalt behauptet, die Bänder nicht überprüfen zu können, da sie sie nicht mehr besitze.

Die Vorstellung, die BBC sei an einer Verschwörung beteiligt, sei „offenkundig absurd“ und eine eventuelle zeitliche Diskrepanz lediglich ein „aufrichtiger Fehler“ gewesen, ließ der Sender verlautbaren. Richard Porter, Nachrichtenchef von BBC World, hat nun in einem Internet- Blog anhand der im Archiv überlieferten Beiträge eine Chronologie zusammengestellt, um zu zeigen, wie die verfrühte Meldung zustande kam.

Hitze des Augenblicks kann zu Irrtümern führen

Offenbar stützte sich die BBC nicht anders als der Nachrichtensender CNN, der ebenfalls vorzeitig über den Einsturz berichtete, auf Meldungen der Nachrichtenagenturen und Aussagen der New Yorker Feuerwehr, die schon kurz nach 16 Uhr von einer „Wölbung“ und dem zu erwartenden Kollaps des durch die Trümmer des einstürzenden Turmes World Trade Centre 1 beschädigten Salomon Brothers-Gebäude gesprochen hatte.

Porters Darstellung legt eher die Fallgruben der Live-Berichterstattung bloß, die in der Hitze des Augenblicks und unter dem Druck, ständig neues Material liefern zu müssen, zu Irrtümern führen kann. Der Nachrichtenchef klärt auch über die fehlenden Bänder auf. Nach dem Gesetz ist die BBC verpflichtet, das gesendete Material neunzig Tage lang aufzuheben.

Hat die BBC das Material verschlampt oder zerstört?

Danach muss eine „repräsentative Auswahl“ archiviert werden. Die BBC bewahrt etwa ein Drittel des Materials auf. Der umstrittene BBC-World-Bericht, der im Internet kursiert, gehört nicht dazu, wobei unklar ist, ob die BBC ihn verschlampt oder zerstört hat. Das siebenundvierzigstöckige Salomon-Brothers-Gebäude ist schon lange Gegenstand von Verschwörungstheorien.

Unter anderem wird Larry Silverstein, dem Immobilienspekulanten, der die Pacht der Zwillingstürme und umliegender Gebäude des World Trade Centre wenige Wochen vor den Terroranschlägen erwarb, unterstellt, WT7 absichtlich zerstört zu haben, um Versicherungsgelder zu kassieren.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

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