Der Naturschützer Douglas Tompkins

Der Schutzmann

Von Erwin Koch

Die Erde kommt zuerst: Douglas Tompkins

Die Erde kommt zuerst: Douglas Tompkins

14. Juni 2008 Dann neigt er den Kopf zur linken Schulter, die Hände, als umfingen sie ein Kind, hebt er vor die Brust, und Douglas Tompkins, Millionär am Ende der Welt, sagt leise: „Wer je ein Ameisenbärbaby in seinen Armen hielt, wird nichts als traurig.“Ja, sagt der Mann, der 900.000 Hektar Land besitzt, Wälder, Flüsse, Seen, Berge, Vulkane, groß wie halb Sachsen, ja, Trauer sei das Gefühl, das ihn bestimme. Auch Wut auf alles, was die Welt zerstöre, die Vielfalt der Arten, die Erde überhaupt.

Douglas Tompkins, Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, das Haar längst weiß, die Füße nackt, sitzt in seinem Büro am Fuß des Volcano Michinmahuida und schützt Natur, es ist Sommer, Wind rüttelt am Haus in der patagonischen Wildnis, Chile. Keine Straße führt hierher, kein Pfad, nur der Weg übers Wasser. Wer zu Tompkins will, tut es am besten bei Flut. Dann reicht der Fiordo Reñihué fast vors Haus. Wer bei Ebbe anreist, hat die Stiefel bald voll mit schmierigen schwarzen Muscheln.

Genug, um Gutes zu tun

Hier, 42 Grad und 20 Minuten südlicher Breite, geschützt von Farn, der höher ist als ein Mensch, umbettet von riesigem Rhabarber, von Regenwald und dreitausendjährigen Zypressen, ist Tompkins’ Welt, hier lebt der Einsiedler seine Sommer seit 18 Jahren, seit – wie er es nennt – seinem Ausbruch ins wirkliche Leben. Das begann, als er, Herr über Tausende von Filialen in sechzig Ländern der Erde, sein Teil am Modehaus Esprit verkaufte, das er zusammen mit der ersten Ehefrau besaß – für 125 oder 250 Millionen Dollar, je nach Quelle. Wie viele waren es tatsächlich? „Genug, um Gutes zu tun.“

Frau und Firma entkommen, flog Tompkins 1990 in einer kleinen Cessna nach Patagonien, wo er oft schon gewesen war. Er war entzündet von der Wahrheit, das Leben verpasst zu haben, ein Jammerdasein, das sich darin erschöpft hatte, ständig mehr zu besitzen, Geld und Macht, Dinge herzustellen, die niemand wirklich brauchte, neue Hemden im Frühjahr, neue Röcke im Herbst, neue Hosen im Winter, neue Blusen im Sommer.

Die Erde zuerst

Einem Schweizer, der nie in Südchile lebte, kaufte Tompkins eine Schaffarm ab und die Wälder, die sie umflossen, Reñihué in der zehnten Region, 17.000 Hektar für 700.000 Dollar. Tompkins zog in das alte schiefe Haus und lebte ohne elektrischen Strom, ohne Telefon. Gebälk. Den größten Teil seines Reichtums steckte er in eine Stiftung, die er zuerst Foundation for New Thinking nannte, schließlich Foundation for Deep Ecology.

Müde sitzt der Mann auf einem hölzernen Stuhl, stemmt das linke Knie gegen die Kante des Tischs, dann das rechte, und stottert Antworten. „Deep Ecology, einfach gesagt, meint Earth first, die Erde zuerst. Nicht der Mensch ist das Maß der Dinge, sondern alle Wesen, ob belebt oder unbelebt. Der Planet als Ganzes ist ein Lebewesen. Und der Mensch, ein Detail, ist zwar berechtigt, die Erde und was auf ihr ist, zu nutzen, damit er nicht hungert und nicht friert. Aber das ist bereits alles.“

In der Höllenmaschine des Kapitalismus

Damit, Douglas Tompkins, verbieten Sie die Häufung von Waren, von Geld und Macht, Sie verbieten Luxus und Kunst? „Wie weit haben wir es denn gebracht mit unserer bisherigen Sicht auf diese Welt? Tag für Tag sterben 134 Tiere und Pflanzen aus, jeden Tag wird eine Fläche von tausend Fußballfeldern verbaut. Der Computer, die Elektronik ist das wichtigste Werkzeug der Erdzerstörung, der Globalisierung, der Beschleunigung und also des Untergangs.“

Da draußen stehen zwei Ihrer Flugzeuge, vor Ihnen steht ein Computer, neben Ihnen ein Satellitentelefon. Der Kapitalismus, sagt er, sei eine grausame Maschine, die ständig mehr wolle, immer schneller, ewig größer. Lange genug habe er sich ihrer bedient. Doch schlagen könne er den Teufel nur mit dessen eigener Rute, mit Geld und Management.

Ein schwereloser Unternehmer

Dann sieht er zum Fenster, eine blühende Fuchsie dahinter, hoch wie das Haus. Auffällig, vielleicht sonderbar war Douglas Tompkins, Sohn einer Innenarchitektin und eines Kunsthändlers, geboren am 10. März 1943 im ländlichen Millbrook, New York, schon früh. Mit zwölf entdeckte er in den Bergen von Shuwangunk das Klettern, konnte an wenig anderes mehr denken. Mit siebzehn brach er die Schule ab, wollte nur klettern, Ski und Kajak fahren. 1960 reiste er zum ersten Mal nach Chile und verpasste die Aufnahme ins olympische Team der US-amerikanischen Skifahrer knapp. In den Bergen von Nevada lernte er ein Mädchen kennen, Susie, man heiratete sofort, zog, wie es Mode war, nach Kalifornien, Tompkins war neunzehn, bald Vater zweier Töchter, Hippie und schwerelos.

Er gründete eine Kletterschule, dann die Ausrüstungsfirma The North Face, schließlich, zusammen mit seiner Frau, das Bekleidungsunternehmen Esprit. Er bestimmte dessen Philosophie, entschied über Design und Marketing, raste von Erdteil zu Erdteil und eröffnete Laden um Laden und setzte jährlich bald eine Milliarde Dollar um, hielt sich Freunde mit klingenden Namen, Coppola, Fonda, Turner.

Tompkins' Bekehrung

Einmal im Jahr schloss Tompkins sich in die Wildnis weg, wochenlang, Russland, Kanada, Antarktis, Patagonien, er schlief in Wäldern, sang auf Gletschern, war unerreichbar, glücklicher als sonst. Eines Tages, 1985, las er eine Statistik, die behauptete, die Menge Kleider, die ein Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika besitze, habe sich im Lauf von dreißig Jahren verfünffacht – das war Tompkins’ Bekehrung.

„Jedes überflüssige Stück Textil hat, zur Bewässerung der Baumwollfelder, unnötig Wasser verbraucht. Die Spinnmaschinen, die Webmaschinen sind aus Stahl, Stahl entsteht bei Hitze, Hitze entsteht durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl, Uran. Gifte kommen frei, Kohlendioxid, Radioaktivität und anderes. Und bevor die Kleider zum Verkauf anstehen, reisen sie um die Welt, diesel- oder kerosingetrieben. Ein Irrsinn.“

Das Geld auf der richtigen Seite

Schämen Sie sich? Nein, sagt er, er schäme sich für nichts, vielmehr sei er stolz darauf, irgendwann erkannt zu haben, dass er Teil der Weltzerstörung sei, stolz darauf, die Abkehr, wenn auch spät, geschafft zu haben. „Das Geld und die Macht, die ich besitze, sind nun auf der richtigen Seite.“

Tompkins verkaufte die Kunst, die er im Lauf der Jahre gesammelt hatte, er baute, bekümmert um jede Nuance, sein Haus im Süden Chiles um, deckte es mit Schindeln aus Holz. Die Schafzüchter, die er beschäftigte, hielt er an, Äpfel, Beeren, Bienen und einheimische Bäume zu züchten. Und wo er einen Nachbar fand, der sein Land hergab, kaufte Tompkins für gutes Geld. Zäune, Hütten befahl er zu entfernen, er forstete, wo nötig, auf, überließ dann den Wald sich selber.

Ein amerikanischer Vorposten?

So kam im Lauf der Jahre ein Reich zusammen, dies- und jenseits der Anden, in Chile und in Argentinien, 900.000 Hektar, verteilt auf zwölf Projekte zur Rettung der Welt. Tompkins war zum größten Privatgrundbesitzer auf Erden geworden. Wer so viel hat, hat Feinde.

Chiles Linke entdeckte in Tompkins’ Länderei die jüngste Spielart des Yankee-Imperialismus. Die Rechte ahnte im Aussteiger, der zwar besitzt, aber nicht nutzt, nur Böses. Gerüchte gingen, Tompkins sei in Wahrheit ein Posten der nordamerikanischen CIA, in Chiles Süden gekommen, um sich die Vorräte an Süßwasser zu sichern, Tompkins sei hier, um in Patagonien Atommüll zu vergraben, das Geld der Mafia zu waschen, Gold zu suchen, Bisons zu züchten, einen zweiten zionistischen Staat zu gründen.

Verschmähte Angebote

„Ich will“, sagt Tompkins, „dieses Land nicht für mich. Wozu soll ein Mensch so viel Land besitzen?“ Sein Plan sieht vor, in einem ersten Schritt Land zu kaufen, um es, solange es noch heil ist, vor Abholzung, Überweidung, Überbauung, Erosion zu schützen. Oder er kauft Land, das bereits verwüstet ist, um es zu renaturieren, er bestückt es mit einheimischen Bäumen, die seine Helfer in eigenen Baumschulen ziehen. Ist die Gefahr gebannt, überantwortet er das gerettete Land, wo immer möglich, dem Staat, Chile oder Argentinien – unter der Bedingung, dass der Staat es zum Nationalpark ausruft, in dem, was ist und wächst, nicht angerührt werden darf.

Doch der Staat verschmähte Tompkins’ Gaben regelmäßig. Weder Chile noch Argentinien, Länder an der Schwelle zur Industrienation, ließen sich auf den Handel ein. Zweimal nur fand man zusammen, 2004 in Argentinien, als Tompkins seine Estancia Monte León, 62.000 Hektar am Atlantik, dem Staat überschrieb, Seeelefanten darauf, Seelöwen, Pinguine, und 2005 in Chile, als er 87.000 Hektar Urwald der Republik verehrte, die ihrerseits mehr als das Doppelte dazugab, Militärgelände, und das Ganze zum Parque Nacional Corcovado erklärte.

Warum das Denken traurig macht

Sind Sie darauf stolz? Wieder legt er die Hand ins schmale Gesicht und sieht zum Fenster, wartet. „Stolz bin ich auf meine Fähigkeit, traurig zu sein“, sagt er. Wind rüttelt am Haus, Holz schlägt auf Holz, irgendwo bellt ein Hund. „Wer denkt, wird traurig.“

1994 heiratete Douglas Tompkins Kristine McDivitt, die Geschäftsführerin und Mitbesitzerin der Ausrüstungsfirma Patagonia Incorporated. Die Frau, eine Kalifornierin, gab ihre Stelle auf und wechselte in die chilenische Einöde zu ihrem Mann. Sechs Jahre später verkaufte sie die Anteile an Patagonia und gründete eine eigene Stiftung, Patagonia Land Trust. 2004 schuf Tompkins, dessen Reich nun vom Pazifik bis zur argentinischen Grenze reichte und Chile, dieses schmale Band, in zwei Teile schnitt, die Fundación Pumalín, das größte Naturschutzgebiet eines Privaten, 290.000 Hektar weit, größer als das Saarland, darauf 260 Arten von Bäumen, Büschen, Gräsern, Farnen, 42 Arten Säugetiere, 71 Arten Vögel, 91 Seen und 23 Flüsse, 17 Berge und zwei Vulkane. Er ließ zehn Hütten bauen, ein Café, einen Campingplatz, die Hinweisschilder sind aus Holz, die Abfallkörbe geflochten, die Toiletten haben kein Schloss, aber einen hölzernen Riegel, die Seife liegt auf einem flachen Stein, gefunden am Ufer des Fiordo Reñihué.

Geld ohne Wert

Kein Ding in Tompkins’ Park ist ohne Grund an seinem Ort. In Chile beschäftigt er 140 Menschen, in Argentinien 120, Bauern, Imker, Bootsführer, Sekretärinnen, Wissenschaftler, Wäscherinnen. Kann man so die Welt retten? „Ich weiß nicht. Die Zukunft, vielleicht, ist ein Gewebe aus kleinen, dezentralen Einheiten, wirtschaftlich, politisch, kulturell. Das Lokale ist dann wichtig, nicht mehr das Globale, das Allgemeine, nicht mehr das Besondere. Die Menschen nach uns wissen von vielem ein bisschen – nicht wie heute, wo sie von so wenig vieles begreifen.“

Tompkins schaut zur Uhr. „In einer halben Stunde“, sagt er, „brechen wir auf.“ Wie viel Geld ist noch in Ihrer Kasse? Er schweigt. „Geld ist Blut im System, Geld an sich hat keinen Wert.“ Ist das Ihre Antwort? „Ja.“ Seit anderthalb Jahren, schon wieder, liegt Tompkins mit den Mächtigen Chiles übers Kreuz. Die planen den Fortbau der Carretera Austral, der stolzen Schotterpiste, die Diktator Augusto Pinochet, um seinem Volk zu gefallen, vor Jahrzehnten befahl. Noch hat die Straße Tompkins’ Park nicht erreicht. Doch er weiß, dass er sie nicht verhindern kann, nur verzögern, ihre Linie vielleicht verlegen. Die Regierung in Santiago, und mit ihr die mächtige Bauindustrie, hat vor, die Piste mitten durch Tompkins’ Wald zu führen, eine Schneise zu schlagen von hundert Metern Breite. Tompkins hält dagegen, die Idee sei hirnlos, letztlich gehe es darum, den nationalen Mythos einer Straße von Peru bis Feuerland zu härten, 4300 Kilometer, und, viel schlimmer, der Industrialisierung Patagoniens das Tor zu öffnen.

Was treibt ihn an?

Ein Viertel der chilenischen Zypressen, die geblieben sind, steht in Tompkins’ Parque Pumalín, mächtige lotrechte Bäume, die 3000 Jahre alt werden. Im kalten chilenischen Dschungel, wo neun Monate im Jahr Regen fällt, findet sich eine seltene Kollektion von Tieren und Pflanzen: Südchile, begrenzt von Pazifik und Anden, ist eine biogeografische Insel.

Eine Frage, bevor wir fliegen, Douglas Tompkins: Was treibt Sie an? Er drückt sich aus dem Stuhl, zieht das Hemd straff, schlüpft in alte Schuhe, wiederholt die Frage, wiederholt sie wieder. „Liebe“, sagt er. Er klappt den Laptop zu. Auf dem Deckel, so groß wie das Gerät, klebt Empörung: Patagonia chilena ¡sin represas!, Keine Staumauern in Chiles Patagonien!

Urwald links, Urwald rechts

Auch gegen die Energiebarone kämpft Tompkins, im Bund mit zwanzig anderen Vereinen. Südlich von Pumalín sollen fünf Kraftwerke entstehen, Staumauern aus Eisen und Beton, am Río Cuervo, Río Baker, Río Pascua, die Ausbeuter sind zur Hauptsache Fremde, Briten, Schweizer und Spanier, 5910 Hektar Wald und Wiese würden überflutet, und der Strom, der in der Hauptstadt dringend benötigt wird, soll in einer 2200 Kilometer langen Leitung nordwärts fließen, der längsten Hochspannungsleitung der Welt, gehalten von siebzig Meter hohen Masten, die, stehend auf einer Trasse von 150 Metern Breite, zwölf Naturreservate entstellten.

Tompkins kommt aus dem Haus, trabt hinüber zur Graspiste, auf der eine Cessna steht. Er setzt sich ans Steuer, legt den Gurt an, die Kopfhörer, prüft die Geräte, den Funk, startet. Er zieht die Maschine hoch und lenkt sie hinaus in den Fjord, Urwald links, Urwald rechts, Wind zerrt an den Flügeln, und Tompkins, plötzlich heiter, lächelt und fliegt.

Europäische Ausbeuter

„Wenn Sie noch Fragen haben, dann jetzt. Nachher ist es zu spät.“ Wer sind Sie? „Das müssen Sie selber herausfinden.“ Ist das Ihre Antwort? „Ja.“ Plötzlich legt er die Maschine zur Seite, schaut aus dem Fenster, fliegt eine Schlaufe, drückt die Cessna in die Tiefe. „Ein Lachsfarm da unten“, sagt er, „die ich noch nie gesehen habe.“

Hochindustrielle Massentierhaltung, bricht es aus ihm heraus, werde hier betrieben, oft von norwegischen Eignern, die ans andere Ende der Erde reisten, um all das zu tun, was sie zu Hause nicht dürften, weil dort die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert würde, aber hier, in Patagonien, fühlten die Europäer sich frei zu tun, was sie wollten, sie verschmutzten und verdreckten hemmungslos, sagt Tompkins am Steuer seiner Cessna.

Trauer, die nicht vergeht

„Norwegen“, schreit er ins Mikrofon, „produziert im Jahr ungefähr die gleiche Menge Mastlachs wie Chile. Aber dort verfüttert man den Tieren jedes Jahr 800 Kilogramm Antibiotika, in Chile aber 133 Tonnen. Das Hundertsiebzigfache.“ Noch einmal dreht er über die neue Farm, kann nicht fassen, was er sieht. Farbstoffe gäben sie den Lachsen zu fressen, damit ihr Fleisch rosa werde, Fungizide, Pestizide, Desinfektionsmittel, um noch schneller reich zu werden. Dabei gehöre der Lachs gar nicht hierher. Der Lachs, dieses fremde Raubtier, habe mittlerweile die patagonischen Flüsse erobert und fresse sie kahl.

„Eine Lachsmast“, schreit Tompkins, „macht so viel Scheiße wie eine Stadt von 65.000 Menschen.“ Und die fließt ins Meer? „Wohin sonst!“ Er zieht die Maschine hoch und fliegt hinaus aufs offene Meer, Richtung Puerto Varas, eine Stunde lang und schweigt. Irgendwann sagt er: „Diese Trauer, die ich meine, wirst du nie mehr los.“

Hauptquartier der Verzweiflung

Er setzt die Cessna auf die Piste des Flugplatzes La Paloma, lenkt sie zu einem dunkelgrünen Hangar, Tompkins Maschinenpark. Männer kommen, helfen ihrem Herrn aus der Maschine, bringen seine Tasche zum Nissan SE 3.5 Pathfinder, einem hochrädrigen Gefährt, an dessen Stoßstange Naturschutz leuchtet: Keine Staumauern in Chiles Patagonien! Douglas Tompkins, mürrisch und bleich, braust hinauf nach Puerto Varas ins Hauptquartier seiner Verzweiflung. Dort, in drei verschiedenen Grün, die er sich mischen ließ, steht eine alte Villa aus Holz, wohl das schönste Haus im Ort.

Draußen rast Polizei und sperrt alle Wege, schwarze Wagen mit geschwärzten Fenstern, dahinter, es stand in allen Zeitungen, der Kronprinz aus Norwegen, Haakon Magnus, unterwegs in Patagonien, um seinen Landsleuten das Lob zu singen, den Lachsmästern aus Bergen und Kristiansund, drüben im Hotel Meliá Patagonia, zwanzig Schritte neben Tompkins’ Zentrale – ein Affront.

Immer müder werdend

Schließlich ziehen Tompkins’ Leute los zum Protest und stellen sich, von drei Polizisten bewacht, vor das Hotel, der Deutsche, die Sekretärin, einige Fischer vom Stamm der Mapuche, fünfzehn Menschen, ein Spruchband im Wind: Lachs für die Welt, Gift für das Meer. Einer schlägt die Trommel, jemand schreit Parolen. Ein dicker Norweger aus dem Tross des Prinzen fragt, was los sei, lächelt und verschwindet im Hotel.

Nach einer Stunde kommt Tompkins aus seiner Villa. Im alten Hemd eilt er herbei, schüchtern, lustlos, die Hände in den Taschen, und stellt sich neben die Seinen. Kaum ist er da, rennen chilenische Journalisten herbei, strecken ihm Elektronik ins Gesicht, er gibt sich Mühe, beginnt zu reden, gutes Spanisch, krächzend und müde, eine halbe Stunde lang, ein Spuk.

Am Abend, es ist noch hell, fliegt er zurück, hinaus aufs Meer, hinein in den Fiordo Reñihué und setzt die Cessna neben seinen Bau. Er stellt den Computer an und trinkt Tee, Douglas Tompkins, Millionär und Eremit, bis der Generator aussetzt, im Sommer um 23.30 Uhr, im Winter eine Stunde früher.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

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