Es müsste mal jemand eine Dissertation schreiben zum Thema "Ironie in Artikeln deutscher Journalisten über Peter Handke und sein Werk in den Jahren 1966 bis 2008" (oder so ähnlich). Wann immer ich über Handke gelesen habe, das erste Mal (1966 oder 67) eine Glosse in "Pardon" über sein Erstlingswerk "Die Hornissen", bis heute zu Hubert Spiegels Artikel über Handkes Abgang in den Ruhestand: immer klang es so, als könne man Herrn Handke nicht so ganz ernst nehmen. Woran mag das liegen? Ich selbst kann eigentlich gar nicht mitreden. Habe nur ein einziges Buch Handkes wirklich gelesen, vor etwa 20 Jahren und habe es - einschliesslich Titel - komplett vergessen, ausser einer Stelle: Mann und Frau sitzen im Hotelrestaurant, und der Mann sagt zum Kellner: "Meine Frau und ich wollen miteinander schlafen". Manches, von Thomas Mann z.B., habe ich zigmal gelesen. Aber bedeutend muss Peter Handke doch wohl sein, wenn so viel über ihn geredet wird. Wie auch immer: ich bewundere, dass er als korrekter Künstler mit 65 seinen Ruhestand einleitet, dass er nicht in vorzeitige Altersteilzeit gegangen ist, und dass er offenbar auch nicht in die Verlängerung bis 67 will. In früheren Zeiten gab's zum Abschied mit 65 eine goldene Uhr.