
Eines der groessten Probleme in der Paedagogik liegt darin, dass viele Erwachsene nicht in der Lage sind, sich auf die geistige Ebene der Kinder, auf ihre Interessen und deren Grenzen einzustellen. In einem Fernsehinterview wurde der beruehmte kanadische Nationaloekonom Kenneth Galbraith einer Kindergaertnerin vorgestellt, die
stolz verkuendete, dass sie im Kindergarten bereits Nationaloekonomie unterrichte. Galbraith hoerte geduldig zu, und dann sagte er: "Wissen Sie, velleicht waere es besser, wenn man den Kindern erstmal Lesen und Schreiben beibringt, und dann eines Tages, wenn sie alt genug sind, bringe ich ihnen Nationaloekonomie bei."

Der Artikel dokumentiert eindrucksvoll die organisierte Verantwortungslosigkeit, die die Deutschen – nicht nur in Bremen - dem eigenen Nachwuchs seit Jahrzehnten zuteil werden lassen. Insoweit ist die Autorin zu loben, einmal ein besonders erschreckendes Produkt dieser geistigen und sozialen Verwahrlosung ins allgemeine Bewusstsein gerückt zu haben, wenngleich es ihr nicht gelingt, deren historische Ursachen in den Blick zu bekommen. Dass jedoch unqualifizierte Arbeitslose auf das kostbarste Gut losgelassen werden, das ein Volk - gleich welches - zu bieten hat, ohne dass es in der Bevölkerung zu massiven Protesten käme, zeugt von einer Mentalität hierzulande, die mir zu beschreiben die Worte ausgehen.
Als blanken Hohn empfinde ich, bei dem die Schulzeit noch nicht sehr lange zurückliegt, jedenfalls das Statement der hessischen Sozialministerin Lautenschläger, man habe sich „in der Vergangenheit zu sehr auf die Schule konzen-triert.“ Falls das, was ich und meinesgleichen an "konzen-trierter Fürsorge" an öffentlichen Schulen erfahren haben, nun auch Kleinkindern drohen sollte, wäre dies nur ein weiterer und sehr triftiger Grund, Deutschland zu verlas-sen, und zwar bevor man eine Familie gründet.
Denn in einem Land, in dem Kinder primär als zu verwal-tende Objekte einer durchgedrehten Sozialbürokratie wahrgenommen werden und derlei mehrheitlich hingenom-men wird, als handele es sich um ein Naturgesetz, kann man, um seiner Kinder willen, getrost auf Kinder verzich-ten.

Es ist egal, wo man in unserem System hinfaßt, man faßt in die sprichwörtliche...
Denn wenn wir der impliziten Forderung dieses Beitrags nachkommen, dann kostet das Geld. Geld, das bekanntlich nicht da ist. Geld, das aber doch in die Zukunft unserer Kinder gut investiert wäre... das eine gute Rendite brächte... aber die Schulden, die wir unseren Kindern hinterlassen... blahblahblah...
Also woher nehmen. Schon an einem so scheinbar weichen Thema prallen wir förmlich auf Widersprüche ohne Ende.

Ich stimme mit dem Verfasser des FAZ-Artikels überein, dass es an Verantwortungslosigkeit grenzt, nicht annährend qualifiziertes Personal auf Kleinkinder loszulassen, jedoch verdienen die Gedanken aus Bremen zum "zweiten Arbeitsmarkt" viel Aufmerksamkeit.
Bisher haben sich recht wenige Behörden Gedanken über die echte Wiedereingliederung Arbeitsloser in den Arbeitsmarkt gemacht. Ein fragwürdiger Kurs, am Computer sitzen dürfen und sich die Karteileichen anschauen, wer besonders penetrant ist, bekommt ein Paar Angebote aus dem Fundus des Vermittlers. Ansonsten kümmert sich immer kümmerlicher die Leistungsabteilung um die elementaren Bedürfnisse des Arbeitslosen.
Die Stadt Bremen versucht wenigstens, diese Mitmenschen in Arbeit und Brot zu bringen. In Ordnung, es mag die falsche Arbeit sein, ist aber immerhin etwas Menschenwürdigeres, als sie beschäftigungslos herumlungern zu lassen.
Ganz ehrlich gesagt, mir gefällt der Unterton des Artikels weniger, der die Arbeitslosen zwischen den Zeilen doch als Bürger zweiter Klasse abstempelt, indem "vielen" unterstellt wird, jahrelang nicht gearbeitet zu haben.
Wenn man heutzutage bedenkt, dass Arbeitslosigkeit eine Fehlentwicklung des Systems, die jeden eines Tages treffen kann, ist, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn sich Menschen sogar fiktive Tätigkeiten ausdenken, um sich nicht als "arbeitslos" bei Firmen zu bewerben.
Zum guten Schluss bin ich auch der Meinung, dass es ausgebildetes Betreuungspersonal geben muss.

Der eigentliche Skandal hinter dem Skandal ist aber doch, daß auf diese Weise zahllose QUALIFIZIERTE Erzieher/innen nicht in den Genuß einer qualifizierten Arbeitsstelle kommen - auch hier die galoppierende Inflationierung des Gutes Arbeit. Beschämend ist das, sehr beschämend.

Hallo,
meine Tochter war vor einigen Jahren in einem Frankfurter Kindergarten. Als sie mit 3 Jahren dorthin kam, gab es osteuropäische Kindergärtnerinnen die schlecht Deutsch sprachen. Dies konnte ich erst mal akzeptieren. Aber als unsere Tochter 3 Jahre später den Kindergarten verließ und eingeschult wurde, sprachen diese Kindergärtnerinnen immer noch in Sätzen wie "Was du wolle" und "Wohin du gehe". Wir hatten, zum Glück erfolgreiche, Mühe, unserer Tochter diese Wortwahl abzugewöhnen.
Mit freundlichem Gruß, Peter Anders