Brad Pitt

Wasserpistole und Boxershorts

Von Michael Hanfeld

So sieht sich Brad Pitt lieber in den Medien: in vollem Einsatz für die gute Sache

So sieht sich Brad Pitt lieber in den Medien: in vollem Einsatz für die gute Sache

03. November 2006 Da steht er nun und kann nicht anders. Er kann nicht anders als schweigen, in Zeitlupe eine Wasserpistole erheben und damit auf die Kamera schießen. Mit nichts bekleidet als einer Unterhose und weißen Socken. Wüßte man nicht, daß es der Schauspieler Brad Pitt ist, der hier posiert, man würde ihn auf dem in sehr dunklem Dunkelblau gehaltenen Video kaum erkennen. Und den dazu eingesprochenen Text versteht man auch nicht. Aber es handelt sich hier ja auch um Kunst, und die versteht halt nicht jeder.

Eine Kunst aber ist es auch, wie Robert Wilson seine Videoaktion vermarktet. Er hat nicht nur Brad Pitt vor die Kamera gelotst, sondern auch Isabella Rossellini, Winona Ryder, Sean Penn und Willem Dafoe. Und sie alle sollen nicht nur Modell gestanden, sondern eine Erklärung unterzeichnet haben, mit der sie sich damit einverstanden erklärten, daß Wilson mit den entsprechenden Bildern und Videos Reklame für seine Aktion macht. Und so ist Brad Pitt im Internet und schließlich auf der Titelseite der Dezemberausgabe des amerikanischen Magazins „Vanity Fair“ gelandet. Nicht mit heruntergelassener Hose, aber doch recht freizügig, besonders wenn man es an dieser herausgehobenen Stelle betrachtet. Das mag den vornehmlich weiblichen Lesern von „Vanity Fair“ gefallen, dem Management des Schauspielers paßt es gar nicht.

Ein ganz enttäuschendes Verhalten

Nach Angaben von Pitts Anwälten habe er niemals erlaubt, daß sein Bild auf dem Cover des Magazins erscheine. Dort kam es aber nun einmal hin über den Umweg von Wilsons Videoaktion, die vor mehr als einem Jahr stattfand, und ziert nun die aktuelle Ausgabe, die als „Art Issue“ annonciert wird, sich also in großem Maßstab der zeitgenössischen Kunst widmet. Weshalb das dunkelblaue Pitt-Video auch auf der Webseite www.vanityfair.com zu besichtigen ist.

Der Verlag hat angesichts der Kritik auf Pitts Kontrakt mit dem Künstler verwiesen, der festhalte, daß Bilder und Videos für jedwede Werbung eingesetzt werden dürften. Zudem sei der Schauspieler am 5. Oktober von Robert Wilson selbst schriftlich „vorgewarnt“ worden, daß „Vanity Fair“ ihn abbilden wolle. Pitts Vertreter wollen dieses Schreiben jedoch angeblich nie zu Gesicht bekommen haben. Man sei sehr enttäuscht, daß sich „Vanity Fair“ entschlossen habe, ein nichtautorisiertes Bild auf den Titel zu heben, heißt es in einer Stellungnahme, und das werfe die Frage nach den Motiven und der Integrität des Magazins auf.

Eine ganze halbe Stunde Wohltätigkeit

Der Jahrmarkt der Eitelkeiten, nach dem „Vanity Fair“ heißt und um den es kreist, floriert also. Wenn auch in diesem Fall nicht nach dem Geschmack des Managements von Brad Pitt. Normalerweise erscheint von Hollywood-Größen kein Satz und kein Bild ohne aufwendige und strenge Autorisierung.

Doch es gibt dieser Tage ja auch andere, aktuelle Bilder von Brad Pitt, die vielleicht nicht ganz so augenfällig und dabei doch werbewirksam sind, wo Pitts jüngster Film „Babel“ in den Vereinigten Staaten in den Kinos gerade angelaufen ist. Sie zeigen ihn als Bauarbeiter in Indien. Pitt betätigt sich als freiwilliger Helfer der von dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter und dessen Frau Rosalynn unterstützten Aktion „Habitat for Humanity“. In dem indischen Ort Lonvala, 85 Kilometer südöstlich von Bombay gelegen, werden von Tausenden Freiwilligen hundert Häuser für Arme errichtet. Pitt soll ein Fenstergitter bearbeitet und Zement angerührt haben, sein hemdsärmeliger Arbeitseinsatz dauerte angeblich eine ganze halbe Stunde. Gegen das Unterhosenbild von „Vanity Fair“ erwägen Pitts Anwälte angeblich zu klagen.

Text: F.A.Z., 03.11.2006, Nr. 256 / Seite 38
Bildmaterial: AP

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