Fragen Sie Reich-Ranicki

Über das Heine-Jubiläum

Als vor 34 Jahren sein 175. Geburtstag begangen wurde, war der Dichter beinah vergessen. Zu seinem 150. Todestag indes ist Heinrich Heine endlich in Deutschland angekommen. Und liebevoll aufgenommen worden, findet Marcel Reich-Ranicki.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. Februar 2006 11:03

Etwas vergessen.

Helga Lenz (Helena13)

Zuerst eine kleines "s" im letzten Beitrag - "...Astrid Lindgrens Pippi..." und jetzt noch die nachträgliche Quintessenz zu Heines Auferstehung: Ist es wohl die einfache, die wirklich zum Greifen nahe Selbstverständlichkeit mit der Heine zuerst gelebt und dann geschrieben haben müsste? Das legt dann den Schluss nahe, wie sehr es bis zur Heine-Jahr-Initiative an dieser Erkenntnis gemangelt haben muss, wie wichtig doch das Lassen von Wichtigtuerei ist. Folglich ist nicht Heine wichtig, er ist lediglich die Person zur Erkenntnis, die uns dazu rät, es endlich einmal besser zu tun und komprimierte Inhalte anstatt inhaltsleere Monumentalverpackungen voller Glanz und Gloria als Inhalte zu präsentieren.
Das nehme ich mir zu beurteilen heraus, ohne auch nur jemals bewußt Heine gelesen zu haben. Das sagen mir mein Bauch, mein Herz und mein sehr schlichter Verstand.

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19. Februar 2006 18:40

Ich wage es einfach mal und rede mit, obwohl...

Helga Lenz (Helena13)

Zugegeben, mir sind im Laufe meines Lebens zwar schon einige Bücher in die Hände gefallen, aber gelesen habe ich gerne Astrid Lindgren Pippi, Edgar Wallace und auch schon mal einige Zeilen von Ringelnatz. Goethe, Schiller und wie sie noch alle heißen, die stehen zum Teil in Goldprägung noch aus dem vorigen Jahrhundert in mit bis zur Decke reichenden und vollgepackten Regalen bei uns im Haus, von mir aber ungelesen.
Der Hauptgrund weshalb ich immer vor diesen Wälzern und auch sehr filigranen Ausgaben erfolgreich die Flucht ergriffen habe, liegt in der Frage, was ich wohl daraus lernen könne? Feine Wortwahl, geheime Botschaften oder hochpoetische Verse erschienen mir doch so fern von meinem so bescheidenen Leben. Im Kreise gebildeter Leute beschlich mich eher Unwohlsein, wenn über die großen Dichter und Denker philosophiert worden war. Bald hatte ich den Eindruck, mir säßen Goethe, Lessing, Lindgren und sogar Lenz direkt persönlich gegenüber. Das war wirklich nicht meine Welt.
Was es mit Heine auf sich hat, ist kurz beschrieben und bringt mir einige in Heines Werke vernarrte Freundinnen ins Gedächtnis. Im Kreise anspruchsloser Gemütlichkeit, wo ich einfach aus meinem Bauch heraus munter drauf los plapperte und den Freundinnen meine Welt erklärte, wurde ich zu meiner Überraschung immer wieder unterbrochen. Dies klänge nach Heine, das erinnere an Heine, so hätte Heine genau das auch gesagt. Ich müsse also heimlich Heine gelesen haben. Hieß er nicht aber Heinrich? Vergangenheit.

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