Tichatschek - der Wagner anbot, den Tannhäuser zweimal am Tag zu singen, und offenbar des Komponisten hypertrophe Vorstellungen von den Möglichkeiten der Tenorstimme nährte - wird in Bayreuth seit langem gesucht." Dass dies einem Tichatschek möglich war, erklärt sich damit, dass Belcanto-Technik nur wenig Kraft erfordert. Viel Kraft haben nur im Sinne des Belcanto unkultivierte Stimmen nötig, da sie Technik ersetzen etwa durch ein Überstrapazieren der Spanner-Muskulatur. Man muss wissen, dass Tichatschek bei Johann Aloys Miksch studiert hatte, Miksch bei Vincenzo Caselli. Caselli und der berühmte Kastrat Farinelli waren Schüler des Bernacchi von Bologna. Somit kam Tichatschek aus der berühmten Belcanto-Schuler von Bologna. Als leuchtendstes Ideal galt Wagner Zeit seines Lebens Wilhelmine Schröder-Devrient (Teil 1 der Autobiographie Wagners). Auch diese war von Johann Aloys Miksch ausgebildet worden. In ihrem Werk "Meine Gesangskunst" wirft Lilli Lehman gerade im Zusammenhang mit WAGNER die Frage auf: "Ist es nicht eine Missachtung unserer größten Meister, wenn [Sänger] vor dem Belcanto, Trillern, Koloraturen ewig Verstecken spielen müssen?"
Ohne Belcanto-Technik geht bei Wagner nicht viel. Das kann man beispielsweise bei Lilli Lehmann (Hrsg. Maximilian Hörberg), Ausgabe 2007/2008 auf S. 37 im Detail nachlesen. Lilli Lehmann wurde von Wagner für die ersten Bayreuther Festspiele ausgesucht.