
Wortfindung und assoziatives Denken: In den Kästen sind Worte eingetragen, die schlangenförmig geringelt zu lesen sind. Wo die Schlange ihren Kopf hat, das gilt es herauszufinden. Das Beispiel links oben ergibt das Wort „Übergang”. Die Auflösung finden Sie am Fuß dieser Seite.
24. Mai 2008 Robert Plomin war einer der Ersten, die der genetischen Basis von Intelligenz nachforschten. Die Entdeckung eines dominanten Intelligenz-Gens darf man sich freilich nicht erwarten.
Seit Jahrzehnten suchen Sie im Erbgut des Menschen nach den Quellen menschlicher Intelligenz. Das Humangenom ist längst entschlüsselt. Haben Sie die Gene für Intelligenz und Lernfähigkeit inzwischen gefunden?
Wir sprechen hier über ein extrem komplexes Merkmal. Bleiben wir einen Moment noch bei den einfacheren Fragen. Wir kennen mindestens 282 monogenetische Krankheiten, die zu Entwicklungsstörungen, oft auch nur leichten Verzögerungen der geistigen Entwicklung führen. Ein einzelner Gendefekt ist da der Auslöser. Die Störungen sind meistens auch mit einer eingeschränkten Intelligenz verbunden. Was die Gendefekte in diesen Fällen anrichten, ist, dass sie das Gehirn ein klein wenig ineffizienter machen, als es sein könnte. Solche monogenetischen Krankheiten sind einfach zu verstehen, wir wissen, dass sie vererbt sind. Quantitative Genetik, die sich mit komplexen Merkmalen beschäftigt, muss jedoch viele Gene gleichzeitig berücksichtigen. Sie geht eigentlich zurück in das frühe neunzehnte Jahrhundert, als die Menschen bei Tieren bestimmte Merkmale herauszüchteten. Die Leute wussten, dass die Milchleistung vererbt wird, aber sie hatten natürlich keine Ahnung von den Genen.
Was die Hirnprozesse angeht, wissen wir heute mehr?
Wir wissen jedenfalls, dass die meisten weitverbreiteten Krankheiten, und dazu gehören auch viele mit geistigen Defiziten verbundene Leiden, ebenso wie die Intelligenz von vielen Genen beeinflusst werden. Beeinflusst, nicht gesteuert. Die Evidenz für einen wirklich starken genetischen Einfluss ist eindeutig. Trotzdem gibt es keinen einzigen Beweis, dass es das einzelne dominante Intelligenz-Gen gibt. Wahrscheinlich sind es Hunderte Gene, die auf die Intelligenz einwirken. Das heißt natürlich auch, dass es sehr schwer ist, diese Gene zu identifizieren.
Reden wir über Ergebnisse. Sie sprechen von Erblichkeit, eine nicht unumstrittene Zahl, weil sie für viele Menschen quasi die Quote angibt, mit der die Gene unsere Entwicklungschancen und damit auch unsere intellektuellen Freiheiten einschränken. Lange kursierten Werte zwischen 30 und 80 Prozent Erblichkeit. Gilt das noch?
Vermutlich sind etwa 50 Prozent der intellektuellen Unterschiede zwischen den Menschen auf die Gene zurückzuführen. Das heißt allerdings auch, dass 50 Prozent nicht erblich sind. Neu ist für uns, dass der genetische Faktor im Laufe des Lebens sich verändert und im Alter eine zunehmend größere Rolle spielt. Das ist zugegebenermaßen ein ungewohnter Gedanke. Vom Gefühl her würde man sagen, dass die Gene am Anfang eine größere Bedeutung haben und durch die immer neuen Erfahrungen im Leben die Bedeutung der Umwelteinflüsse, Unfälle, Krankheiten und so weiter zunimmt. Offensichtlich ist es aber genau andersherum. Der Einfluss der Gene beginnt bei den Babys bei etwa 20 Prozent, nimmt auf 40 Prozent bei jungen Erwachsenen zu und liegt bei mittleren und älteren Erwachsenen bei 60 Prozent. Wenn wir Demenzen und Alzheimer ausschließen, kann der genetische Faktor später im Leben sogar bei 80 Prozent liegen. Das ist ein statistischer Wert wohlgemerkt, das kann bei einzelnen Menschen abweichen.
Also eine Art späte Rückkehr zu den genetischen Wurzeln oder eine Selbstbeschränkung des Geistes. Hat das biologische Ursachen?
Wir kennen die Gründe nicht. Es bedeutet aber, dass, wenn wir alle für die Intelligenz relevanten Gene finden würden, diese in der Kindheit nicht viel bedeuten, bei Erwachsenen lässt sich dagegen allein aufgrund der Genvariationen genauer die Intelligenzleistungen vorhersagen. Unser Gehirn bringt von Geburt an etwas mit, was ich als wahrscheinliche Neigungen bezeichnen würde. Sie können uns in die eine oder andere Richtung stoßen. Das hängt von vielen äußeren Einflüssen ab. Diese kleinen Unterschiede wachsen im Laufe des Lebens dann immer mehr an, die Richtung wird immer klarer.
Also doch eine Art Programmierung? Wie viel Spielraum lässt die dann für intellektuelle Abenteuer, für die Entfaltung neuer Fähigkeiten?
Intelligenz ist nicht im Erbmaterial, in der DNA, kodiert. Was kodiert ist, ist die Motivation. Wir sprechen eher vom Appetit als von den Eignungen, die in die Wiege gelegt werden. Man kann das schön bei extrem mathematisch begabten Kindern sehen. Sie denken in der Sprache der Mathematik, es macht ihnen einfach Spaß. Sie erzählen sich Mathematikwitze, beschäftigen sich mit anderen mathematisch interessierten Kindern. Sind das die Gene oder die Umwelt? Ich würde sagen, der genetische Einfluss ist stark. Was die Kinder aber zu dem macht, was sie sind, ist nicht in ihren Genen fixiert, sondern ist die Weise, wie ihre Gene mit der Umwelt interagieren. Diese Interaktion sorgt dafür, dass sie sich immer mehr mit Mathematik beschäftigen. Sie haben einfach Appetit darauf.
Medizinisch würde man das wohl Prädisposition nennen, eine Veranlagung, oder?
Selbst das scheint mir noch viel zu stark. Die Neigungen sind nicht als genetischer Algorithmus irgendwie im Gehirn determiniert. Sie sind sogar einfach zu unterbrechen. Monogenetische Krankheiten, Chorea Huntington beispielsweise, sind im Gehirn fest verdrahtet, nicht aber solche Neigungen.
Das heißt, wir können uns stärker der Frage widmen, mit was und wie intensiv wir unser Gehirn beschäftigen?
Klar ist, dass das Genom für sich genommen gar nichts tut. Es muss in eine, wie wir sagen, evolutionär passende Umwelt kommen. Wir können das Kind der klügsten Leute in einer dunklen Kammer aufwachsen lassen, und natürlich wird die kognitive Entwicklung darunter leiden. Wir können die Unterschiede in der Intelligenz messen und auf genetische Ursachen zurückführen. Aber das sagt nichts darüber aus, was sein könnte – was jemand aus seinem Potential macht. Wenn ein Kind die Gene für große Körpergröße hat, heißt das nicht, dass es groß werden muss. Krankheiten und schlechte Ernährung können das verhindern.
Die Gene stehen dem Erfolg eines Gehirntrainings also nicht im Wege?
Im Gegenteil, wir müssen am besten stets etwas außerhalb unserer normalen Umwelt probieren. Dinge sehen und erleben, denen wir vorher nicht begegnet sind. Wir müssen die Umstände ändern.
Wenn alle das tun, würde sich dann evolutionär gesehen die kollektive Intelligenz nicht zwangsläufig verbessern?
Wir haben schon erlebt, dass die gemessene Intelligenz in IQ-Tests über viele Generationen zugenommen hat, jedenfalls bis in die neunziger Jahre hinein. Um drei IQ-Punkte pro Jahrzehnt, was offenbar vor allem auf den Anstieg bei den Getesteten mit einem IQ-Wert von weniger als hundert zurückzuführen war. Aber ob dieser Effekt das Ergebnis einer sich verändernden, komplexeren Umwelt ist, wissen wir nicht. Viele glauben, dass es mit der besseren Ernährung zu tun hat, andere, mit der frühkindlichen Pflege, mit besserer Bildung und mit dem Umgang mit Medien. Wir sind allerdings ziemlich sicher, dass dieser Anstieg mittlerweile zum Stillstand gekommen ist.
Das ist die Statistik, aber wie sieht es mit dem Nutzen für diejenigen aus, die sich auf Gehirnjogging einlassen und das Ganze forcieren wollen?
Natürlich profitieren sie, genauso gut aber kann man immer fragen, wozu es gut sein sollte, solche Fähigkeiten zu trainieren. Es wäre auf jeden Fall falsch zu behaupten, wir können die Gene ausschalten, indem wir nur genügend ungewöhnliche Übungen praktizieren. Ein Beispiel: Unser Gewicht ist zu etwa siebzig Prozent vererbt. Wie kann das sein, fragen die Leute, denn wenn ich eine Diät mache, verliere ich Gewicht. Das ist richtig, und das zeigt wieder, was möglich ist. Trotzdem ist das Gewicht vererbbar. Die meisten Unterschiede im Gewicht zwischen den Menschen sind auf die Gene zurückzuführen, nicht auf die Ernährung.
Was passiert, wenn jemand mit dreißig anfängt, intensiv Gedächtnis und Gehirn zu trainieren, was passiert dann in den folgenden Jahren im Gehirn?
Die individuellen Unterschiede werden nicht verschwinden. Musik ist ein gutes Beispiel. Wenn sie hundert Kinder trainieren, dann sind darunter vielleicht zwei Kinder, die mit dem gleichen Pensum Stars werden, für andere Kinder ist das eine enorme Anstrengung. Diese Kinder wollen nicht üben, sie hassen es vielleicht sogar, weil sie es weniger können. In der realen Welt neigen wir immer wieder dazu, das zu tun, worin wir gut sind. Die Tatsache, dass Hirntraining prinzipiell eine Wirkung haben kann, bedeutet nicht, dass es auch das gewünschte Ergebnis hat. Viele Hirntrainer behaupten, wenn man früh im Leben zehntausend Stunden Trainingszeit für etwas investiert, nehmen wir Schach oder Musik, dann genügt das, ungemein gut darin zu werden. Wir sollten aber bedenken, dass es für die meisten Kinder nur diese einen zehntausend Stunden im Leben gibt.
Finden Sie die intellektuellen Unterschiede auch in den Hirnbildern wieder?
Da sind wir bei dem Problem der modernen Hirnforschung. Sie neigt immer noch oft dazu, modular zu denken. Die meisten Gene hingegen sind nicht in einer einzelnen Region, sondern in allen Arealen des Gehirns aktiviert. Die Gene für das Gedächtnis sind auch die Gene für die Wortkompetenz oder das räumliche Vorstellungsvermögen. Wir glauben, dass Intelligenz genau wie die Genexpression mehr oder weniger stark über das gesamte Gehirn verteilt ist. Es gibt kein Intelligenzzentrum.
Wie weit sind Sie denn nun bei der Identifizierung der beteiligten Gene im Gehirn gekommen?
Wir sind inzwischen dabei, mit Genchips und biochemischen Tests bei einerseits extrem klugen und bei andererseits geistig Behinderten herauszufinden, welche Gene im Hirn wann aktiviert werden.
Wie kommen Sie an diese Information? Sie können schlecht den Menschen Hirnmaterial entnehmen.
Wir nutzen indirekte Signale, Substanzen, die als Spuren der Genaktivität im Blut messbar sind. Die Menschen lesen einen Text, und wir vergleichen die Genexpression vor und nach dem Lesen.
Glauben Sie, dass man so an die jeweils kleine Wirkung der vielen Einzelgene herankommt?
Wir wissen es noch nicht. Was mich wirklich nachdenklich stimmt, ist die Erfahrung mit Ein-Gen-Defekten, Phenylketonurie zum Beispiel. Wir wussten schnell, was das entscheidende Gen tut, wir haben Mausmodelle. Aber wir wissen bis heute nicht, wie es das Gehirn verändert und zu den geistigen Verzögerungen führt. Trotzdem, ich freue mich jedes Mal, wenn ich ein neues Gen entdecke. Kürzlich haben wir sechs Kandidatengene für Intelligenz beschrieben. Die Gene sind einfach ein wichtiger Teil. Es ist doch kein Zufall, dass die Menschen weltweit mit fünf, sechs Jahren erstmals zur Schule gehen. Es gibt da offensichtlich eine Veränderung auf der molekularen Ebene im Gehirn. Was mich interessiert, ist die Frage: Was ist das Besondere an diesen Veränderungen, und wie unterscheiden sich die Individuen? Und natürlich, welchen Anteil die Umwelt daran hat. Klar ist aber auch, dass uns die Umwelt oft nicht übergestülpt wird. Wir suchen aktiv unsere Reize und Kontakte, wir schaffen unsere Umwelt. Wenn wir erst mal einige Gene haben, können wir die Frage, wie Gene und Umwelt zusammenwirken, viel präziser als bisher untersuchen.
Das Gespräch führte Joachim Müller-Jung.
Die Auflösung des Rätsels: 1. ROSENBEET, 2. RICHTFEST, 3. ABSPALTEN, 4. VARIIEREN, 5. ANSTECKEN, 6. GAUMENFREUDE, 7. WENDELTREPPE, 8. BIBLIOTHEKAR
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bundesverband Gedächtnistraining e.V.
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