Spenden

Helfen, aber wie? Und mit wem?

Von Michael Hanfeld

Schäuble: “Die besten Künstler und Moderatoren würden helfen“

Schäuble: "Die besten Künstler und Moderatoren würden helfen"

29. Dezember 2004 Im Augenblick der Katastrophe nicht nur an die Soforthilfe zu denken, sondern auch an die Vorbereitung für den Tag danach und die Hilfe zur Selbsthilfe. Helfen, inmitten der Trümmer den Grundstein für ein neues Leben zu legen - das ist der Vorzug von Hilfsorganisationen, die an Orten, an denen Unterstützung not tut, nicht wie die Heuschrecken einfallen und wieder abziehen, sondern wissen, was sie tun, im Zweifel schon da und schnell in der Lage sind, etwas zu tun, wenn es passiert.

Wenn eine Katastrophe geradezu biblischen Ausmaßes eintritt, wie sie sich am Indischen Ozean abzeichnet, eine Flut, von der man zunächst dachte, sie habe Tausende in den Tod gerissen, und nun annehmen muß, daß es eine sechsstellige Zahl von ums Leben Gekommenen gibt - von den hinterbliebenen Opfern, die Familien, Obdach und Lebensgrundlage verloren haben, nicht zu reden - dann wünschen sich die, die helfen und spenden wollen, an eine solche Organisation zu geraten. Dabei sind sie angewiesen auf die Informationen aus den Medien und vor allem - auf das Fernsehen. Wer dort genannt wird, dem wird geholfen zu helfen. Entsprechend verantwortungsvoll, hofft man als Fernsehzuschauer, wird die Auswahl getroffen.

Fernsehen wirkt

Die Deutsche Welthungerhilfe ist eine Organisation, die für sich in Anspruch nimmt zu wirken, wie eingangs beschrieben. Sie hat angesichts des Ausmaßes der Tsunami-Katastrophe einen Appell gestartet, dem zufolge sich die großen Hilfsorganisationen doch auf eine gemeinsame Plattform für Spenden einigen sollten, auf eine Adresse für alle, die helfen und spenden wollen und die auch im in solchen Fällen immer noch wirkungsmächtigsten Medium zum Zug kommen - dem Fernsehen. Dort aber wird die Idee reserviert aufgenommen.

Hans-Joachim Preuß, der Generalsekretär der Deutschen Welthungerhilfe, die 1962 als Vereinigung gegründet wurde, die von zahlreichen Verbänden, Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen, Parteien und Kirchen unterstützt und von einem ehrenamtlichen Vorstand geführt wird, beklagt seit längerem, daß es hierzulande nicht gibt, was in Großbritannien oder der Schweiz Usus sei und die Sache auch für die Fernsehsender leichter machte: ein Bündnis aller einschlägigen Organisationen, die eine gemeinsame Spendenanschrift namhaft machen, von der aus dann jene besonders bedacht werden, die im konkreten Fall an Ort und Stelle Hilfe leisten. Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Ingeborg Schäuble, hat zudem angeregt, einen solchen Aufruf in einer gemeinsamen Sendung von öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern zu starten: "Ich bin fest davon überzeugt, daß sich die besten Moderatoren und die bekanntesten Künstler gerne für ein solches Zeichen der Solidarität zur Verfügung stellen werden", sagte sie in Bonn.

Prominente werben um Spenden

Daß dies sinnvoll sei, wird jedoch von den Sendern bezweifelt. Ob nicht mehrere Shows auf verschiedenen Sendern noch mehr erreichten als eine für alle, fragt etwa der stellvertretende Programmdirektor des ZDF, Hans Janke. Die Sprecherin von Sat.1, Kristina Fassler, weist derweil darauf hin, daß man sich des Problems sehr bewußt sei und deshalb, da man nicht eine Gruppe bevorzugen wolle, auf die "Aktion Deutschland Hilft" als Partner setze, zu der sich elf Hilfsorganisationen verbündet haben. Sat.1 hat organisatorisch besonders schnell gehandelt und für den 6. Januar um 20.15 Uhr eine Benefizgala ins Programm gerückt, die Kai Pflaume moderieren wird.

Bei RTL ist an eine solche Veranstaltung mit Prominenten, die um Spenden werben, augenblicklich nicht gedacht. "Wir setzen auf schnelle und kontinuierliche Information und verweisen dabei in eigens produzierten Spots mit RTL-Prominenten auf Möglichkeiten zu spenden", sagte ein Sprecher und verwies auf die "Stiftung RTL - Wir helfen Kindern", die ihrerseits mit Unicef und der Caritas kooperiert. Die ARD hingegen hat eine Spendensendung in Planung, wann genau und mit wem, sei noch nicht spruchreif. Eine besondere Vorliebe für bestimmte Hilfsorganisationen aber gebe es dabei nicht, gibt die Programmdirektion in München an und verweist auf die umfangreiche Liste von Adressen, welche etwa die "Tagesschau" in ihrem Internetauftritt angebe.

Das Geschäft mit der Hilfe

Eine Benefizshow bereitet auch das ZDF vor, für die nächste Woche bereits, dort aber gibt es in solchen Fällen eine feste Zusammenarbeit mit den vier großen Organisationen Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz und Unicef. Ob dies andere mögliche Partner grundsätzlich ausschließe, das war gestern in Mainz nicht zu erfahren. Doch verbindet sich der Appell der Deutschen Welthungerhilfe, gemeinsame Sache zu machen, mit der Kritik, die Hans-Joachim Preuß explizit vorträgt, daß gerade das ZDF sich verschlossen zeige.

"Dabei sollte sich gerade ein öffentlich-rechtlicher Sender nicht verschließen", sagt Preuß. Und meint damit eine Aktion wie "Gemeinsam für Afrika", die der Vorzug getragen habe, daß sie alle zusammenführte, die professionell und schnell Hilfe leisten konnten. Der Appell der Welthungerhilfe wirft ein Schlaglicht auf den Umstand, daß die Hilfe im Katastrophenfall selbstverständlich auch ein Geschäft ist, von dem man sich wünscht, daß es angesichts der Dimension der Katastrophe in Südostasien von möglichst wenigen Kleingeistern betrieben wird.

Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2004, Nr. 305 / Seite 46
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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