Die SPD im Taumel

Die Surrealistische Partei Deutschlands

Die SPD versucht, noch die größten Eklats als Normalität zu verkaufen. Wir machen immer wieder mit. Ist das noch Politik oder ist es schon Wahn? Ein Kommentar von Nils Minkmar.

Lesermeinungen zum Beitrag

09. September 2008 20:46

Surrealismus ist Realismus

Manfred Middendorf (mami1)

Das ist etwas, das man wirklich gerne liest: so ungemein erfrischend, so wunderbar polemisch und so herrlich naiv. Was wünschen wir uns als Bürger und Wähler doch gleich? Aufrichtigkeit? Aber die Jungs sind aufrichtig, nämlich aufrichtig an dem interessiert, was allein ihrer Existenz als Politiker eine Berechtigung verleiht. Wer Macht erwerben oder erhalten will, der darf unter keinen Umständen glauben, daß es auf "Wahrheit" ankommt. Die liefert vielleicht die Wissenschaft. Von der Politik (so naiv sind wir nicht mehr) erwarten wir spätestens seit Gerhard Schröder anderes. Er hat uns gelehrt, daß es darauf ankommt, die Leute zu unterhalten, womit auch immer. Wenn dazu ein spektakulärer Deal mit anschließendem Versorgungsposten bei einem Gasunternehmen gehört, so mag eine mit anderen Maßstäben versorgte stark alternde Minderheit das nach hergebrachten Maßstäben ganz unmöglich finden. Doch für alle anderen hat es etwas irgendwie Glitzerndes. Steinmeier und Müntefering sind keine Wissenschaftler. Was wahr, was aufrichtig ist, das mögen andere herausfinden. Dafür hält man sie sich schließlich. Aber mit seinen Verlautbarungen Erfolg haben, das ist etwas anderes. Die neue SPD-Spitze schätzt uns schon richtig ein. Purer Realismus eben!

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09. September 2008 18:13

Es gibt viele Bhuddas,aber nur einen Sidharta Goddama.

Daniel Kleiner (Kleinermann1)

Aber er ist seit langem tot und "wohnt" in Nirwana.... "Der König ist tot,es lebe der König", Ob dieser Spruch für die SPD zutreffend sein könnte?

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09. September 2008 13:04

Um beim FC Bayern zu bleiben ...

Andreas Noreikat (derherold)

...da hätte es schon viel früher eine Trainer-Entlassung gegeben. ;-) Nicht die SPD ist surreal, sondern die Politik, die sie betrieben hat. Es wird eng: Wenn man einer "verelenden" Mittelschicht (noch) mehr Wohlstand verspricht, eine multikulturelle und postindustrielle Reservearmee hat, von der man bis heute nicht weiß, wie man sie jemals beschäftigen kann und die einst ökologisch, pazifistisch und sozialen "Engagierten" eine ordentliche Rente erwarten, müssen "über´n Daumen" 2-2,5% jährliches Wirtschaftswachstum her. Eigentlich hätte die SPD es 1998ff einfach gehabt hat: Man hätte nur sagen müssen, daß die Politik, die man zwischen 1975 und 1989 verfolgte, in den meisten Fällen ziemlich infantil war und daß man aus dem Gespinnst (bestenfalls) wohlgemeinter Lebenslügen heraus muß. Davor hat man sich gescheut und alle verprellt: Die gutverdienende Mittelschicht ruft "Rette sich wer kann !" und guckt sich nach Privatschulen um und die verbeamteten Schwafler tanzen der SPD auf der Nase ´rum und erklären ihre Sympathie für die Linkspartei. Als erstes sollte die Parteiführung die Gewerkschaften wieder auf Kurs bringen.

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09. September 2008 12:57

Obama als lebenserfahrener Quereinsteiger???

Maram Stern (thaidigs)

Flott geschriebener Artikel, der wirklich mitreißt, bis dann wieder die drögen Hinweise aus dem journalistischen Elfenbeinturm kommen, es bräuchte statt jener Berufspolitiker mal wieder den Quereinsteiger "der Obama-Klasse", der die Welt und Leben kennt und Lust auf ein politisches Amt hat. Erstens ist Obama DER Berufspolitiker per se und hat wohl schon als 'Community Worker' -- was auch immer das war -- Politik gemacht, sonst wäre er nicht mit Anfang 40 schon Präsidentschaftskandidat. Kurt Beck hat wohl mehr hilfreiche Lebenserfahrung als Eletrotechniker als Obama und McCain zusammen. Zweitens würden diese ach so lebenserfahrenen Quereinsteiger meist auch nicht mehr zusammenbringen (Beispiele gibt's genug) in der Politik als die gestandenen Berufspolitiker (egal in welcher Partei). Selbst dort, wo Quereinsteiger gefördert werden, sind sie schnell wieder weg. Drittens könnte man den FAZ-Schreiberlingen mal ein Praktikum in der Politik emmpfehlen. Von manchem hohlen Vorschlag würden sie sich dann sicher schnell verabschieden. Oder aus Protest gegen die Durchstechereien an die Medien sofort zurücktreten.

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09. September 2008 10:16

Flasche leer,

Kay Schmelzer (weitererfazleser)

anders kann man das nicht mehr bezeichen, "hatte gemacht nix" , aber wohl eine ganze Partei, und die CDU gewinnt wahlen, obwohl sie mindestens noch schlechter im inneren ist. Aber das nun die NPD ein Plaket vorm Haus an die Straßenlampe hängt ist auch keine Lösung. Deutschland in der politischen Führungskrise, einzig Schäuble und "Es Märkel " wissen nix von alledem und sonnen sich in ihrer bestbezahlten City lounge. Steuern und Abgaben erhöhen reicht nicht aus um gut zu sein, doch das wird wohl erst in vielen Jahren unumkehrbar gesehen werden. Surrealismus sollte man im Zweifel Salvador überlassen, der konnte es wenigstens

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09. September 2008 10:10

Sagt die Wahrheit!

Jürgen Zwiebel (Konspirant)

Hier wird einer naiv aus Verzweiflung. Dass einer in der Politik die Wahrheit sagt, hat es nie gegeben und wird es auch nie geben.

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09. September 2008 09:27

Mut zur Wahrheit?

Ulrich Bechtel (ubechtel)

Sehr geehrter Herr Minkmar, es ist ein Genuss Ihren Artikel zu lesen! Nicht nur bei der SPD wäre es so, nein auch in anderen politischen Parteien, in mancher Ehe an unzähligen Arbeitsplätzen, egal in welcher Hierarchiestufe: Sagt doch einfach einmal die Wahrheit – sonst nichts! Zur SPD, mit der ich nichts am Hut habe: Sollte Münte und Steinmaier heute sagen: Frau Ypsilanti zurück ins Glied! Mehr könnte niemand auf dieser Welt für gute Umfragewerte der SPD und für Deutschland tun. Aber wer hat heute schon solchen Mut? Der Pöbel ist leider nicht nur in der Politik an der Macht, der hat sich bereits in manches Wirtschaftsunternehmen eingeschlichen. Das stimmt bedenklich. Warum steht Ihr Artikel eigentlich nicht auf Seite 1 Ihrer Zeitung?

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09. September 2008 07:04

Opposition täte gut!

Thomas Grunwald (tho_mi)

Was bei der CDU unter Kohl 16 Jahre lang gehalten hat, ist bei der SPD eigentlich schon nach 7 Jahren vorbei gewesen. Alles, was danach war, glich nur noch einem Hängen und Würgen bis heute. Eigentlich wollten sie doch schon 2005 nicht mehr. Besser wärs gewesen. Auf der harten Oppo-Bank hätte man sich längst schon wieder sammeln können, die entsprechenden Köpfe heranziehen und dann wieder neu antreten. Nur mit dem Wähler hat keiner gerechnet. Von ihm erneut in die Regierungsverantwortung gezwungen, befindet sich die SPD seit drei Jahren in CDU-Geiselhaft und findets immer noch toll. Diese Partei ist nicht nur surrealistisch, sondern auch masochistisch. Man kann ihr nur wünschen, dass es bei der nächsten Wahl (nicht) klappt. Münte wird dann endgültig in Rente gehen können, Steinmeier ist dann auch weg vom Fenster. Dann können endlich Nahles und Wowereit ihr Können beweisen und den Zusammenschluss mit der Linken vorbereiten. Wenn wir Glück haben, werden wir dann in 5 Jahren wieder einen Finanzminister Lafontaine haben. Aber ist es wirklich das, was wir wollen? In diesem Sinne Glück auf!

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09. September 2008 01:12

Die Dialektik unserer Regierungsparteien

norbert doerre (ndoerre)

In den 70er Jahren haben sie noch gemeinsam im Gleichtakt geklatscht, die lieben Genossen. Da gab es ihrer Meinung nach auch noch viel zu verteilen - an die Genossen. Jetzt stehen sie alle am Kraterrand des großen roten Schuldenlochs, und Jeder, der zur Erschütterung des Glaubens beiträgt, wird dorthinein abgesenkt. Diese Ideologie ist durch das Heute, durch die Globalisierung und die europäischen Mindeststandards ad absurdum geführt, wie ein Glaubensbekenntnis, dem der zugehörige Gott verlorengegangen ist. Nun stehen sie da, mit vor dem Hosenstall verschämt gefalteten Händen und träumen von einer neuen Ideologie. Wer weiß? Wo schon alles verteilt und nichts mehr zu verteilen ist, da ist auch der härteste Sozialismus am Ende, und mit ihm die nutzlose SPD ohne Glauben und ohne Ziel. Die CDU dagegen macht es sich einfach: Sie braucht keine Ideologie, kann ihren Kathechismus wechseln wie die Unterwäsche, und sie lebt von Steuern und von Schulden, ganz lose nebenher, ohne Bezug zur Wirklichkeit, ohne Leistung, und darum auch ohne Fehler, aber stets mit Bezug zum eigenen Einkommen. Jetzt reicht schon der warnende Fingerzeig auf die verlotterte SPD: "Strengen wir uns an, weiter nichts zu tun!"

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09. September 2008 00:32

DIE KREATIVEN sind gefragt .... wenn der Machterhaltwahn zerstoben ist

Rüdiger Kalupner (RuedigerKalupner)

An die Stelle der Arbeiterbewegung kann nur die (selbst-) organisierte KREATIVE KLASSE treten, wenn es um die Träger für den Exodus aus der allerletzten der konfliktkampfgeborenen, gesellschaftlichen Macht- und Steuerungsstrukturen geht. Das Scheitern der SPD-Führung, aus der ich 1986 austrat, weil ihre Führung sich der Diskussion der von mir formulierten, evolutionsprozess-logischen Erkenntnisse für denExodus aus der Vorherrschaft der Kapitalstockmaximierer verweigert hat, ist vergleichbar dem Ende von Erich Honecker im Frühjahr 1989. Um die Parallele zwischen SPD-Führung und Honecker zu erkennen, muß man nur wissen, dass das absolut herrschende Wachstumszwang-Regime des Typs Kapitalstockmaximierung vor seinem Ende angelangt ist - mit der IGMetall als fast-geheimer Massenbasis dieses Absolutisten. Ihre Tarifrundenvorstellung für 2008 führt jeden den Machterhalt-Wahn vor Augen, der in Deutschland auf der obersten Steuerungsebene in Deutschland herrscht, d.h. bei Kostenentwicklung des Produktionsfaktor Arbeit. Die Blindheit der SED-Führung gegenüber der Gorbatschowschen Perestroikalogik entspricht der von SPD- und IGM-Vorständen gegenüber der Übergangslogik in die Ordnung des KREATIVEN. Wahn, überall Wahn!

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09. September 2008 00:18

Großartiger Artikel

Markus Müller (Luke23)

Besser kann man die aktuelle Situation und die Entwicklung der Post-Schröder-Ära in der SPD nicht beschreiben! Besonders beim Bild der "seit Monaten über den Abgrund des Grand Canyons hinauslaufenden SPD", die irgendwann nach unten blickt und unten das Einschlagsloch Kurt Becks mit den scheinbar teilnahmslos umherstehenden Kollegen erkennt, habe ich herzhaft gelacht. Großartig.

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09. September 2008 00:15

Im Bild geblieben

Robert Lohrmann (rlohrmann)

Nils Minkmar hat es verstanden, die aktuellen Ereignisse (soweit bekannt und berichtet) darzustellen und an surrealistischen Ausdrucksformen und Absurditäten zu spiegeln. Die Anekdote zur Einleitung ist -nach allem, was man heute erfahren hat- treffend gewählt und auch in der Folge greift der Autor Begriffe und Formulierungen auf, die Surrealisten benutzt haben und illustriert damit die Lage der SPD und das Verhalten der parteipolitischen Protagonisten. Dieses Thema wird aber nicht zum Selbstzweck, sondern der Autor löst sich im Verlaufe des Artikels von seinem "Aufhänger" und schildert unabhängig davon seine Einschätzung der derzeitigen Kraftverhältnisse in der SPD. Bravo, ein kleines journalistisches Kabinettstückchen!

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08. September 2008 23:19

Ende des Sozialdemokratischen

Peter Knüpper (majusepeter)

Man mag die Geschehnisse noch so intellektuell kommentieren: Fakt ist, dass das sozialdemokratische Jahrhundert zu Ende geht. In Zeiten der Globaliserung gibt es für die SPD keine sozialistische Perspektive mehr. Was da kommt, ist nur noch ein Aufguss längst verwelkter Ingredienzien. Mag die Linke noch in Reminiszenzen an Karl Marx schwelgen, Oskar Lafontaine als betagten Jünger feiern, - die Zeit ist endgültig vorbei, um dem Klassenkampf zu fröhnen. Insofern war es höchste Zeit, dass die Realos in der SPD wieder das Ruder übernehmen. Erfolg werden sie nur haben, wenn sie sich ohne Wenn und Aber von Leuten wie Nahles, Schreiner oder Ypsilanti trennen, die a la longue ohnehin als Strandgut der Linken landen werden. Der Republik bleibt zu wünschen, dass sich die Demokraten gegen die Volksverführer durchsetzen. Das Scheitern von Beck, dem der Mut zur Abgrenzung fehlte, sollte alle aufrechten Sozialdemokraten anspornen, Deutschland nicht kampflos den Postkommunisten überlassen wollen. Andernfalls wäre das Schicksal dieser stolzem Partei endgültig besiegelt.

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08. September 2008 21:38

@ Nils Minkmar, schon gehört: die Bhudda-Figuren sind wieder weg ;-)

gisbert heimes (gisbert4)

Waren nämlich mehrere. Die haben sie beim FC Bayern vorige Woche wieder abgeräumt. Scheinen also auch nicht so der Bringer gewesen zu sein. In der Sache selbst: linke Politik kann es nicht richten, weil sie im Gegensatz zu diesem Forum und Nils Minkmar nicht weiß, wie es geht. Richten müssen es die Eliten, aber die wissen es leider auch nicht.

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08. September 2008 19:30

Surrealistischer Artikel aber auch, auf eine Art

Bernd Michalski (michalski2)

Und voll von Halbwahrheiten, lieber Herr Minkmar. Z.B. die Legende, aus Deutschland kämen keine rechten Erfindungen mehr. Rätselhaft, wie es viele deutsche Unternehmen gleichwohl ausdauernd schaffen, an der Weltspitze mitzuspielen - an den "niedrigen" Arbeitskosten wird es jedenfalls kaum liegen. --- Auch nicht besser: die Vorstellung, ausgerechnet der wundersame Herr Obama sei ein gutes Beispiel für jemanden, der von ganz außerhalb der Politik kommt und "die Welt kennt" und so jemanden bräuchte man auch in Deutschland. Vielleicht bräuchte man so jemanden hier, wenn der so wäre wie beschrieben, aber tatsächlich ist Herr Obama ja auch nur ein megakarrieregeiler Politonkel aus dem US-demokratischen Establishment, aber immerhin: ein Neger, das ist ja schon mal doll. --- Und dann sollen die Politiker endlich mal offen sagen, wen sie alles nicht leiden können und mit wem sie schon intern gestritten haben? Wer will das denn hören? Und was bleibt dann noch für Herrn Bannas zu tun, der uns genau mit solchen geheimnisvollen Infos aus dem "Hintergrund" beglückt? --- Wie noch der größte Wahn als normal, gar als Weltrettung verkauft wird, zeigen die Ideologen bei SED und Grünen täglich neu; DAS wäre mal einen Artikel wert.

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