19. Januar 2004 vL. STOCKHOLM, 19. Januar. Der israelische Botschafter in Schweden, Mazel, hegt kein Bedauern über seinen Übergriff auf ein Kunstwerk in einem Stockholmer Museum. Nach einem Treffen mit Regierungsvertretern sagte der ins schwedische Außenministerium einbestellte Mazel am Montag, er habe sich nicht entschuldigt. Er betrachte das Kunstwerk als Verklärung palästinensischer Selbstmordattentäter. Der Direktor des Historischen Museums, der israelisch-schwedische Künstler, der die Installation geschaffen hatte, und vor allem der künstlerische Leiter der Ausstellung erhielten unterdessen Morddrohungen. Ein Mann hatte zudem versucht, den Ausstellungsleiter, der jetzt unter dem Schutz von Museumswächtern steht, die hohe Freitreppe des Museums herunterzustoßen. Während die israelische Tageszeitung "Haaretz" am Montag von einer Krise zwischen Israel und Schweden sprach, versuchte die Regierung in Stockholm, den Vorfall herunterzuspielen. Das Außenministerium hatte Mazel einbestellt, damit ihm mitgeteilt werde, daß sein Verhalten "inakzeptabel" sei, ein Ausdruck, den auch der Minister im Ministerpräsidentenamt, Nuder, benutzte. Mazel sagte nach dem Gespräch, er habe die Lampe "spontan" in das Becken gestoßen, in dem auf rotem, gefrorenem Wasser, das Blut darstellen soll, ein Segelboot mit dem Foto der palästinensischen Selbstmordattentäterin schwimmt. Zuvor hatte er freilich "Haaretz" gesagt, er habe sein Vorgehen geplant. Neben dem israelischen Ministerpräsidenten Scharon stellte sich auch Präsident Katsav hinter den Botschafter. Außenminister Schalom sagte, das Kunstwerk spiegele "die wachsende Identifikation in Europa mit dem Terror gegen Israel" wider. Weiterhin ungewiß ist, ob Israel an der Völkermord-Konferenz in Stockholm in der nächsten Woche teilnehmen wird, nachdem Schweden die Forderung, die Installation zu entfernen, unter Berufung auf die Kunstfreiheitabgelehnt hat.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.01.2004, Nr. 16 / Seite 6
Ihr Klager klagt: Die Trauerfeier für Robert Enke in ![]()
Morbide Schaulust: der Tatort ... es wird Trauer sein und Schmerz übt Medienkritik
Samt unter Strafe: das iranische Regime fürchtet den weichen Protest
Google Book Settlement: ohne Deutschland, aber auch beim zweiten Anlauf umstritten