Es stimmt einfach nicht, dass "...zum ersten Mal in der Nachkriegsfestspielgeschichte die nationalsozialistische Vergangenheit ins Bild gesetzt wurde", aber es klingt doch irgendwie immer wieder gut und garantiert mal wieder einen angeblichen Neuanfang:
Wieland Wagner, Katharinas Onkel, der wie sein Bruder Wolfgang ja auch "auf Onkel Adolfs Knien geschaukelt" worden war, hatte bereits 1963 - also vor 44 Jahren - mit seiner letzten Meistersinger Inszenierung gründlich alle Parteitagsassoziationen der Festwiese entrümpelt. Er stellte diese als eine Art Triumph-Apotheose der Barockoper dar ...
Die öffentlichen Reaktionen damals waren ebenso gespalten und stellten mit ihren Hass- und Wutausbrüchen eine neue Dimension dar...
Ähnlichkeiten mit der diesjährigen Inszenierung sind also durchaus gegeben.
Allerdings greifen alle Vergleiche mit dem Dritten Reich zu kurz. Die Premiere fand genau 3 Jahre vor der Reichsgründung 1871 statt, der Wagner nicht gerade sehr euphorisch gegenüberstand... Lautet nicht der Schlusssatz:
"...Verging im Dunst das Heil'ge Römsche Reich,
uns bliebe gleich die Heil'ge Deutsche Kunst"!?
Also Kunst steht vor Nationalismen...
Wenn das Onkel Adolf verstanden hätte!