
Seit langem eines der besten Kommentare, die ich nicht nur in der FAZ bisher zu diesem Themenkomplex gelesen habe. Viele der Kommentatoren in diesem Forum sind sich anscheinend nicht bewusst darueber, dass die Friedensdividende seit dem Mauerfall nach fast einer Generation vollends aufgebraucht ist, und kuenftige Weltmaechte sich nicht nur mit Versprechen zufriedengeben werden. Es lohnt sich hier auf ein Bismarck-Zitat zu verweisen, dass es zwischen Nationen keine Freundschaft gibt, nur Interessen. Die hier in diesem Forum so hochgehaltenen westlichen Werte und Unionen sind bestenfalls 50 Jahre alt, fuer moralische Uebrlegenheit ist das nicht ausreichend, zumal sich die Ausuebung der im Westen entwickelten Werte durch den Westen geographisch eben auf diesen beschraenkt. Zuletzt wurde diese Debatte gefuehrt als 1995 in den USA diskutiert wurde, ob die Atombombe jemals auf eine "weisse" Nation abgeworfen worden waere. Fehler zu machen ist eben kein Privileg des Westens. Auch verstehe ich die Empoerung hier nicht, denn die gegenwaertigen Entwicklungen sollten die USA aus ihren Allmachtsphantasien der Unipolaritaet wecken und besonnenern Stimmen Gehoer schenken. Nach dem Zynismus der 90er ist nun auch die der Naivitaet am Ende.

Autokrat Putin und sein Pudel überfallen Georgien, die Panzer stehen immer noch vor Tiflis und in Gori, die imperialen Freunde füttern seit Jahren die separatistischen ossetischen Milizen, sie ziehen die Strippen für die endgültige Abspaltung - und die angemessene Reaktion auf diese Aggression, nämlich die Verurteilung, nennt Jäger "Russophobie". Da hat er wohl seinen Hut für den Gasprom-Aufsichtsrat in den Ring geworfen.

Dem "Westen" die zutiefst korrupten autoritären Zwangssysteme Rußland und China als "Erfolgsmodelle" vorzuhalten, buche ich locker unter Scherzartikel-Schlussverkauf und Bewerbung für den witzigsten FAZ-Leserkommentar in 2008 :-)) Da würde ich glatt Auswanderung empfehlen. Putins Potemkinsche Dörfer werden offensichtlich zu gern für bare Münze genommen. Das von vergleichbaren Energiepreisen verwöhnte Breschnew-Regime hat sich wenigstens um eine Grundversorgung bemüht, von der Putins Rußlands weit entfernt ist. Die Strukturmängel werden nicht angepackt. Die Fassade und die sie tragenden korrupten Oberschichten werden großzügig versorgt - Armut u. grassierende AIDS Epidemie in allen GUS Staaten werden ignoriert. Ich finde gut, dass die FAZ L.Jäger eine Bühne für seine Kommentare bietet, sonst würde sie kaum jemand lesen ;-). J. stammt offenbar aus dem Vor-Archipel-Gulag-Milieu der alten "BRD". Der Kakadu-Gruppe der Realitätsverweigerer sollte man ein Reservat zugestehen - sonst sterben sie aus. Mein Interesse an AG und BLH ist nicht besonders ausgeprägt. Der Begriff des "Modephilosophen" trifft auf beide zu. Aber sie haben sehr häufig den Finger in die richtige Wunde gelegt, als andere noch träumten u. kakadu-ierten.

Das anti-westliche Ressentiment nach der Logik, der Feind meines Feindes ist mein Freund: Ein jahrhundertelang schon zu unrecht geschmähtes und angefeindetes Russland auf der einen Seite, auf der anderen die materialistischen Amerikaner und Israelis, in deren Diensten die sich hinter den Menschenrechten scheinheilig versteckenden Intellektuellen Glucksman und Levy stehen, die dermaßen ihre 'wirklichen' Interessen umso besser befördert sehen... Besteht ein Missverständnis über die russische Seele - und die russische "Autokratie" - Herr Jäger? Kaum vorstellbar in Ihnen den interessenlosen Verteidiger des russischen Namens zu finden. Vielmehr erscheint es, als sei die so nachsichtig gegen die imperialistischen Begehrlichkeiten Russlands sich gebende Verurteilung des "Westens" (wie Sie das zu schreiben belieben) selbst gerade von einem recht hässlichen Affekt gegen letzteren angetrieben. Deshalb auch die schon in anderen Kommentaren an dieser Stelle monierte 'Gesichtslosigkeit' Ihres Kommentars, denn nicht nur das "Virus der Freiheit" wird zum Zeugen berufen gegen den "russophoben" Westen und seine Fürsprecher, sondern auch der Relativismus zum willkommenen Werkzeug, lässt sich damit nur beweisen wie bigott der Westen sei.

Zum Glück ist Russland reicher geworden und der Westen ist käuflich geblieben, so kann man mit der Kritik aus dem Westen leichter leben als wenn man bitter arm ist. Dass die Kritik berechtigt sein könnte, spielt keine Rolle. Es gibt zwischen den westlichen und russischen (echten) Intellektuellen keine gemeinsame Gesprächsgrundlage, wenn es darum gehen soll, wie schlecht Russland ist. Der beliebteste Satz lautete bis jetzt - Russland hat kein Vetorecht. Dabei will keiner erklären, warum in der europäischen Sicherheit Estland als Natomitglied ein Vetorecht hat und Russland in Fragen der europäischen Sicherheit nichts sagen darf. Somit sind wir an dem Punkt angekommen, wo man das Sagen den Panzern überläßt. Dabei tragen die wesentliche Verantwortung für das Sagen der Panzer Leute wie Glucksmann. Sie waren die intellektuellen Panzer, die gegen Russland rollen und rollen und auf Putin ständig schießen.

Ein guter Kommentar, der die derzeitige Bigotterie auf den Punkt bringt und die Interessenbeurteilung aus rein US-amerikanischer Perspektive in den Fokus der kritischen Debatte bringt. Russland verdient eine klare Kritik, wenn es unverhältnismäßig militärisch reagiert. Es ist aber völlig bigott, die militärstrategischen Interessen der USA, die flankiert werden durch eine Politik der Ressourcensicherung vom Irak bis zum Kaukasus,einfach auszublenden, da hier eins der Initiale für die Auseinandersetzung im Kaukasus liegt. Ohne die russischen Interessen zu respektieren,ist kein Ausgleich möglich. Man stelle sich die empörte US Reaktion vor,würde Russland die aktuellen Unabhängigkeitsbestrebungen des Staates Vermont aktiv unterstützen. Die ehem. Warschauer Paktstaaten wie Polen, die die komfortable Chance ergreifen wollen, über antirussische Agitation alte Rechnungen zu begleichen,sind dabei die schlechtesten aller Ratgeber. Aggressiver gebärdet sich der amerikanische Imperialismus im Verhältnis zum russischen derzeit allemal-und sei es in Teilen nur auf Grund der eingeschränkten russischen Optionen. AbeNiemand in Westeuropa braucht einen neuen kalten Krieg in anderer Aufstellung und dies läge gewiß nicht in deutschem Interesse.

Ja, das ist das Schicksal "der Russen" jahrhundertelang gewesen. Man hat ihnen nie etwas durchgehen lassen. Und doch gibt es so viele Gründe, Ihnen Respekt zu zollen: Katyn, Berlin, Budapest, Prag, Tschetschenien, Afghanistan, Riga, Stalin, Politkowskaia, Chodorkowski, Gazprom, Putin, die Panzer, immer wieder die Panzer usw. usw. Und sie sind dabei so desinteressiert, wie man an der gegenwärtigen Verwendung ihrer Ölvorkommen sehen kann. Seltsamerweise ist die Liebe zu den Russen indirekt proportional zu ihrer geografischen Nähe. Dahinter versteckt sich natürlich der Einfluß der hinterhältigen Amerikaner und Israelis. Übrigens, hat man sich die Namen der beiden "Intellektuellen", die sich erdreisten, den Hauptenergielieferanten Deutschlands anzugreifen? Jäger ist der außenpolitische Geyer. Und die FAZ mutet ihren Lesern einiges. P.-L. Quervel

Endlich eine kritische Auseinandersetzung mit den Vordenkern des Meinungsbildes, welches wir alltäglich vorgesetzt bekommen. Als nächsten Schritt benötigen sowohl die Beiträge von CNN, BBC, FoxNews und Reuters auf der einen Seite, als auch die von Russia Today, Kommersant und Prawda auf der anderen Seite einer unabhängigen Betrachtung. Nur eine kritische Reflexion aller Quellen kann auf Dauer eine transparente Berichterstattung gewährleisten. Nur zu FAZ, es gibt viel zu tun im heutigen Nachrichtendschungel; es lohnt sich garantiert.

das ist schon ein sehr dummer Kommentar, weil er den beiden Kritisierten anti-russische Affekte sieht und doch selbst nur nicht ertragen kann, dass einmal nicht Bushs Amerika kritisiert wird. Wie offensichtlich anti-amerikanische Ressentisements inzwischen in der FAZ zur Schau getragen werden koennen (Matthias Rueb als Speerspitze), ist schon traurig. Da wird so getan als ob es grundsaetzlich moralisch schlecht ist, Interessen zu haben. Dann ist es auch egal, wenn eine Hegemonialmacht zur Imperialmacht wird und ein winziges Land ueberfaellt, nachdem es eine illegale Russifizierungskampagne betrieben hat. Das feige und opportunistische Europa duckt sich, waehrend Bush deutliche Worte findet.

Der erste Gedanke, als Saakaschwili das Feuer auf die Zivilbevölkerung der abtrünnigen Regionen eröffnen ließ.........was hat er im Ärmel, wenn er die Russen so einlädt, ..... das Rindvieh. Ober wohl ein guter Schachspieler ist ? Der Zweite ,....... wie lange wird's wohl dauern, bis die üblichen Verdächtigen anfangen, ihre Aufrufe in die Welt zu rotzen ?

Was Glucksmann und BHL für gewöhnlich vom Stapel lassen ist nur noch peinlich. Dass im Mutterland der Revolution aller Revolutionen, deren Motto bekanntlich Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit war, ganz besonders streng über die Versuche gewacht wird, den Sinn des utopischen Anliegens nach mehr Gerechtigkeit zu entstellen, ist ja schon seit langem bekannt. Allerdings dürfte den französischen "Meisterdenkern" wohl kaum das Recht zufallen, nach der Entzauberung des Sozialismus, für bedingungslose Hingabe gegenüber einem System zu plädieren, dass sich der Vernichtung von Partikularinteressen verschrieben hat. Dem verbreiteten Desinteresse hinsichtlich der Hinterfragung von Freiheit, mit der seit 1989 fast nur noch die Freiheit der Durchsetzungsfähigen gemeint ist, sollte man nicht auch noch achselzuckend gegenüberstehen.

Lorenz Jäger setzt die Linie seiner substanzlosen Meinungsäußerungen konsequent fort: antiamerikanisch, faktenarm, geschichtslos. Natürlich geht es um Interessen. Um was denn sonst? Aber bitte schön doch auch um russische Interessen. Russische Selbstbehauptung in der Region? Wo war denn Russland gefährdet, angegriffen? Russland war doch gar nicht (direkt) betroffen. Das kleine Georgien hat sicher Fehler gemacht. Es war ein Fehler, den Versuch zu machen, die südossetische Hauptstadt zurückerobern zu wollen. Aber rechtfertigt das den Einmarsch russischer Truppen in einen souveränen Nachbarstaat? Es stehen doch russische Truppen in Georgien und nicht etwa georgische Truppen in Russland. Oder? Wird das durch russische Interessen gerechtfertigt? Wer den Einmarsch der USA in den Irak - bei aller Unvergleichbarkeit - verurteilt, der muss auch den Einmarsch der Russen in Georgien verurteilen. Oder ist nur die gewaltsame Durchsetzung amerikanischer Interessen böse? Heinz Spelthahn, Rechtsanwalt, Jülich

weder China noch Russland sind Erfolgsmodelle. Wie kommen Sie darauf? In beiden Staaten fehlt es der Mehrheit der Bevölkerung am Nötigsten.

haben völlig recht. Das einzig Authentische und Realistische was Jäger in diesem unglücklichen Artikel von sich gibt sind die Zitate von den beiden und die realistische Sichtweise die in der Tat der "Rest der Welt" als Barbarei der Russen in diesen Tagen wahrnehmen muss. Was will Jäger eigentlich sagen? Er führt so viele richtige Argumente seiner soziologischen Antipoden auf, daß seine bedeutungslosen Nebensätze von Einkreisung Russlands und dem Nutzen den das Westliche Europa aus Pipelines zieht lächerlich wirken. Ebenso lächerlich, wie der Versuch der Rechtfertigung eines Überfalls Russlands auf ein vom sowjetischen Joch ehemals befreites Land. Mag ja sein, daß Saakaschwili eine folgenschwere Dummheit begangen hat, indem er die von Russen unterwanderten Enklaven wieder mit Gewalt in in die natürlichen geographischen Grenzen Georgiens zurückzwingen wollte. Mag ja alles sein und falsch dazu. Aber daß die Reaktion der Russen von sehr langer Hand vorebereitet war und man nur auf eine minimale Provokation wartete scheint eben so sicher. Also, was Jäger schreibt ist die "blanke Russophilie" einschließlich der offiziellen Sprachregelungen. Es geht hier aber nicht um Ideologie sondern um tausende Tote und verwüstete Städte.

Was die Bewertung "der beiden Philosophen" angeht, sind Sie Herr Jäger aus meiner Sicht sehr bescheiden. Deren Werke sind bereits nach den ersten Sätzen unglaubhaft und deswegen langweilig. Den Beitrag an sich finde ich interessant, ich hoffe, dass unsere Politiker wirklich europäische, aber vor allem die deutschen Interessen vertreten. Übrigens dank Herrn Schroeder, haben wir keine gefallenen Soldaten aus dem Irak zu beklagen, egal was ihn damals bewegte.

ich bin mir nie sicher, ob ich diese Philosophen wegen Ihrer Arroganz verachten, wegen Ihrer Machtlosigkeit bemitleiden oder wegen Ihrer Weltfremdheit ignorieren sollte... Das zentrale Problem hier ist wohl, daß der Westen und seine verwöhnten Vordenker mittlerweile in zweifacher Variante (Russland und China) autokratische Systeme als Erfolgsmodelle vorgeführt bekommen und damit nicht wirklich fertig werden.

Meine Güte! Man fühlt sich bei solchen zornigen Pamphleten ja fast an das 19. Jahrhundert erinnert als das reaktionäre Rußland der Antichrist der liberalen Zeitungsmenschen gewesen ist; doch diese Zeiten sind lange vorbei: Im 21. Jahrhundert wird Europa von der Weltherrschaft Chinas und der mohammedanischen Theokratie bedroht. Gerade französische Intellektuelle und Denker sollten hierüber besser bescheid wissen als andere. Es würde genügen, wenn sie einmal in die eigenen Vorstädte blickten und nicht in die weite Ferne des russischen Vorfeldes; hier lauern ganz reale Gefahren der Autokratie, Gefahren die durch den Schwund der europäischen Staatsvölker und das rapide Wachstum der mohammedanischen Einwanderer zu tödlichen Bedrohungen werden können. Die Ölgelder Libyen, Saudi-Arabiens und des Irans fördern diese fünfte Kolonne des Mohammedanertums in Europa. Rußland dagegen kämpft auf dem Kaukasus bereits gegen die saudischen Eiferer und wird in Sibirien von China bedroht. Es wird also keinen neuen Krimkrieg der liberalen Mächte gegen das reaktionäre Rußland geben, denn ein solcher wäre für beide mörderisch zum Nutzen ihrer wahren Feinde.

Stalin u. Hitler haben auch 1939 nur ihre Interessen bei der Teilung Polens / Osteuropa im Sinn! Dieser Bericht geht auf Kosten der baltischen Staaten, Polen, Ukraine, Georgien, Moldawien,.....

"...Russland dagegen findet BIS HEUTE unter den europäischen Köpfen von Rang kaum Fürsprecher...." Ich höre und staune und frage mich,in welcher Welt ich die letzten 45 Jahre aufgewachsen bin . In welcher Welt während der letzten 50 Jahre mag wohl Herr Jäger aufgewachsen sein ? Während der "sowjetische Phase" waren es doch vor allem die sog. europäischen Intellektuellen,allen voran französische und deutsche Intellektuelle,die dem Sowjetsystem offen den Hof gemacht haben und "amerikanische Interessen" mit den üblichen Verdächtigungen bedacht haben. Und dies ging klang und sanglos über in die letzten 2 Jahrzehnte,vorallem doch bedingt durch den Zweiten und jetzt Dritten Irakkrieg. Herr Jäger sollte sich vielleicht einmal die zum Thema "Georgien" gehörenden Leserkommentare hier durchlesen. Dann wüßte er,daß wohl eher diejenigen,die die Rolle Rußlands in diesem Konflikt kritisch betrachten,"kaum Fürsprecher" haben .