Maigret-Marathon 15

Der geheimnisvolle Kapitän

Von Tilman Spreckelsen

18. Juli 2008 Maigret sei „ein Mann des Volkes“, betont sein Schöpfer. Das zieht sich dann als Roter Faden durch den Roman. Der Reiche wird verdroschen, die Armen sind gute Kerle, vielleicht etwas unbedarft, aber doch redlich, und als dann einer der Entrechteten doch noch zu Reichtum kommt, wendet er ihn an einen guten Zweck. Einmal deutet Simenon sogar an, dass Maigret weint - lieber Himmel, Maigret!

Die Handlung in einem Satz: Ein verschwundener Kapitän taucht wieder auf, mit Kopfwunde, aber ohne Erinnerung, und als er dann in seiner Heimatstadt vergiftet wird, ist es an der Zeit für den Kommissar, der Sache auf den Grund zu gehen.

Spielt in: Ouistreham, einer Hafenstadt bei Rouen.

Neues über Maigret: Da er, wie er sagt, „mal in Nantes“ studierte, kann er ein paar Brocken Bretonisch.

Und Frau Maigret? Tritt leider nicht in Erscheinung.

Konsum geistiger Getränke: Kaffee mit Schuss (der Wirt schenkt Schnaps ohne Kaffee nach), Bier, Schiedam, Grog - schließlich ist man an der Küste.

Wie immer treffen einen auch hier so ein, zwei Beschreibungen und hallen lange nach. Warum ist die junge, hübsche Haushälterin so über die Maßen aufgelöst, als es dem Kapitän, für den sie arbeitet, so schlecht geht? Die möglichen Antworten tauchen im Lauf des Romans auf, sie gehen unter, andere erscheinen plausibel, und so geht es fort. Hin und wieder gibt es einen Scherz, etwa wenn ein Bürger den gefesselten Maigret findet und sagt „Ich sollte vielleicht besser die Polizei holen.“ Simenon hat bessere Bücher geschrieben als dieses, das Schlagseite ins Sentimentale hat. So lässt man am Ende die Verdächtigen frohen Herzens in See stechen. Und hofft auf den anstehenden „Verrückten von Bergerac“.

Lieblingssatz: „Er goß sich sein Glas voll, leerte es in einem Zuge und warf dem Kommissar einen resignierten Blick zu, aus dem fast die ganze Aggressivität verschwunden war.“



Bildmaterial: Natascha Vlahovic

 
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