30. April 2007 Schon wieder ein Wickert-Abschied. Nachdem er im vergangenen Jahr die ARD-Tagesthemen verließ, beendet der Moderator und Sachbuchautor (Gauner muss man Gauner nennen) nun auch seine literarische Sendung Wickerts Bücher, in der jeweils mehrere Autoren von Büchern mit verwandten Themen zu Wort kamen.
Warum haben Sie sich entschlossen, Wickerts Bücher zu beenden?
Weil ich herausgefunden habe, dass die Vorbereitung einer solchen Sendung zu viel Zeit kostet; Zeit, die mir fehlt, um selber zu schreiben. Ich habe noch eine ganze Reihe von Projekten, an denen mir liegt.
Hören Sie denn ganz abrupt auf?
Die vorgesehene Sendung am 20. Mai findet statt, mit einem, wie ich finde, sehr würdigen letzten Gast. Im Hörfunk allerdings mache ich Wickerts Bücher weiter, denn das ist viel weniger kompliziert: Jeden ersten Sonntag im Monat ist ein Autor bei mir zu Gast.
Hätte man die Sendung nicht nach dem Muster dieser Radiosendung umgestalten können, so dass Sie nur einen Schriftsteller zu Gast gehabt hätten?
Fernsehen lebt vom Dialog. Einzelgespräche bieten sich nur in Sonderfällen an, wie letzten Sommer mit Günter Grass.
Ist es grundsätzlich unmöglich, im Fernsehen über Bücher zu reden?
Nein, das funktioniert ja beispielsweise bei Elke Heidenreich sehr gut, aber das hat eben zur Konsequenz, dass man seine Hauptarbeitszeit darauf verwenden muss, Bücher und Themen auszusuchen, denn man muss ja viel mehr lesen, als man nachher verwerten kann.
Sie haben diese Arbeit also unterschätzt?
Ich habe den Aufwand unterschätzt, vor allem bei einer Gesprächssendung mit mindestens drei Gästen. Man braucht immer passende Autoren, und das ist eben besonders schwierig: Einer will nicht, der andere kann nicht, der Dritte eignet sich nicht, weil er zwar gut schreibt, aber in der Diskusssion nicht so überzeugt. Die Struktur dieser Sendung war einfach zu kompliziert.
Die Quoten waren ja auch enttäuschend.
Nein, ich war nicht enttäuscht. Die Quoten waren für eine Sendung dieser Art normal.
Gerüchte besagen, Sie kämen einer Absetzung der Sendung durch den NDR zuvor?
Nein, Günter Struve, der ARD-Koordinator, und Jobst Plog, der Intendant des NDR, wollten, dass ich weitermache. Aber das hat mich doch nicht umstimmen können.
Schreiben Sie also einfach lieber Bücher, als über die anderer zu reden?
Sogar beim Schreiben muss ich mir schon meine Zeit einteilen. Auch da musste ich jüngst ein spannendes Drehbuchprojekt wieder absagen, weil ich mich im Sommer an einen weiteren Krimi machen will, den ich schon im Kopf habe.
Wird Jacques Ricou wieder ermitteln?
Genau. Ich habe mich letztens mit Jacques Ricou unterhalten, und er hat mir verraten, dass er in einem sehr spannenden Fall ermittelt, der ihn auch nach Deutschand führen wird.
Auf das Fernsehen wollen Sie ganz verzichten?
Es gibt Gespräche zwischen der ARD und mir, aber ich muss Stück für Stück sehen, was ich zeitlich schaffe. Ich kann schlecht sagen, dass ich mit Wickerts Bücher aufhöre und zugleich schon neue Dinge verkünden. Ich schreibe jetzt erst mal meinen Krimi.
Die Fragen stellte Nils Minkmar.
Text: F.A.Z., 30.04.2007, Nr. 100 / Seite 41
Bildmaterial: obs
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