22. August 2008 Alles bei Friederike Janofske strahlt Ruhe aus. Wenn ich ihr gegenübersitze, wirkt sie wie das Konzentrat von Konzentration. Dabei redet es sich mit ihr völlig unangestrengt. Das Gespräch hat nichts Hermetisches, Janofske besitzt einen sprühenden Sinn für Abschweifungen, für das, was sich gerade ergibt. Sie umfasst kurz mein Handgelenk und sagt: Sie haben Stress.
Sie meint damit nicht einen Stress des Augenblicks, nicht irgendeine situative Aufgeregtheit. Sie meint eine Lebensführung der Selbstsabotage: Kräfte, die eigentlich vorhanden sind, kommen nicht zum Zuge. Weil man zulässt, dass diese Kräfte von Störmanövern zunichtegemacht werden, von Gedanken, die klein machen, weil sie für das genaue Ziel, um das es gerade geht, zu groß ausfallen - und beunruhigend, einschüchternd, zermürbend wirken. Das Geschäft von Friederike Janofske ist, falsche von richtigen Gedanken zu scheiden. Die einen durch die anderen auszuwechseln.
Was sind das für Übungen?
Die Psychologin praktiziert am Savignyplatz in Berlin. Im Moment ist sie in Peking. Als Mentaltrainerin der Schwimmerin Britta Steffen, die bei den Olympischen Spielen zweimal Gold holte und von sich sagt, dass sie dies vor allem ihren täglichen Übungen mit Friedrike Janofske zu verdanken hat. Was sind das für Übungen? Fragen wir zunächst Britta Steffen selbst, die nach schweren Schlappen schon mit dem Schwimmen aufhören wollte, bevor sie sich vor Jahren in die Hände von Janofske begab und fortan von einem sportlichen Erfolg zum nächsten schwamm.
Steffen beschreibt ihre soziale Irritierbarkeit, das Dysfunktionale ihrer Gedanken: Wenn mich nur jemand schräg anguckt, bin ich sofort emotional angegriffen. Ich habe nicht wirklich eine Distanz zu Menschen. Das war auch immer der Grund, warum ich meine Trainingsleistungen nicht im Wettkampf umsetzen konnte, weil ich mir immer Gedanken mache, was andere über mich denken. Ich hatte zu viele falsche Gefühle, die ich nie ausschalten konnte. Mit Frau Janofskes Hilfe habe ich ein gewisses Selbstbewusstsein erlangt. Mit ihr zusammen versucht sie, ihre Aufregung in die richtigen Bahnen zu lenken, die schwierigsten Situationen vorzuempfinden und gedankliche Abläufe zu automatisieren.
Die gewünschte Emotion
Janofske ist spezialisiert auf Stressbewältigung und Chronobiologie, die Wissenschaft der körperlichen Rhythmen. Sie arbeitet mit Hypnosetechniken, um den Wechsel zwischen Anstrengung und Entspannung zu balancieren. Ich kann Sie in Tieftrance versetzen, tue es aber nicht. Statt dessen geht es ihr um einen tranceartigen Wachzustand, bei dem die Gehirnfrequenz zwischen vier und sieben Hertz liegt. Dort bekommt man alles mit, kann sprechen, fühlen. Das ist wie ein Traum, in dem man selbst handeln kann. Ist dieser Zustand erreicht, werden auf der ganzen Lebensachse Erinnerungen an Fähigkeiten gesucht und diese dann so miteinander kombiniert, dass sie den Kopf für den Erfolg frei machen.
Eine körperlich völlig fitte Britta Steffen hatte regelmäßig das Problem, dass sie sich, kaum steht sie auf dem Startblock, von ihren Kräften verlassen fühlt, weil sie in diesem Augenblich die Nerven verliert und denkt, die anderen seien doch schneller als sie. Beim Training mit Friederike Janofske antizipiert sie solche K.o.-Gedanken und wechselt sie im hypnotischen Verfahren aus. Man kann, so Janofske, den besten Start aller Rennen mit der besten ersten Bahn und dem besten Endspurt koppeln. Dazu kommt dann die gewünschte Emotion. Auch nach ihr wird wieder auf der ganzen Lebensachse gesucht. Rückblickend wird also nach einer Erfahrung gesucht, die sich für die aktuelle Herausforderung so aktualisieren - ankern - lässt, dass sie Kräfte verleiht, statt Kräfte zu nehmen.
Der Körper mag evolutionsgeschichtlich an seine Grenzen kommen. Aber da der Körper, nimmt man ihn ohne Anführungszeichen, ein geistiger ist, kann er olympisch werden. Man lasse nur Friederike Janofske den Hormonhaushalt führen, dreimal täglich zwischen vier und sieben Hertz.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa