Ilona Staller

Comeback für Cicciolina

Von Dirk Schümer

05. Mai 2008 Der Name Ilona Staller ist in Italien nicht jedermann ein Begriff, aber unter ihrem Künstlernamen Cicciolina wurde die Pornodarstellerin zur Legende, seit sie 1987 für die Radikale Partei ins Parlament einzog. Die aus Budapest stammende Tochter eines Beamten des ungarischen Innenministeriums und einer Hebamme kam als Stripteasetänzerin Ende der sechziger Jahre nach Italien. Außerhalb des Erotikbusiness wurde sie erst zehn Jahre später mit politischen Aktionen einer Vorläuferpartei der italienischen Grünen bekannt. Make love, not war! Diese von den Hippies inspirierte Botschaft nahm Cicciolina - der Kosename bedeutet „Fleischklößchen“ - ernster als andere Menschen.

Im Wahlkampf und im damals noch prüden Staatsfernsehen machte sie Furore, indem sie regelmäßig ihren Busen entblößte. Einmal im Parlament für die Radikalen, setzte sich Ilona Staller für Frauenrechte, gegen Atomkraft, gegen ein Verbot von Bordellen und gegen den Hunger in der Welt ein. Ihre Heirat mit dem amerikanischen Aktionskünstler Jeff Koons, der die Vereinigung mit seiner Muse in Plastiken und Fotos so detailliert wie lustvoll abschilderte, brachte Cicciolina 1991 weltweite Bekanntheit. Um den gemeinsamen Sohn Ludwig, der 1992 kurz nach der Trennung geboren wurde, streiten sich die Eltern bis heute vor Gerichten; das Sorgerecht liegt beim Vater, doch der Junge lebt bei der Mutter in Rom.

Ihr Hunger ist gestillt

Danach wurde es stiller um die Staller, die 1989 nach einer zwanzigjährigen Laufbahn ihren letzten Pornofilm gedreht hatte. Ihr Hunger nach körperlicher Liebe, so ließ die Diva letztes Jahr in einer Autobiographie wissen, sei inzwischen weitgehend gestillt; sie habe sich so gut wie jede erotische Phantasie erfüllt, doch habe sie dabei niemals den liebenden Mann gefunden, den sie ein Leben lang suchte. Ob sie bei Saddam Hussein oder Usama Bin Ladin, denen sie sich zu Werbezwecken öffentlich als Partnerin angedient hatte, auf ihre Kosten gekommen wäre?

2004 als Kandidatin für das Bürgermeisteramt von Mailand In ihrem Film “Ein zärtliches Biest“ (1979) Ganz seriös 1992 1995 mit dem russischen Extremisten Wladimir Schirinowski 1987 in Berlin Noch nicht erblondet: Staller 1969

„Erotik ist der Sinn des Lebens“, lautet jedenfalls die Kernbotschaft der inzwischen sechsundfünfzigjährigen Allroundkünstlerin. Um diese Botschaft zu verbreiten, zog es die Staller jetzt in eine Tanzshow des argentinischen Fernsehens, wo sie als erstaunlich knackige Gymnastin den Kontakt mit dem südamerikanischen Publikum - und einem präsumptiven Partner fürs Leben - suchte, bevor eine Jury sie für ihre Tanzdarbietung abstrafte, das Publikum jedoch enthusiastisch per Telefonvoting feierte. Ganz so jugendfrisch, wie es schien, war Cicciolina dann aber doch nicht mehr. Sie verletzte sich am Fuß und musste zur Behandlung nach Italien zurückkehren. Aber - wer könnte daran zweifeln? - sie will wiederkommen.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, Cinetext/Omega, picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa

 
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