Der kinderlose Mann: Hugh Grant - hier noch mit Liz Hurley

Familie

Der verunsicherte Mann

Die Debatte um die Greisenrepublik und ihre Folgen dreht sich allein um die Frau und ihre Gründe, keine Kinder zu wollen. Dabei gibt es weit mehr Männer als Frauen ohne Nachwuchs. Über sie wissen wir fast nichts.

Lesermeinungen zum Beitrag

10. September 2005 15:16

Der verunsicherte Mann

Holger Sulz (H._Sulz)

Immerhin ist es zur Kenntnis genommen worden: Männer wollen nicht mehr und es ist geradezu zum Lachen, wie um die wahren Gründe herumgeeiert wird. Kinder zeugen mit 'starken Frauen' à la Gaby Hauptmann ("Eine Frau, die spätestens nach der dritten Scheidung keinen Porsche fährt, hat etwas falsch gemacht")? Nicht wirklich. Pferdeschwanzträger, die im Fransenhemd und Cowboystiefeln durch die Fußgängerzone tänzeln als Väter? Gruselig. Eine Familienministerin, die Familie dort verortet, wo alle aus einem Kühlschrank fressen und ein schwuler Bürgermeister, der Menschen willkommen heißt, die ihren libidinösen Höhepunkt nur dann erreichen, wenn man sie fesselt und quält? Es darf nicht wahr sein. Die feministisch- grün- roten Ideologen haben eine infantilisierte Gesellschaft der völligen Beliebigkeit und Wertefreiheit hinterlassen, die nur noch als dekadent zu bezeichnen ist. Männer sind zu Samenspendern deformiert worden, die vaterlose Gesellschaft gewollt- sie ist jetzt Wirklichkeit.

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09. September 2005 19:32

'Der verunsicherte Mann'

Tano Carridi (Tano_Carridi)

„Gelassen kann er seine Unentschiedenheit bis ins hohe Alter pflegen - und darauf spekulieren, daß seine Zeugungskraft dereinst noch so intakt ist wie die von Charlie Chaplin.“ – spätestens nach dieser Stelle weiß man zwei Dinge über den Autor. Erstens, es handelt sich um eine Frau. Und zweitens, diese Frau hat vermutlich keinen süddeutsch-katholischen, sondern einen leistungsethisch-protestantischen Hintergrund.
Der Beitrag ist gleichwohl typisch für die Art und Weise, wie in Deutschland über Kinder und Familie diskutiert wird. Nämlich wie über jedes andere Thema auch. Nirgends hat sich der Verlust des christlichen Menschenbildes so verheerend ausgewirkt wie hier. Statistiken werden bemüht und Rechenexempel vorgeführt, ohne dem Sachverhalt dabei wirklich auf die Spur zu kommen. Selbst der kaum unterdrückte Affekt darf nicht fehlen. Bei alledem wird übersehen, dass Paar- und Familienbildung als grundlegende soziale Bindungen einer anderen Logik unterliegen, als etwa die Jahresbilanz der Deutschen Bank.
Solange das Verhältnis Mann/Frau/Kind am falschen Maßstab quantifizierbarer Größen gemessen wird, werden Fehlentwicklungen, wie etwa der Ruf nach einer staatlichen Ganztagsbetreuung für die 0 bis 3-jährigen die Regel und nicht die Ausnahme bilden. Derlei postnatale Spätabtreibung bildet den vorläufigen Höhepunkt einer wachsenden seelischen Verelendung, die wohl kaum durch bloße familienrechtliche Korrekturen – so nötig diese auch sein mögen - wird aufgehalten werden können.

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09. September 2005 18:29

Privatisierungsideologie mitursächlich

Klaus P. Lücke (microplan2002)

Aus meiner Sicht ist die Privatisierungsideologie für die demographische Katastrophe, deren familiärer Hintergrund in dem sehr informtiven Beitrag ausgeleuchtet wird, wesentlich mit verantwortlich. Die Sichtweise einer gesellschaftlichen Verantwortung - und damit natürlich auch einer gesellschaftlichen Beduetung des Nachwuchszeugens - gilt als ideologisch belastet und ist verpönt. Mit fatalen Folgen: Erst "dürfen" die Eltern die Kinder mit hohem Zeit- und finanziellem und emotionalem Ressourceneinsatz die Kinder über lange Jahre groß ziehen. Wenn sich dann später, so wie heute, auf Grund grober politischer Mißwirtschaft (die prinzipiell dieselben Ursachen hat wie die Privatisierungsideologie auf familiärer Ebene) und unter Verletzung des Versprechens, "Schaden vom deutschen Volke abzuwenden", die Situation so darstellt, dass die Kinder enorme Schwierigkeiten haben, auf dem Arbeitsmarkt überhaupt Fuß zu fassen, schnappt die Falle endgültig zu: der Staat plündert erstmal das Vermögen der Eltern, die Risiken sind privatisiert. Oder der andere Fall, dass die Eltern z.B. zum (teuren) Pflegefall werden: dann werden die Kinder mit dem scheinheiligen 'Argument', sie müssten sich schließlich den Eltern erkenntlich zeigen, von "Big Brother" zur Kasse gebeten.

Gewinner sind diejenigen, die auf Nachwuchs verzichtet haben (zum vergleichsweise geringen Preis einer etwas höheren Besteuerung). Aber es ist der Staat, der ihnen die risikolose Ausbeutung der Familien ermöglicht hat!

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09. September 2005 18:19

Der verunsicherte Mann

Hans-Detlev Ross (hd-ross)

Es ist schon bedrückend, wie oberflächlich mit Mutmaßungen über die männl. Enthaltsamkeit umgegnagen wird. Sogar in der FAZ.Schade!Dabei könnte eine gezielte + positive Diskussion über die wahren Gründe männl. Kinderverweigerung unsere (deutsche) Gesellschaft weiterbringen und die Gesellschaft vor der Vergreisung bewahren. Doch mit Mutmaßungen, wie: angeblich männliche Spätpubertät, Genusssucht, Kindsköpfigkeit, muss das scheitern. Ich lasse mich von Frau und niemandem in solch eine Ecke stellen (trotz 3 Kindern, fühle ich mich angesprochen). Dieses Empfinden unterstelle ich vielen meiner Mitmänner. Bei einer wahrnehmbaren offenen + neutralen Dialogbereitschaft, diesbzgl. geschlechterspezifischer Verhaltensmuster, käme sicherlich ein Dialog in Gang. Doch bei der momentan eher einseitig feminin geprägten gesellschaftlichen Sichtweise, bezweifele ich die Möglichkeit eines lonstruktiven Dialogs in naher Zukunft. Da muß Mann doch noch ordentlich für seine Gleichstellung kämpfen!

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09. September 2005 14:29

Partnerschaftlich grossziehen

Jan Plaß (yoann)

Der Beitrag und die Kommentare enthalten viele wahre Punkte über die Angst der Männer vor dem Nachwuchs. Wobei ich den Eindruck gewinne, dass es da ein systematisches Problem gibt: Die Entscheidung für den Nachwuchs wird häufig mit der Entscheidung eines Partners gegen sein berufliches Weiterkommen verknüpft. Trotz aller Sachzwänge, die hier immer vorgegeben werden, ist dieser Zusammenhang so nicht zwingend, ja sogar schädlich für die Beziehung. Denn diese leidet unter einem Kind in den ersten 12 Monaten sowieso. Viele Probleme lassen sich vermeiden oder reduzieren, wenn beide Partner arbeiten und sich um die Kinder kümmern. Jeder hat Anteil am gesamten Spektrum des Lebens und kann viel besser beurteilen, was um ihn herum passiert. Frauen und Männer mit einer total verzerrten Realitätswahrnehmung des jeweils anderen sind häufig der Grund für die Scheidung.

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09. September 2005 13:40

Ein paar wichtige Punkte fehlen da ..

Jens-Christian Pohl (punxsatawnyphil)

Mit Interesse habe ich diesen Artikel gelesen.

Dass nun ausgerechnet die Politik vorgibt nicht zu wissen, was zu tun sei, vermag ich nicht mehr nachzuvollziehen. Allein, man könnte es auch als blanke Heuchelei bezeichnen.

So hat die Rot-grüne Regierung ein neues Unterhaltsgesetz auf den Weg gebracht, wonach auch bei nicht verheirateten Paaren, für die Kindsmutter nach Trennung des Paares nicht mehr wie bisher, nach § 1613 BGB drei Jahre Betreuungsunterhalt gezahlt werden muss, sondern bis zum achten Lebensjahr des Kindes. Geringverdiener muss man dabei nicht mal sein, um dies zu fürchten; Unterhaltszahlungen machen alle arm, egal ob Gut- oder Geringverdiener.

Und das ist nur ein Beispiel: warum, falls sich Mann und Frau um das Sorgerecht nicht einigen können, fällt das Sorgerecht nach wie vor an die Frau und der Mann steht wehrlos daneben? Andere Länder weltweit sind hier bereits wesentlich weiter, siehe Kanada und die dort praktizierte Doppelresidenzlösung.

Zahlende Väter, die kämpfen müssen, um ihre Kinder sehen zu können, und ein vom Faschismus geprägtes Mutterbild in allen politischen Lagern sind dabei die nur allzu gerne ausgeblendete deutsche Wirklichkeit.

Deutschland wird nicht nur über Kitas, mehr Kindergeld und bessere Betreuung kinderfreundlicher und kindereicher - wir werden auch mehr Nachwuchs bekommen, wenn es zwischen den Geschlechtern gerechter zugehen wird.

Da sehe ich bis jetzt wenig Anlass zu Optimismus.

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