Alles erzählen heißt nicht alles erklären: Günter Grass

Die Grass-Memoiren

Ist die schwarze Köchin da?

Behutsam, zupackend und berührend: „Beim Häuten der Zwiebel“, das Erinnerungsbuch des Günter Grass, ist sein größtes und wichtigstes Werk seit der „Danziger Trilogie“. Ein großes Rätsel aber bleibt offen. Von Hubert Spiegel.

Lesermeinungen zum Beitrag

26. August 2006 03:35

Heuchler

Josef Schurek (schurek)

Was hat Herr Grass gesagt, das er nicht seit Jahrzehnten wußte? Wenn es ihm am Herzen gelegen hätte, hätte er sich schon vor langer Zeit äußern müssen - ohne Rücksicht auf "Verluste". Mir kann niemand erzählen, daß sich Herr Grass niemals Gedanken über diese Episode seines Lebens gemacht hat. Er weiß selbst, daß er ein Heuchler ist. Es gibt Menschen aus dieser Zeit, deren Schicksal ich mehr bedauere. Für mich ist er gestorben.

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25. August 2006 20:17

Kann man bekehrt werden?

Peter Becker (sidewinderpeter)

Es wird gesagt, es sei Gütner Grass' wichtigstes Werk seit seiner Nobel-Ehrung. Klar dass gerade deutsche Gemüter das Thema bewegt. Dennoch ist eher sein Lebenswerk zu rühmen, denn seine autobiographische Analyse. Denn vermutlich hat er gerade in seinen anderen Büchern das, was er solange verschwiegen hat, zu verarbeiten versucht; versucht wieder gut zu machen.

Sicherlich ist einem 17-jährigen, der seine gesamte erinnerbare Jugend unter den Bedingungen des dritten Reiches verbracht hat, zudem dann in die Waffen-SS versetzt wurde, kein Vorwurf zu machen. Der Vorwurf ist eher dem gesamten damaligen deutschen Zeitgeist zu machen. Und dies ist in der Vergangenheit ja auch hinreichend geschehen.
Vielmehr sollte allerdings die Tatsache zu denken geben, dass er sich nun wieder traut, das ganze öffentlich zu machen. Diese Tatsache lässt nur zwei Schlüsse zu: entweder hat die Zeit die deutschen Wunden wirklich geheilt, oder an "seinem Wesen soll nun wieder die Welt genesen". Zweiteres wäre natürlich fatal, denn es würde vom aktuellen deutschen Zeitgeist nicht die besten Seiten herauskehren.

Vielmehr ist denkbar, dass er darauf aufmerksam machen möchte, <b>dass Deutschland seinem Ermessen nach nicht ideal in die Zukunft steuert.</b>

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