Rechtschreibreform

Noch nicht einmal der Duden hält sich an den Duden

Am 1. August soll die revidierte Rechtschreibreform für Schulen und Behörden verbindlich werden. Passend erscheint der neue Duden. Doch anstatt Orientierung zu bieten verwirrt er mit „Empfehlungen“ und „Varianten“.

Lesermeinungen zum Beitrag

06. August 2006 00:06

Hier zu Lande beißen Fleisch fressende Dinos ins Gras

Oliver Röhrig (oli.R)

Einige ergänzende Gedanken zur "Reform":
Grundsätzlich sollte die Wortbedeutung entscheidend für die Schreibweise sein:
Es ist ein Unterschied, ob ein fleischfressender Dino zum Nachtisch etwas Grünzeug ißt, oder ein pflanzenfressender Dino zufällig etwas Fleisch ißt. Wortverbindungen, die sich zwanglos substantivieren lassen (Pflanzenfresser) sollten sich auch in Verbform zusammenschreiben lassen.
Bestehende Ausdrücke sollten nicht auseinandergerissen werden:
Bei der Schreibweise "hier zu Lande" drängt sich der unsinnige Gegensatz "dort zur See" auf.
Deutsch lernende Ausländer können einfach eine andere Sprache wählen. Wir und unsere Kinder nicht!
Das Nebeneinander von Neuer Beliebigkeit und alter Schreibweise im gehobenen Schrifttum wird zu einer noch schärferen Trennung zwischen Schriftproletariat einerseits und Schriftelite andererseits führen.
Vielen wird es schwerer fallen, eine stabile persönliche Schreibweise zu entwickeln.
Die Menschen werden für dumm gehalten.
Es wäre doch möglich gewesen, z.b. als einfache Grundregel der Getrennt Schreibung (!) fest zulegen (!), daß die Bedeutung das entscheidende Kriterium darstellt.
PS: Das ß behalte ich bei, da das Doppel-S zu Verkrampfung führt.



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31. Juli 2006 20:14

"Verbindlichkeit" ist weit entfernt

Norbert Pomplun (pomplun)

Es sieht alles so schön aus: "Endgültig" und "verbindlich"! Die Wahrheit ist vielmehr diese: Aufgrund der Übergangsregelungen für die Fehlerkorrektur ist das neue Regelwerk genauso verbindlich wie das von 1998 (und wie "endgültig" das war, sieht man ja an den Änderungen 2004 und 2006). So gelten jetzt, was die anzustreichenden Fehler betrifft, in den Schulen in einmütiger Disharmonie:

1. Für die "unstrittigen" Teile, die der "Rat für die deutsche Rechtschreibung" auch (vorerst) unstrittig fand: die Regeln von 2006.
2. Für die "unstrittigen" Teile, über die der Rat dann doch gestritten hat (z. B. Teile der Groß- und Kleinschreibung): die Regeln von 2004 oder 2006.
3. Für den ganzen Rest haben Schülerinnen und Schüler die ganze Auswahl aus dem Rechtschreib-Gemischtwarenladen: die Regeln von 2006 oder von 2004 oder die althergebrachten Regeln, die ja laut Erlaß vom letzten Jahr aufgrund der Nichtverbindlichkeit der Regeln von 2004 auch noch möglich sind.

Ist das nicht schön? Viel Spaß beim Lehren und Lernen!

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25. Juli 2006 09:20

DUDEN und WAHRIG – überflüssig. Es gibt den ICKLER.

Jochen F. Uebel (arjuna_de)

Was mache ich, wenn die Pizza beim Lieblings-Italiener nicht mehr schmeckt? Ich wechsle – punktum.
Was mache ich, wenn »der« DUDEN und »der« WAHRIG nichts mehr taugen? Ich wechsle – punktum.
Weshalb an meinem Schreibtisch nur noch ein Wörterbuch steht: der ICKLER: »Das Rechtschreib-Wörterbuch«, ISBN 3-931155-14-5. Denn es leistet genau das, was DUDEN & Co. zu leisten aufgehört haben: Der ICKLER zeigt – weiterhin – auf einfache, leicht nachvollziehbare Weise, wie wir (wieder) »sinnvoll schreiben, trennen, Zeichen setzen«. Die »bewährte deutsche Rechtschreibung in neuer Darstellung« (Untertitel). Das Regelwerk ist gerade mal 70 großzügig gesetzte Seiten lang; was folgt, sind 450 einfachst zu interpretierende 3spaltige Wort-Seiten, die praktisch alle Zweifelsfälle hervorragend bedienen.
Es gibt ihn also noch, den zuverlässigen »Duden«. Nur daß er eben nicht mehr DUDEN, sondern ICKLER heißt. Zwingt uns irgendjemand oder irgendwas, am alten DUDEN-Zopf festzuhalten? Nein! Frischer Wind in die Redaktionsstuben! Befreit Euch doch einfach von den Fesseln jener dummen, inkompetenten Reform-Idiotie! (Schon allein, um nicht bei jedem Aufschlagen des DUDEN an Figuren wie Zehetmair denken zu müssen.)

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24. Juli 2006 22:46

Wie gehabt

Matthias Künzer (kuenzer)

Man fühlt sich an 1996 erinnert, an Kabinettsstückchen wie "hinab fallen" versus "herabfallen", oder wie "morgen Früh". Wer das lernen muß, ist zu bedauern. Wer das unterrichen muß, nicht minder. Zum Glück sind Zeitungen unabhängig und nicht an diesen Krampf gebunden.

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22. Juli 2006 03:14

Sprachlos

Paul Schächterle (paulimausi)

Ich bin immer wieder sprachlos ob der willkürlichen und unsinnigen Sprachverstümmelung durch die sogenannte Rechtschreibreform.

Es gibt leider nur eine Lösung, nämlich sie rückgängig zu machen.

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21. Juli 2006 19:12

Schluss der Debatte: Es gibt Wichtigeres

Andreas Westermeier (Klemme11)

Es ist schon merkwürdig, mit welcher Inbrunst und mit wieviel intellektueller Energie sich FAZ-Redakteure und die meisten ihrer Leser - also eigentlich die sprachgewandten unserer Gesellschaft - auch nach der revidierten Reform noch um Rettung dessen bemühen, was sie für "die richtige Schriftsprache" halten.

Bei den Zitaten aus dem neuen Duden habe ich jedenfalls in jedem Einzelfall sofort verstanden, was gemeint war. Wenn also künftig neben diesen "Duden-Varianten" nicht noch weitere von den Verlagen akzeptiert werden und wenn dann die zulässigen Varianten auch mit den korrekten Buchstaben geschrieben würden, dann wäre mir überhaupt nicht bange um unsere Sprache.

Tatsache ist aber, dass unsere Sprache - ob gesprochen oder geschrieben - im öffentlichen Alltag (soweit er sich über die Medien vermittelt) schon seit langem ganz anders und viel gravierender "reformiert" wird. Von der SMS-Sprache unserer Jugendlichen und von dem Halbstarken-Slang auf den Schulhöfen mag man gar nicht reden. Also: Lassen wir die Kirche im Dorf und warten wir ab, was aus den "Duden-Varianten" wird.

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21. Juli 2006 16:45

Nicht sehr seriös

Bernd Neu (Begevau)

Mit Theodor Ickler kommentiert ein bekennender Gegner der neuen Deutschen (oder der Neuen deutschen?) Rechtschreibung die Neuauflage des Duden 1.
Das ist schon einmal fragwürdig, denn wer kennt schon den "Sprachwissenschaftler Theodor Ickler" und kann ihn entsprechend einordnen?

Die Gründe gegen die Rechtschreibreform sind in meinen Augen ebenso gravierend wie die Gründe dafür.
Die Willkürlichkeit, die Ickler heraushebt, war und wird immer ein Zankpunkt sein. Soll der Duden empfehlen was er will, soll der Wahrig empfehlen was er will und meinetwegen soll auch Herr Ickler empfehlen was er will. Ich hoffe, dass jetzt endlich Schluss ist mit der unsäglichen Debatte um die unwichtigste Reform in Deutschland.

Wenn es nach mir ginge würden die Rechte an der Rechtschreibung an einen Verlag verkauft werden. Dann hätte der Staat wenigstens etwas. Der Willkür würde man dann ebenso gerecht werden wie mit einer Kommission.

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21. Juli 2006 16:37

Alter Duden

Heiko Dr. Frühauf (hfr)

Ich freue mich immer noch über meine damalige Entscheidung, den letzten Duden vor den Reform gekauft zu haben. Das er allerdings wirklich ein so rares Exemplar werden würde in all dem Orthographiekauderwelsch erstaunt mich dann doch. Bei zunehmenden Zweifeln an meinem früheren Sprachgefühl aufgrund der im Alltag massenhaft auf mich einstürzenden Falschschreibung hat man so doch noch seinen Anker für grammatikalisch richtige und meistens doch auch irgendwie sinnvoll Rechtschreibung.

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21. Juli 2006 16:17

Neuschrieb verunsichert

Roman Morokutti (roman_vbg)

Wie schon Herr Bunge verdeutlichte, unterwandert
der Neuschrieb alle möglichen Texte. Somit kann
ich ihm in seiner ganzen Aussage nur beipflichten.

Persönlich stört mich die Tatsache, daß sich Politiker
einmischten, die sich, so drängt sich der Verdacht auf,
mit einer Rechtschreibreform profilieren wollten. Daß
diese komplett daneben ging, ist wohl bekannt. Zumindest
denen, die sich schon immer über eine derartige Reform
geärgert haben.

Ferner darf die Qualität einer Sprache, bzw. Rechtschreibung
nicht vom Notendurchschnitt einer Klasse, oder Schule
beeinflußt werden. Vielmehr muß es Ziel der Lehrer sein,
die Regeln der deutschen Sprache richtig zu vermitteln,
und die Schüler dazu zu bringen, diese ordentlich zu lernen.

Folglich finde ich es total verkehrt, die deutsche
Rechtschreibung "zu vereinfachen", um den Notenschnitt
anzuheben.

Jemand, der der deutschen Sprache, und die damit verbundene
Schreibweise, beherrschen will, muß sich mit dieser beschäftigen.

Ich wünsche mir die Rechtschreibung zurück, die vor der
Reform gegolten hat. Im Endeffekt hat uns die Reform
nur eines beschert: Chaos.

Roman Morokutti

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21. Juli 2006 16:03

Noch nicht einmal der Duden... (21. Juli)

Otto Bauschert (otto.bauschert)

Verstimmt legt man auch den Artikel von Theodor Ickler zur Seite. Wenn ein Professor schreibt, braucht kein Redakteur mehr drüberzugehen, mag sich die Redaktion gedacht haben. Freilich werden die Anführungszeichen schon benötigt, um die Zitate aus Briefen, Urteilen und dem Duden zu kennzeichnen; aber genügt das, um die Rechtschreib-Beispiele aus dem Duden gänzlich ungekennzeichnet in den fortlaufenden Text einfließen zu lassen? Es hätte die Lesbarkeit des Textes wenigstens etwas erleichtert, wenn die Beispiele (zumindest in der Printversion) kursiv von den Ausführungen des Kritikers abgestzt worden wären.
Otto Bauschert, Stuttgart

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21. Juli 2006 15:01

Duden und Rechtschreibung

Ingo Hertrich (hertrich)

Der Duden soll eigentlich die Schreibweise empfehlen, die die grösste Akzeptanz in der Bevölkerung hat. Durch die Rechtschreibreform ist er nun in einen Konflikt geraten, weil ja viele Neuerungen der Reform gar keine allgemeine Akzeptanz gefunden haben. Ich gebe auch zu, dass es zur Zeit schwierig ist eine solche Akzeptanz zu ermitteln. Daher hätte man eigentlich noch einige Jahre warten müssen mit der Neuauflage. Ich stimme dem Autor des Artikels voll zu, dass es nicht Aufgabe des Dudens ist, politischen Einfluss zu nehmen.

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