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FAZ.NET-Fernsehkritik

Härter als Raabs „Wok-WM“

Von Michael Hanfeld

15. April 2007 Bernd Stelter hat einen neuen Job. Und also einen neuen Arbeitgeber. Er bleibt aber im Unterhaltungsfach, und er bleibt beim Fernsehen. Bislang trat er bei RTL auf („Sieben Tage, sieben Köpfe“, „Bernds Hexe“), jetzt ist er bei der ARD gelandet, also dort, wo es alle arrivierten Rundfunkleute irgendwann hinzieht, wenn sie auf Nummer sicher gehen wollen, so wie Reinhold Beckmann und Harald Schmidt - und so, wie es Günther Jauch auch gern getan hätte.

Von diesem Sommer an moderiert besagter Bernd Stelter nun in der ARD die Serie „Deutschland lacht“ und im WDR-Fernsehen das „NRW-Duell“. Am Samstagabend hatte Stelter seinen ersten Auftritt im Ersten. Ein Probelauf sozusagen. Er musste eine Karaoke-Nummer hinlegen und ein Lied singen, das den Titel trug „There's a Mouse in New Orleans“. Die Melodie und das Original („House of the Rising Sun“) kennt jeder, die leichte Veränderung im Text war dem Anlass des Abends geschuldet, da es hieß: „Frag doch mal die Maus“ - die Show mit Jörg Pilawa bildete den Auftakt zur „Kinder sind Zukunft“-Woche der ARD.

Manchmal sieht man mit dem Ersten besser

Bernd Stelter hat gar nicht mal so schlecht gesungen, und schaltete man an diesem Abend so hin und her zu den Shows auf den anderen Kanälen, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man manchmal wirklich mit dem Ersten besser sieht und nicht mit dem Zweiten oder einem anderen Programm. Denn im ZDF verdunkelte Carmen Nebel pointenfrei den Abend, während bei Pro Sieben Stefan Raab sich in einem seiner berühmten Wettbewerbe mit einem Kandidaten unter anderem im Mensch-Ärgere-Dich-nicht-Spiel und im Bogenschießen maß. Es ist schon erstaunlich, wie viel Geduld die Zielgruppe von Pro Sieben mitbringt, denn so ein Raab-Abend zieht sich doch ungemein, da kann man nicht nur während der Werbepausen zum Bierholen in den Keller gehen, sondern gleich die Küche streichen.

Wobei ein Raab-Abend, das muss man sich immer wieder vor Augen halten, wenigstens keine Rundfunkgebühren frisst wie das fröhliche, an die fünfziger Jahre erinnernde Hupfdohlen bei Carmen Nebel, auf deren Verpflichtung als Showgröße sich das ZDF sogar noch recht viel einbildet. Doch zurück zur ARD, die hier einmal wirklich einen Familienabend ausrichtete, einen für kleine und für große Zuschauer, wobei die Kinder für die kniffligen Fragen und die Erwachsenen für die hoffentlich richtigen Antworten zuständig waren. Aufbereitet als Ratespiel mit drei Publikumsgruppen und drei Prominentenduos vorneweg (Bernd Stelter bildete mit Tom Buhrow das Kleiner-blauer-Elefant-Team, in der nächsten, der Maus-Crew gab Christine Neubauer den Ton an, Mannschaft drei mit der gelben Ente waren Mirja Boes und Jürgen Vogel) - ergab das leidlich unterhaltsame Zweieinviertelstunden, die einem sogar etwas kürzer vorkamen.

Ein großartiger Akt von Generationsironie

Das lag weniger an Jörg Pilawa als an den Maus-Machern Armin Maiwald, Christoph Biemann und Ralph Caspers, die zeigten, warum der Erkenntnis- und Unterhaltungsgewinn, den ihre Sendung verspricht, keine Altersgrenzen kennt. Zum Schluss zeichneten sie sich sogar bei einem Geschwindigkeitstest als Stuntmen aus, auch wenn sie den waghalsigen Einsatz auf dem Rennparcours draußen vor dem Studio nicht wirklich selbst leisteten, sondern sich bei der Schussfahrt auf drei Bobby-Cars doubeln ließen. Da kam ein bisschen Außenwetten-Stimmung à la Thomas Gottschalk auf. Raabs „Wok-WM“ hätte man ruhig auf die fünf Minuten reduzieren können, die das Maus-Rennen dauerte. Und der knappe Sieg in der Rateshow für Mirja Boes und Jürgen Vogel als Anführer des „Enten-Teams“ ging schließlich auch in Ordnung.

Man hätte sich einen unpassenderen Auftakt zu der Kinder-Woche der ARD vorstellen können, die mit einer Vielzahl sehenswerter Stücke aufwartet, bei den meisten gibt es allerdings nicht viel zu lachen. Das einzige, was einen daran stört, ist, dass die ARD erst jetzt auf eine solche Idee und erst jetzt auf Kinder zu sprechen kommt, da die Hälfte aller Debatten dieses Landes von nichts anderem handelt als von Familien- und Bildungspolitik und Demographie. Die andere Hälfte handelt vom Klimawandel.

Bleibt nur die Frage, was sich die drei Herren im besten Alter gedacht haben, die auf den Werbefotos posieren, welche die ARD zu ihrer Kinder-Themenwoche verbreitet. Da hockt der scheidende Intendant des Südwestrundfunks, Peter Voß, auf eine Tigerente, umringt vom ARD-Vorsitzenden Fritz Raff und dem Programmdirektor des Ersten, Günter Struve. Die drei grinsen um die Wette, als hätten sie gerade die Rundfunkgebührenklage in Karlsruhe und die Senderechte an der Euro 2008 gewonnen. Zusammen bringen die Drei es - wenn wir richtig gerechnet haben - auf hundertdreiundneunzig Jahre gelebte Programmerfahrung. Da kann es sich unter dem Stichwort „Kinder sind Zukunft“ wohl nur um einen großartigen Akt von Generationsironie handeln.



Bildmaterial: ARD/Thorsten Jander, dpa, WDR/Schmitt Menzel/Streich

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