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Politiker wollen bewährt rechtschreiben

26. Juli 2004 Mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) ist abermals ein Länderchef für eine Rücknahme der Rechtschreibreform eingetreten. Gegenüber der "Bild am Sonntag" gab Teufel zu Protokoll, er wolle den Beratungen in der Ministerpräsidentenkonferenz nicht vorgreifen, aber "daß bei der Rechtschreibreform in vielen Fällen über das Ziel hinausgeschossen wurde, ist offensichtlich".

Teufel ist nach Christian Wulff (Niedersachsen), Peter Müller (Saarland), Edmund Stoiber (Bayern) und Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt) der fünfte Ministerpräsident eines unionsregierten Landes, der in dieser Frage politischen Druck erzeugt.

Auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel schwenkt offenbar auf einen Anti-Reform-Kurs: Sie werde "wohl zeitlebens nicht mehr zur vollen Beherrschung der neuen Rechtschreibung vorstoßen". Wenn es nach dem Willen einiger SPD-Spitzenpolitiker geht, etwa dem von Heide Simonis (Schleswig-Holstein), muß sie das aber. Sie läßt wissen: "Den Sack machen wir nicht mehr auf."

Altbundespräsident Walter Scheel (FDP) warnte derweil vor einer drohenden "Sprachanarchie". Er selbst habe immer wieder Versuche unternommen, die neue Rechtschreibung auszuprobieren, aber vieles habe überhaupt keinen Sinn ergeben und "einfach nur lächerlich" gewirkt.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2004, Nr. 171 / Seite 29