
Annette, welche Bibel pflegen sie zu lesen...in meiner wird Jesus in allen Evangelien n a c h dem Abendmahl am See Gethsemame verhaftet.
Sokrates wurde, genau wie Jesus, wegen angeblicher Verfehmung der staatstragenden Religion angeklagt und gleicht darin sehr seinem Schicksal. Dass die Griechen mit ihrem Schierlingsbecher ein wenig "gesitteter" mit ihm umgingen, ändert nichts an dem Umstand, dass die Machthaber ihn loswerden wollten. Hier empfehle ich ihnen eher die Apologie des Sokrates.
Ich habe ihnen in 2+3 insofern zugestimmt, dass auch ich meine, dass Glaube+Vernunft nicht so einfach zusammengehen. Ich widerspreche ihnen da, wo sie meinen, Ethik allein mit Vernunft rechtfertigen zu wollen.
Dass Zähneklappern mit Nächstenliebe zu tun habe, habe ich nirgends behauptet, ist es doch gerade so - da sie Kierkegaard erwähnten -, dass es als Angstgefühl in allen Lebewesen vorhanden und zudem völlig unabhängig davon ist, ob man gläubig oder nicht!
Tatsächlich hat K. dieses Bild von Lessing entlehnt, der in einer Schrift und als aufgeklärter Geist, wie er sich verstand, darauf verwies, dass wer an das Leben, Wirken, Sterben, an die Auferstehung Christi glauben wolle, einen "Sprung" vollziehen müsse!

Zu 1) Jesus wußte von seiner bevorstehenden Verhaftung und Verurteilung. Dies wird im Abendmahl hinlänglich ausgeführt, indem er erklärt, dass einer unter den Jüngern ihn verraten wird...Simon, bevor der Hahn kräht, ihn dreimal verleugnen! Jesus,der die Obrigkeit wegen ihrer reinen Gesetzestreue, die zum Götzendienst entartete,kritisierte,mußte so enden,genauso wie Sokrates enden mußte, weil er sich gegen das bestehende Herrschaftssystem auflehnte, und genau wie sein Vorgänger, nicht feige genug war, zu fliehen. Beide sahen ihrem Schicksal ins Auge und flohen nicht davor...Sehen sie meine Unterscheidung zwischen der Vernunftethik und der religiösen Tugendethik nicht allein auf Jesus bezogen, sondern auf alle Menschen, die nach diesen Prinzipien in Opferbereitschaft leben.
Zu 2+3) hier kommen wir zu ganz ähnlichen Schlüssen!
Das überall dort wo Zwang angewandt wird, eine falsche Religiösität entsteht, darin kann ich ihnen nur zustimmen. Darin ist Jesus unerreicht. Niemals hat er jemanden mit Zwang zum Glauben gezwungen, anders als seine Nachfolger! Denken sie an den reichen Jüngling, denken sie an die Apostel.Nach christlicher Auffassung ist Gott die Liebe.Niemals hat es jemand geschafft, einen anderen zur Liebe zu zwingen!

Wie wollen sie mir mit ihrer Vernunftethik dann das Opfer erklären? Wie wollen sie erklären, dass ein Mensch den anderen nicht nur als gleichberechtigt, als seinesgleichen anerkennt, sondern sich mit ihm vollständig identifiziert, sich in ihm wiedererkennt; wie wollen sie mit ihrer Vernunft begründen, dass jemand gar bereit sein könnte, sein Leben aus Liebe zu einem anderen Menschen hinzugeben - gar nicht! Eine solche Tugendethik ist zuallerletzt vernünftig, sie ist Ausdruck einer irrationalen Leidenschaftlichkeit...!
Jesu Verhalten gegenüber den Zöllnern ist stringent und zeugt in keinster Weise von Doppelmoral. Im Vergleich zu den Wechslern im Tempel, haben jene nämlich ihre Schuld anerkannt; sie kommen zu Jesus, weil sie Reue zeigen. Nun besteht Jesu Mission gerade darin, die Sünder zur Umkehr zu bewegen; er streckt jedem die Hand aus, der Einsicht und Reue zeigt, denn sein Gott ist barmherzig...!
Zum Zähneklappern: Ich weiß nicht, wielange sie sich schon auf diesem wunderbaren Planeten aufhalten, ich kann ihnen aus meiner Erfahrung sagen, dass niemals ein Mensch durch gutes Zureden zur Umkehr gebracht ward, sondern durch die harte Wirklichkeit! Denn vergessen sie nicht, wir wollen alle viel lieber gebauchtpinselt werden.

Annette, sie haben richtig erkannt, dass mit Vernunft allein niemand zum Glauben findet. Mich würde brennend interessieren, wie Prof Ratzinger die Prüfung Abrahams, der nicht minder der Urvater aller monotheistischen Religionen ist, mit seiner allumwaltenden Vernünftigkeit in Einklang bringen würde?! Glauben verlangt ganz im Sinne Lessings einen Sprung, einen Sprung, der in meinen Augen in der Leidenschaft begründet liegt und demnach irrational ist...!
Sie machen mit ihrer Vernunftethik keinen Unterschied zwischen einer Ethik, die durchaus mit Vernunft erklärbar ist und der religiösen Tugendethik! Während sich die eine bestenfalls darin äußert, dass ich jemandem zu Hilfe komme, weil ich ja selbst des Tages auf Hilfe angewiesen sein könnte, heutzutage noch nicht einmal diesen Status erreicht, sondern sich vielmehr als Staatsraison äußert, nach dem Motto:"Tue du mir nichts, dann laß´auch ich dich in Frieden!", als Nichtsangriffspakt sozusagen, geht die religiöse Tugendethik weit darüber hinaus.

Noch ist das Buch von Josef Ratzinger nicht erhältlich und wird schon kommentiert. Das entspricht so ganz der heutigen Polemik um jeden Preis. Ist es nicht irgendwie merkwürdig, dass es von Jesus von Nazareth keine authentischen persönlichen Schriften gibt? Ist das, was der Mann aus Nazareth vermitteln wollte nicht sowieso im Alten Testament enthalten, das er voll akzeptierte und das er des öfteren zitierte? Jesus gab uns durch sein Leben und sein Leiden eine Richtschnur. Alleiniges Gesetz ist das eigene Gewissen und das Gebot der Nächstenliebe. Alles andere, das hinzugedichtet und hereininterpretiert wurde (sehr stark ist daran Paulus beteiligt) kann, aber muss nicht befolgt werden. Jesus hat uns sehr zu einem eigenständigen Verhalten ermuntert. Die vielen Vorschriften und Richtlinien der Stellvertreter Gottes sind Beiwerk von manchmal fraglichem Inhalt. Übrig bleibt der starke persönliche Glauben. Den sollte man hegen und pflegen.

Annette, sie haben richtig erkannt, dass auch das Evangelium kein Zuckerschlecken, keine Weichspülerei, kein "Wir haben uns alle ganz doll lieb!" beinhaltet, mit der es vielfach verwechselt wird. Es sind darin massive Forderungen an denjenigen gerichtet, der sich als Christ verstehen will! Was meinen sie, warum Nietzsche behauptete, im Grunde hätte es nur einen wahren Christen gegeben - Jesus! Auch zu seiner Zeit muß ihm das praktizierte Christentum wie ein schlechter Scherz vorgekommen sein. Nun weiter: Grundannahme des jüdischen wie des christlichen Glaubens ist, dass der Mensch sündig ist, dass er Schuld trägt vor Gott(Ursünde). Jesus ist nach christlichem Verständnis derjenige, der den Weg zurück zu Gott weist; jenen Weg, den jeder gehen soll, will er sich mit Gott versöhnen. Das heißt, dass nur derjenige, dessen Leben dem des "Erlösers" am ähnlichsten wird, überhaupt Christ ist, und es mit seiner Erlösungsbedürftigkeit ernst meint. Dergleichen heißt der moderne Mensch schon allein dieses Dogma eine Frechheit, womit alles andere ihm völlig abgeht.
Die Tempelszene verweist genau auf diesen Umstand. Er kritisiert die Wucherer und Händler für ihre Heuchelei: Sie machen Geschäfte anstatt sich um ihr Seelenheil zu bemühen!

Es war der Eifer um das Haus Seines Vaters, der Jesus getrieben hatte, die Händler und Geldwechsler, die den Tempel, das Bethaus, in eine Börse verwandelt hatten, hinauszujagen. Diese Aufgabe hätten die Tempelwächter schon längst vorher erfüllen sollen und taten es nicht. Wenn Sie, Frau Lotz, Ihr Haus von Spinnen und Ungeziefer reinigen und dabei in Fahrt geraten, wobei Sie vermutlich nicht zimperlich mit solcherlei Viechern umgehen, nennen Sie sich gewiss auch nicht einen Hooligan.
Betreffs der "Drohungen": Jesus kam beim ersten Mal als Knecht, um sich selbst hinzugeben als Lösegeld für viele (=alle, die an sein Wort glauben). Bei seinem zweiten Kommen wird er nicht mehr als Knecht erscheinen, sondern als der, der er vor seinem ersten Kommen schon war, nämlich als der "Kyrios", der Herr, der die Befehlsgewalt hat über alle (Gegenteil von Sklave). Wenn Sie, Frau Lotz, Ihr Leben hingegeben hätten und dieser Kyrios wären, würden Sie dann nicht auch klar sagen, wo's langgeht?
Dabei ist er immer gütig und barmherzig zu denen, die Ihn trotz aller ihrer Fehler suchen und an Ihm hängen, aber hart ganz besonders zu den Heuchlern, wie es die religiöse Elite war, die die Schlüssel zum Himmelreich hatten und es verschlossen hielten.

... über moderne Prominente wesentlich mehr Beweismittel, Dokumente, Photos, Artikel oder Biographien als über den Sohn Gottes.
Aber, Hand aufs Herz, sind Sie durch das Lesen dieser Dinge jemals innerlich gestärkt und aufgebaut worden?
Über Jesus gibt es wohl "nur" die Bibel als Quelle, aber die hat's in sich. Je öfter man sie liest, desto stärker wird die Kraft. Das Problem an Theologen ist, dass sie die Bibel so gut wie gar nie lesen, sondern nur dicke Bücher ÜBER die Bibel, aber nicht die Bibel selbst ...
Dicke Bücher ÜBER die Bibel einerseits und die Bibel an sich andererseits sind aber zwei völlig verschiedene Paar Stiefel. Der Glaube kommt durch das Hören von Gottes Wort (Römer 10,17). Idealerweise vermehrt man seinen Glauben, indem man Gottes Wort zu sich selbst spricht (hören!!).
Dicke Theologiebücher aber vermehren keinen Glauben, sie bewirken eher das Gegenteil. Die Theologie hat sich wie Mehltau auf das kirchliche Leben gelegt und lähmt und tötet es.
Lasst uns sie abschütteln und zum Wort Gottes zurückkehren!

Peinlich!
Die Ankündigung eines Buches wird zum Anlass genommen, dessen kommentierten, im Wesentlichen aber unbekannten Inhalt in Frage zu stellen. Schon erstaunlich. Immerhin: Die Methode ist alt, wenn sie auch nicht von hohem Intellekt zeugt. Dies allein ist noch nicht schlimm. Schelmisch wird eine Selbstdarstellung solcher Art aber dann, liebes Annettilein, wenn Sie damit versuchen, den Eindruck zu erwecken, Sie seien durchaus in der Lage, es intellektuell mit Kardinal Ratzinger, dem heutigen Papst, aufnehmen zu können. Peinlich!
Aber Vorsicht, vielleicht gibt es den Papst gar nicht.

Alles reduziert sich auf die Frage bzw. Feststellung:
Glaubt man oder glaubt man nicht?!

Danke für das Originalzitat von Tacitus! Ich finde, es sagt so viel über den Historiker, über den Intellektuellen im Allgemeinen aus! Am Ende ist diese "Scheinfigur", genannt Jesus, dann aber auch noch derart mächtig, dass sie das Römische Reich sprichwörtlich in die Knie zwingt. Das ist für einen nichtexistenten Toten dann doch höchst erstaunlich!
Leider vergißt mancher über diese Diskussion und der Fragestellung, ob er oder auch nicht, wovon in den Evangelien eigentlich die Rede ist; man vergißt angesichts der Haarspalterei, der Erbsenzählerei, das Existenzialistische an seiner Botschaft! Es kommt doch nicht von ungefähr, dass Jesus, genau wie Sokrates, keine einzige Zeile hinterlassen hat! Ja, warum denn nur?! Wenn beide doch solche großen "Lehrer" waren, warum hinterließen sie kein einziges Zeugnis davon? Weil Lehre und Sosein in beiden sich vereinigten, weil zwischen Lehre und Tat kein Unterschied bestand! - die Überzeugenste Art von Philosophie in meinen Augen!
Und dann lese man einmal die Weisheiten, die dort verkündet : Von der Wüstenwanderung angefangen, der teuflischen Versuchung, der Rettung Magdalenas, der Bergpredigt, dem Verrat etc...wenn das ein Märchen sein soll, dann ist es ein verdammt lebensnahes!

Die Kommentare sind ja haarsträubend, meine Damen und Herren. Da treffen sich Vertreter von Atheismus und Esoterik um sich in fröhlichem Halbwissen die Hand zu reichen, solange es gegen Kirche und Papst geht. Ich bitte sie, sind wir doch alle einmal gespannt darauf, was dort wirklich drinnen steht. Danach dürfen sie dann auch alle ihre persönlichen Glaubensentscheidungen wieder als "wissenschaftliche Erkenntnisse" verkaufen...
Immerhin dürfte das Buch einem eingeschlafenen Diskurs neuen Antrieb bieten. Das zumindest ist in jedem Fall positiv zu bewerten.

ist ein Dokument gerade jener Verwirrung, gegen die der Papst ankämpfen muß.
Von keiner Persönlichkeit der Antike außer Jesus Christus existieren gleich vier Biographien; Christus ist damit wohl die bestdokumentierte Person dieser Epoche. Die zahlreichen Apokryphen zähle ich hier gar nicht mit. Daneben wird Christus auch von Josephus Flavius und Tacitus, den bedeutendsten Historikern jener Zeit, erwähnt. Wer daran zweifelt, daß Christus existiert hat, könnte mit ungefähr derselben Berechtigung die historische Existenz Hitlers oder Adenauers in Zweifel ziehen; die Frage ist nur, wie ernst man solche Standpunkte nehmen muß.
Nein, die eigentliche Frage ist sehr wohl die, die auch der FAZ-Kommentar stellt: war Jesus wirklich der, als der er sich ausgab - also der Sohn Gottes? Wenn nicht, dann war er der Urheber eines einzigartigen Betrugs. Die Existenz Jesu zu leugnen ist nicht das Ergebnis kritischen Denkens, sondern ein Zeichen geradezu unglaublicher Borniertheit.

Da sitzt ein sehr gescheiter Mann in einem Amt das einmal Macht und Ansehen gebraucht und missbraucht hat.
Weil diese Institution glaubt das nur Ihr eigenes, kleines und reduziertes Weltbild die ultimative Wahrheit in sich trägt hat sie es versäumt in andere Geschichtsbücher und Lehren hineinzuschauen. Dort würde dieser gescheite Mann und mit ihm viele seiner Gefolgsleute lernen das die Phänomene die Jesus zugeschrieben werden, in der östlichen Welt als "Kundalini" oder Lebensenergie seit vielen tausend Jahren bekannt sind und auch in unserer Zeit erreicht und erlebt werden.
Vieles was als so genannte Wunder oder christliche Weisheiten ausschliesslich Jesus zugeordnet wird wurde bereits in anderen Hochkulturen beschrieben und erfahren. Es ist fuer jeden Menschen erreichbar, egal welchen Alters, Glaubens oder Geschlecht. Der "Trick" ist sehr einfach und doch so schwierig.
Wenn wir nicht mehr unseren Gedankenfluss folgen sondern in die Stille hören die hinter jeder Aktivität erfahrbar ist dann erlebt jeder was Jesus sagte: "Ich und der Vater sind eins"
Was erlebt wird, wenn die Gedanken zum stillstand kommen ist, Einheit mit allem auch mit Gott. Die Erfahrung von Getrenntsein hört auf zu existieren.
E.v.R.Lipinski

Ob der historische "Jesus" gelebt hat?
Naja, es sind der Quellen zu viele, als das man dies ausschliessen könnte - es ist eher sehr wahrscheinlich.
Letztendlich aber muss jeder Mensch seinen eigenen (Lebens)Weg finden. Ist dies nicht der wesentliche Sinn des Lebens?

Leider weißt der vorherige Beitrag gravierende historische Unkenntnisse auf:
Dass Jesus gelebt hat, würde wohl kein ernsthafter Historiker bezweifeln. Schließlich gibt es einige Historische Dokumente, welche auf seine Existenz hinweisen.
Zu nennen wäre z.B. der renommierte römische Historiker Tacitus, der über die Herkunft des Namens "Christen" folgenden schreibt:
"Dieser Name stammt von Christus, den der Prokurator Pontius Pilatus unter der Herrschaft des Tiberius zum Tod verurteilt hatte. Dieser abscheuliche Aberglaube, der eine Weile verdrängt worden war, verbreitete sich von neuem nicht nur in Judäa, wo das Übel begonnen hatte, sondern auch in Rom, wo alles, was es auf der Welt Schreckliches und Schändliches gibt, zusammenströmt und zahlreiche Anhänger findet."
Annalen 15,4
Diese Schilderung stimmt bis auf das Detail mit der biblischen Erzählung überein. (vgl Luk. 3,1)
Weiterhin schreibt unter anderem der jüdische Historiker Flavius Josephus in zumindest einem Text, dessen historische Authentizität unbestritten ist, von Jesus, der Christus genannt wird und dessen Bruder Jakobus. Andere Hinweise auf die Existenz Jesu finden sich im Talmud oder auch bei Sueton.

...ist die Existenz einer Person, die von nicht-christlichen Geschichtsschreibern mit Christus oder Chrestos bezeichnet wird und über deren Hinrichtung berichtet wird. Dazu gibt es hinreichende Quellen, u.a. nachzulesen bei der allseits beliebten wikipedia. Über die historische Existenz Jesus von Nazareth zu spekulieren kann also als Zeitverschwendung betrachtet werden.