Von Andreas Platthaus
03. November 2003 Als vor zwei Jahren das bislang letzte Asterix-Abenteuer erschien, "Asterix und Latraviata", stand auf dem Titelbild vermerkt: "Text und Zeichnungen Albert Uderzo". Seit dem Tod des Texters René Goscinny 1977 ist der heute sechsundsiebzigjährige Zeichner für alles verantwortlich, was die erfolgreichste europäische Comicserie betrifft, und sein Unternehmen "Les Editions Albert René" wacht mit Argusaugen über Lizenzausgaben oder Marketingaktivitäten in aller Welt, auf daß den heldenhaften Galliern nur ja nichts widerfahre, was ihrem überlebenden Schöpfer mißfallen könnte.
Gerade weil Uderzo derart monomanisch agiert, war ein winziger Vermerk im Impressum des letzten Abenteuers um so interessanter. "Tuschezeichnungen Frédéric Mébarki" war da zu lesen. Also fertigte Uderzo für "Asterix und Latraviata" nur noch die Vorzeichnungen an, den endgültigen Linienschwung übernahm Mébarki, von dem bis heute nicht mehr bekannt ist als sein Name.
Geschichten über gallisches Geflügel
Im September dieses Jahres ist, um die Wartezeit auf den vermutlich allerletzten Asterix-Band, den Uderzo für 2006 oder 2007 angekündigt hat, zu verkürzen, in Frankreich ein Sammelband mit Kurzgeschichten erschienen, "Astérix et la rentrée gauloise", der nun auch auf deutsch als "Asterix plaudert aus der Schule" zu haben ist. Neues Material findet sich darin nur wenig, denn ein Dutzend der vierzehn Erzählungen - einige davon umfassen lediglich eine Seite - sind schon vor Jahren in der deutschen Asterix-Gesamtausgabe enthalten gewesen; die beiden hier noch unveröffentlichten sind ein Comic von 1986, der die Stadt Paris bei ihrer (gescheiterten) Bewerbung um die Olympischen Spiele 1992 unterstützen sollte, und eine ganz neue Geschichte, die aber lediglich eine Begebenheit unter den Hühnern des uns wohlbekannten gallischen Dorfes erzählt. Das Geflügel hat zwar schon immer als skurrile Staffage im Hintergrund geglänzt, uns aber - seien wir ehrlich - nicht genug interessiert, als daß wir viereinhalb Seiten Federvieh auf einmal geboten bekommen wollen.
Einheitliches Erscheinungsbild für Asterix
Der Inhalt des neuen Bandes ist also nicht von übermäßigem Interesse, wohl aber dessen Form. Denn einem Nebensatz des Vorworts entnehmen wir, daß ein nicht näher bezeichnetes "Team" überall neu getuscht und neu koloriert habe. Und in der Tat ist es auffällig, wie geglättet und vereinheitlicht der Strich der Zeichnungen über die fast vier Jahrzehnte, die in dem Album dokumentiert sind, erscheint. Besonders auffällig ist das natürlich bei den frühesten Arbeiten, etwa der 1966 erstmals publizierten Geschichte "Gallischer Schulanfang", wo die Figuren weniger rundlich und dafür fließender ins Bild gebracht zu sein scheinen, was allerdings wesentlich auf die weitaus detailliertere neue Farbgebung zurückzuführen ist.
Kräftig manipuliert wurde hingegen an "Das Maskottchen", einer Geschichte, die 1968 für ein Taschenbuch gezeichnet wurde, so daß die Bildformate für die jetzige Albenpublikation umgearbeitet werden mußten. Hier ließ Uderzo von seinen Helfern kräftig an den Hintergründen dazuzeichnen, duldete aber keine einzige zusätzliche Figur in den teilweise extrem verbreiterten Einzelbildern. Immer noch behält sich der Altmeister also die wichtigste Aufgabe selbst vor - und das beruhigt dann doch, denn nach der klammheimlichen Einführung jenes ominösen Teams mußte man Sorge haben, daß Uderzo entgegen aller Ankündigungen eine Mannschaft aufbaut, die nach seinem Abschied eine der persönlichsten Comicserien überhaupt fortführen sollte.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2003, Nr. 256 / Seite 40
Bildmaterial: AFP
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