
@Berheim: Wie Recht Sie da haben, und glauben Sie mir, das ärgert mich mindestens so wie Sie, offenbar. Und doch muss man selbst die dümmste Kritik ertragen und darf diese nur mit einer klügeren Antwort erwidern, nicht mit politischer oder verbaler Repression. Denn auch Klugheit ist noch lange kein Argument, um mal da das sehr kluge Argument aus des Walsers neuen Buch über Goethe, und dies aus dem Munde des Goethes 19-jähriger Angebeteten, etwas abändert zu gebrauchen (sie sprach von „Wahrheit“, die „keine Entschuldigung“ sei, vgl. hier in der FAZ – im Reading Room „ Ein liebender Mann“). Klugheit muss sich letztlich in der Sache beweisen. Und wenn Russland nicht das wäre, was das böse Ausland und die dumme ausländische Presse dauernd von ihm behaupten, dann steht es ihm frei, das Gegenteil zu beweisen – mit einer klugen Politik versteht sich. Und eine kluge Politik bedeutet immer auch ein Maximum an Pressefreiheit, denn wer sollte denn darüber berichten – über diese Klugheit -, wenn nicht eine freie einheimische Presse?! Wahr ist aber: Die Dummen fürchten die Kritik und die Allerdümmsten, reklamieren dabei für sich das Recht einer unverstandenen, bzw. verleumdeten „klugen Minderheit“. Dumme Welt!

Das Recht auf Kritik wird auch niemandem abgesprochen. Was aber bisweilen ärgert, ist die Oberflächlichkeit und Selbstgerechtigkeit, die die Kritik an Russland oft auszeichnet. Niemand erwartet Oden an das Putin-Regime. Aber Kritik sollte auf Sachkenntnis beruhen. Moralisches Kikeriki kann jeder produzieren, besonders wenn er durch die Schule der westlichen "political correctness" gegangen ist. Nehmen Sie bspw. die Äußerungen von Hillary Clinton, die kürzlich in einer Talkshow hinaustrompetete, Putins Nachfolger sei nur eine Strohpuppe, dann aber auf Nachfrage dessen Namen nicht nennen konnte. Leider bewegt sich die Kritik an Russland aber oft auf diesem Niveau, und dass bringt verständlicherweise viele Russen auf die Palme. Aber auch Nichtrussen, wie sie sehen.

Es geht nicht um „Einseitigkeit“,sondern um das Recht auf Kritik und damit um die Existenz einer Vielseitigkeit.Nehmen wir das Beispiel Deutschland.Bislang ist mir die Frankfurter Rundschau,die mir in mancher Hinsicht näher stehen mag als die FAZ,in Bezug auf Russland auf beiden Augen zu blind (mit einer erfreulichen Ausnahme, die ich da in der Ausgabe vom 28.02.08 finde).Ich kritisiere das und ich nehme zur Kenntnis,dass da vermutlich gewisse einseitige politische Interessen dahinter stehen.Die FAZ hingegen sticht hervor, durch eine dezidiert kritische Berichterstattung über Russland.Auch dies dürfte gewissen „einseitigen“ politischen Interessen zu verdanken sein.Werden diese zu einseitig (zu vordergründig), kritisiere ich das auch,denn auch mir,der extrem russlandkritisch eingestellt ist,liegt an echter Information mehr als an einem mir sympathischen Standpunkt.Ich begrüße ausdrücklich die „Einseitigkeit“ eines Mediums,denn nur so habe ich die Möglichkeit meinen eigenen Standpunkt zu schützen.„Einseitige Berichterstattung“ bedauern immer die,in deren Land es nur eine einzige und solchermaßen dann wirklich einseitige Berichterstattung gibt.Und das ist per se aggressiv,egal wie schmalzig womöglich die Worte sind.

Ich weiß nicht, wo der Beitrag von Irina Berbia aggressiv sein soll. Der Beitrag von Sergej Putin enthält zwar Schärfen, kann aber auch nicht als "aggressiv" abgeurteilt werden.
"Die Coolness eines Putin" - ist damit Wladimir Putin gemeint? Dessen Coolness hat mit den beiden russischen Beiträgen hier absolut nichts zu tun.
Die westliche Berichterstattung über Rußland erscheint auch mir arg einseitig. Übrigens bin ich Deutscher, und zwar ein Deutscher westlich der Elbe.
Auch in den russischen Medien dürfte es Einseitigkeiten geben, doch dürften die russischen Medien kaum (wenn überhaupt) einseitiger sein als die westlichen.

Irina, ich teile Ihre Verärgerung über die oft sehr einseitige Berichterstattung über Russland -- auch wenn das kein Grund ist, die anderen Kommentatoren zu beschimpfen. Seit Beginn der Neunziger Jahre hat Russland in den deutschen Medien vorwiegend die Rolle eines Lieferanten von Gruselgeschichten inne, die sich der deutsche Leser mit wohligem Schaudern zu Gemüte führt. Dass hat mMn weniger mit antirussischen Reflexen zu tun, als mit den Gesetzen des Medienmarktes. Jeden der das Land näher kennt, muss das jedoch schmerzen, denn Russland ist ein großes Land von einer ungeheuren Vielfalt, mit unterschiedlichsten Landschaften, Dutzenden von Völkern und verschiedensten Sprachen. Es sind dort seit Jahrhunderten alle Weltreligionen beheimatet, von den Christen über Juden und Muslime bis zu den Buddhisten. Dem, der das Land mit offen Augen betrachtet kann es eine Menge von Anregungen liefern. Und die sind doch die Voraussetzung für jede Erkenntnis. Also folgende Bitte an die Redaktionen und Korrespondenten: Bedienen sie nicht die Vorurteile der Leser, sondern ihren Verstand und ihre Fantasie! Oder wünschen Sie unsere geistige Verarmung?

Die Aggressivität der letzten beiden Beiträge (offenbar von Russen) zeigt nicht nur, wie offen die Wunde ist, sondern auch, das die Coolness eines Putin - wie so oft - rein gespielt ist. Die Wut ist echt und zwar darüber, dass es im Ausland noch Journalisten gibt, die es wagen kritisch zu berichten. Und ganz klar auch: eine kritische Berichterstattung gibt es in Russland wohl nicht (mehr). Das Problem ist nämlich nicht, ob die Berichterstattung wahr der unwahr ist, oder ob ein Beitrag, wie hier besprochen, oberflächlich ist, sondern ob man mit Kritik leben kann und sie vielleicht erkennt als Hilfestellung oder eben nicht. Eine Mentalität, die dies nicht kann, ist definitiv „totalitär“. Insoweit stimmt der Bericht allemal, denn das haben die beiden Reaktionen bestätigt. Und auch das finde ich hier wieder mal bestätigt, dass diejenigen, die auf ihre „andere Meinung“ pochen, in der Regel eben die „andere Meinung“ bei Anderen nicht gelten lassen.

Bevor man ein anderes Land kritisiert, muss man sich ein eigenes anschauen. Alkoholprobleme gibt es überall. In Deutschland habe ich auch schon genug gesehen. Wie könnt ihr überhaupt über etwas reden, wenn ihr keine Ahnung habt, besonders wenn die meisten von euch noch nie in Russland gewesen sind. Putins Politik wird so stark vom Westen kritisiert, weil er endlich was für das Land gemacht hat und weil den anderen Ländern das nicht gefällt. Russland geht es zurzeit wirklich besser als früher. Die Mehrheit der Bevölkerung unterstützt Putin. Hier, in Deutschland, wird alles anders dargestellt, um ein falsches Bild und neue Stereotype zu schaffen. In der letzten Zeit wird im Fernsehen viel über Russland erzählt, und fast alles-nur negativ. Warum? Wer braucht das? Es gibt doch andere Themen zu diskutieren außer Alkoholkonsum und Kriminalität.
Und Frau Holm, "Monsterkinder" ist es schon eine Beleidigung für die ganze Generation. Wenn ich mir die deutsche Jugend auf Oktoberfest oder auf zahlreichen Parties anschaue, frage ich mich, warum Sie überhaupt nach Russland gegangen sind, um Ihren Artikel zu schreiben. Hier gibt es doch schon ein perfektes Beispiel für "Monsterkinder". Man braucht nur sich ein bisschen umzuschauen

Die Frage ist:warum ist der Artikel oberflächlich?Wegen der Beispiele?–Simpson, Batman!Geschenkt!Denn die FAZ ist ein bürgerlich-konservatives Blatt, selbstredend vermisst sie die dort eine klassische,ergo: bürgerliche Bildung.Diese Kritik müsste sie aber auch auf uns selber anwenden!-Tut sie auch, aber nicht in diesem Kontext (Stichwort: Pisa).Oberflächlich ist er aber trotzdem,oder eben deswegen,nämlich weil keine wirkliche Analyse der dahinter stehenden globalen Problematik geliefert wird.Russland ist da nur eins der letzten Räder am Wagen und das mit gutem Grund.Wenn der Kapitalismus eine Krise durchmacht,und das macht er,dann müssen wir auf die Schwellenländer schauen.Während die einen dort riesigen Profit machen, brechen die anderen zusammen.Die Sowjetunion ist zusammen gebrochen, nicht weil sie ein sozialistisches Land gewesen wäre,sondern weil sie schon lange ein völlig rückschrittliches kapitalistisches Land ist,das nicht nur den Kapitaltransfer behindert (das war der „Sozialismus“),sondern sich keine technische Innovation mehr leistet,das ist der (globale) Kapitalismus.Und daran ändert auch das billige Gasprom-Gas nichts.Russland lebt auf (technischem) Pump,selbst im Überfluss,und daran stirbt die Jugend zuerst.

Hallo Herr Bönsch,
ein schwachsinniges Beispiel bleibt ein schwachsinniges Beispiel, unabhängig davon ob der in Betracht stehende Artikel im Grundsatz ein tatsächliches Problem anspricht.
Meiner Meinung nach wird aber die Glaubwürdigkeit des Artikels in seiner Gänze untergraben, wenn einzelene Bestandteile des Artikels entweder schlecht recherchiert oder unrelektiert daher kommen.
Über das russische Polizeiwesen, russischen Alkoholkonsum und russische Resozialisierungspolitk bin ich leider nicht informiert. Aber ich sehe keinen Grund der Authorin in ihren Ausführungen zu diesen Themen Glauben zu schenken, wenn sie es noch nicht mal auf die Reihe kriegt, die Simpsons im Medienkanon sinnvoll einzuordnen.
Über die Kommentare von Eva Herman habe ich mich übrigens nicht aufgeregt ;)
Grüße
DW

Lieber Herr Wilcke, ich bin darüber überrascht, daß Sie und andere Leser sich über die Wahl der Beispiele aufregen, statt sich Gedanken über die wirklich wichtigen gesellschaftlichen Entwicklungen, die in dem Artikel angesprochen werden, Gedanken zu machen. Lassen Sie die Simpsons doch einfach stehen und sehen Sie dahinter das Problem, daß in Russland wie hier in Deutschland Kinder alleine vor Internet, Fernseher und Videospieler zurückgelassen werden - aus welchen Gründen auch immer. Und daß ein durchschnittlicher täglicher Internet- und Spielekonsum von mehr als 4 Stunden! nicht gut ist, wissen wir alle und mahnen die Fachleute aus Kinderpsychologie, Ärzte, Lehrer oder Sozialarbeiter, um nur einige Berufsgruppen anzugeben, seit vielen Jahren. Meine Frage war einfach provozierend gemeint.
Herr Altergott hat Recht, daß wir zuviel Alkohol trinken, aber bei uns in Deutschland sind die Folgen überwiegend andere wie z.B. Dickleibigkeit od. Arbeitsausfälle und hohe Sozialkosten.
Auch bei uns werden Kinder geschlagen und verwahrlosen, leider. Unser Problem ist, daß die political correctness es verbietet, intakte Familien als Idol zu nennen und anzustreben. Wer das anmahnt, gilt als Idiot, auch wenn er Simpson schaut, so wie ich.

Es ist in diesem Kontext vorläufig völlig irrellevant wie hoch man die Freiheit des Internet und der Filmeindustrie im Vergleich zur Sorge der Eltern um eine den Kindern angepaßte Erziehung ansetzen. Ich rege mich über die Erwähnung der Simpsons im Artikel auf, weil sie keine Gewalt verherrlichen (und schon gar nicht pornographisch sind). In so fern ist ihre Erwähnung im Kontext von gewaltverherrlichenden Medien unangemessen. Da hätte man ebenso gut auch das Aktuelle Sportstudio oder die Sendung mit der Maus nennen als Beispiele nennen können.

@ Stefan Boensch
<br>"Aber eine Mass Bier unter Kastanien oder vier Koelsch in der Koelner Innenstadt, auch wenn jeden Tag, ich bitte Sie."
<br>
<br>Es geht genau um die Berichtserstattung. "Durchschnittsfamilie, wo der Vater ein Alkoholproblem hat." Man sollte die Frage angehen, was ist eigentlich ein Alkoholproblem? Wenn man jeden Tag eine Mass trinkt, dann ist es schon zu spaet um was dagegen zu unternehmen, glauben Sie mir. Ich hab schon mal so eine Veranstaltung besucht wo es um Alkoholkonsum ging und wie die Psychologen und MPU-Aerzte den Alkoholkonsum bewerten. Warum geht man dieses Problem in Deutschland so leichtfertig an? Wieso wird man hier, obwohl man jeden Tag Alkohol konsumiert, nicht als Alkoholiker abgestempelt. Uebrigens, als Alkoholabhaengiger gilt man, wenn man regelmaessig Alkohol geniesst. Somit ist meine Aufregung in dem Sinne berechtigt, dass man zuerst bei sich in den Garten schauen sollte und erst dann den Nachbarn beschmutzen.

Es ist schon erstaunlich und erschreckend-weil der Ansatz ihrer Kritik nicht paßt-wie viele Leser sich über das Erwähnen des Beispiels "Simpsons" aufregen. Ich wäre daran interessiert, mit diesen die Frage zu diskutieren, wie hoch sie die Freiheit des Internet und der Filmeindustrie im Vergleich zur Sorge der Eltern um eine den Kindern angepaßte Erziehung ansetzen. Pornografie und Gewalt gehören eben zur Freiheit dazu-heißt es. Ich erinnere mich, vor mehr als 20 Jahren über die Alkoholprobleme in der Sowjetunion gelesen zu haben. Und bitte, was soll der Vergleich mit dem Bierkonsum der Deutschen. Wenn es eine Untersuchung oder Analyse der Frage gibt, daß Jugendkriminalität und der Mord Neugeborener eine Folge zu hohen Alkoholkonsums ist, dann bitte, muß dieses Problem abgeschafft werden. Aber eine Maß Bier unter Kastanien oder vier Kölsch in der Kölner Innenstadt, auch wenn jeden Tag, ich bitte Sie. Dann müßte es bei uns von Tätern nur so wimmeln - die Probleme werden tatsächlich immer größer, aber nicht wegen des Bierkonsums von verantwortungsbewußten Bürgern. Und was sagen die betroffenen Eltern hier bei uns ihren Kindern, wenn diese am Freitag abend auf einem Platz stehen und sich volllaufenlassen?

Lieber Herr Theiss,
vor ein paar Wochen habe ich in "die Welt" gelesen, dass im letzten Jahr in Deutschland umgerechnet 200 000 000 Hekto-Liter Bier (andere Spirituosen nicht mitgezaehlt) abgesetzt wurden. Zum 31. Juli 2007 hat Deutschland 82 438 000 Einwohner gehabt. Leider kann ich Ihnen nicht sagen wieviele davon Kinder und Nicht-Trinker sind (das statistische Bundesamt wird zu den letzten nichts sagen koennen). Wenn Sie es also mathematisch haben wollen, dann trinkt jeder Einwohner Deutschlands pro 24-Stunden 0,66 Liter Bier. Wie gesagt sind andere Spirituosen nicht eingerechnet worden. Falls Sie sich auf die Statistik berufen wollen, dann muss ich Sie leider enttaeuschen. Jede Statistik wird verschoenert.

Da musste ich doch wirklich schmunzeln als ich die vermeindlichen Ursachen für die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen lesen durfte.
Zuerst ein verallgemeinerndes Klischee der Eltern, welche lediglich einen einzigen Stereotyp zugeordnet bekommen, nämlich alkoholabhängig und überarbeitet und dann das lächerliche Zitat das die Simpsons und Batman als negativen Einfluss offenbaren soll. Ganz gleich Herr Weiss , ob Frau Holm das zitierte selbst behauptet, so steht es doch an einer Stelle im Artikel die nur eine Interpretation dieses Satzes zulässt. Für mich ist das ein lächerliche Versuch moderner Gesellschaftskritik entgegenzuwirken...

Die Stelle mit Batman, den Simpsons und dem Bekriegen und Totschlagen lautet:
"Sie habe oft versucht, ihre vier und neun Jahre alten Sprösslinge für gutherzige sowjetische Zeichentrickfilme zu erwärmen, sagt Jelena Schemjakina, Jugendbeauftragte vom russischen Komitee für Menschenrechte. Die Kleinen verlangt es aber nach Batman oder den Simpsons, wo man einander bekriegt und totschlägt."
Das sind also keine Behauptungen von Frau Holm, sondern Zitate von Jelena Schemjakina, wohl auch der letzte Satz.
Weiter oben steht übrigens im Original Kerstin Holm:
"Der Nachwuchs ist, soweit sich keine Babuschka um ihn kümmert, dem Fernsehen und dem Computer überlassen, wo er Gewaltfilme anschaut und Gewaltspiele spielt."
Somit sieht Frau Holms selbst in Gewaltfilmen und Gewaltspielen größere Probleme.
Und dennoch dürften auch Batman- und Simpsons-Filme mitunter schädigenden Einfluß haben, wie von der Russin beobachtet. Wobei ich es recht interessant finde, daß Kinderfilme der so bösen Sowjetunion wohl oft besser und friedlicher waren als Kinderfilme der ach so friedlichen, freiheitlichen und demokratischen USA.

Der Artikel ist leider sehr oberflächlich. Behauptungen wie, der Durchschnittsrusse habe ein Alkoholproblem und Polizisten würden als Kidnapper gefürchtet sind einfach abwegig. Sicher haben haben viele Russen ein Alkoholproblem aber es ist genauso wenig der Normalfall wie in Deutschland. Und dass die russische Polizei/Miliz in Entführungen verwickelt sein soll, habe ich noch nie gehört, obwohl ich mehr als ein Jahr in Russland gelebt habe.
An der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in Russland ist einiges bedenklich, aber bei Artikeln wie diesem beschleicht mich vor allem das Gefühl, dass wir hier in Deutschland ein fundamentales Problem haben. Nämlich die Unfähigkeit ohne Schablonen zu denken.

Der eigentliche Skandal ist die erschütternde Situation vieler Eltern. Nach der Implosion der UDSSR blieben unendlich viele übrig, die ohne Führung und verlässliche Strukturen nicht lebensfähig sind. Und die bekamen Kinder.
Es ist absolut falsch diese Problematik dem neuen Kapitalismus vor Ort zu zuschreiben, denn den gibt es gar nicht.
Das Land wird gesteuert von mafiös strukturierten Banden die sich in ihrer Welt vollkommen abgegrenzt haben und die Ressourcen ausschlachten. Das sogenannte Volk lebt bettelnd von den Krumen die abfallen.
Wie soll sich denn da eine überlebensfähige Sozialstruktur herausbilden, vor allem wenn die Herrschenden dieses Verhalten tagtäglich vorleben: Präsident lebt die Gewalt im öffentlich zelebrierten Kampftraining vor und lässt lästige Reporter mal eben killen.
Diese Minimonster sind nur ein Ergebnis dieser schrecklichen Situation und wohl verloren.Tragisch!

Leben können sich nur Staaten erlauben, in denen es der Bevölkerung gemeinsam gut geht. In Rußland geht es aber nicht um Leben, sondern nur um Überleben, und zwar im Kampf Jeder gegen Jeden. Auch Koalitionen werden nur machtbedingt geschlossen und hinterlassen lebensbedrohliche Gegner, wenn sie zerfallen.
Rußlands Weg konnte nach der Klammer des Kommunismus nicht der einer Demokratie werden, weil die ehemalige Führungsgilde ihre Machtpositionen behielt.
In Deutschland wurde diese Entwicklung nach dem Fall der Mauer mit einem inhaltlosen, riesigen Finanztransfer überdeckt und nur aufgeschoben. Denn aktuell wird deutlich, daß sich an den kommunistischen Strukturen nicht viel geändert hat. Sie leben lediglich auf höherem (finanziellen) Niveau weiter und vervielfältigen sich bereits in den westlichen Bundesländern mit Unterstützung der Alt-Linken. Die Entwurzelung einer ganzen Bevölkerungsschicht ohne Not kann kein Staat ungestraft überleben, auch Deutschland nicht; denn irgendwann ist es mit neuen Krediten zu Finanzierung von Brot und Spielen und immer neuen Steuern zuende.
Die unreflektierte Wohltatenverteilung mit der Gießkanne, die die Konzentration auf die Gestaltung des eigenen Lebens schwächt, führt zum sicheren Niedergang.

Die Exil-Russen, die ich kenne trauen dem Putinschen Russland gar nix zu. War Gorbatschow noch ein großer Hoffnungsträger, wurde Jelzin schon als Null erkannt. Putin ist für alle nur der KGB (besser die KGB-MAfia). Eine Perspecktive haben nur Mitglieder dieser Mafia.
Die üblichen Begleiterscheinungen wie Sucht und Gewalt sind m.E. aber mehr die Folge, als die Ursache der Krise Rußlands.
Zarismus - Stalinismus - Bandenoligarchie - was soll aus diesem großen Land und seiner im ureigensten Sinn freundlichen Bevölkerung werden? Monsterkinder sind nur eine Erscheinungsform einer wertfreien und korrupten Staatsmacht.
Der Westen versagt in zweierlei Hinsicht: Geschäfte mit Rußland werden gerne getätigt, ohne zu fragen mit wem; die political correctness der Medien spricht dagegen vom Wachstum des einstigen Sowjetreiches, vom materiellen Wohlstand für viele (ein Lob auf den Demokraten Putin, der alles so schön zusammenhält);
Erst eine neue Perestroika und die Verjagung der Putins und Co kann diesem Land und den geschundenen Seelen nutzen, aber das wird weitere Generationen dauern...

Lieber Herr Altergott,
Sie sprechen damit sicherlich einen wunden Punkt dieser hier eher polemischen Berichterstattung an. Man könnte z.B. den Pro-Kopf-Verbrauch in Gramm C2H5OH pro Jahr zum Vergleich heranziehen.
Der Gesundheitsbericht für Deutschland 1998 gibt 10,3 Liter pro Jahr für 1994 an, das IfO-Institut 10,1 Liter pro Jahr für 2004.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Kurzbericht 2007) gibt als Alkoholkonsum unter 3600 Jugendlichen (12-17 Jahre) 50,4 Gramm / Woche, darunter 16-17-jährige Jungen das Dreifache (157 Gramm/Woche).
(NB: 50 Gramm/Woche entsprechen 3,25 Litern / Jahr)
Die Süddeutsche zitiert "offizielle", d..h. versteuerte 8,1 Liter pro Jahr - das liegt unter dem deutschen Wert. Es wird aber ein Gesamtkonsum von 15-19 Litern/Jahr vermutet, bedingt durch Schmuggel und Schwarzbrennerei. (Aus 2005.)
Aber: hier ist die Streuung der Verteilung wahrscheinlich wichtiger als der Mittelwert
Haben Sie andere Schätzungen für Rußland?
Viele Grüße,
Stephan Theiss

Die Authorin dieses Artikels hat offenbar noch nie die Simpsons gesehen (oder vielleicht einer Halloween Episode) und Batman offenbar auch nicht verstanden oder nie gesehen/gelesen.
Die Simpsons als gewaltverherrlichend zu bezeichen ist schlicht und einfach lächerlich. Darüber hinaus gehören die kritische Kommentierung sozialer, politischer und gesellschaftlicher Phänomene, sowie Kritik an Umweltzerstörung, dem Bildungssystem, den Medien, religiöser Doppelmoral oder patriarchalen Familienverhältnissen zu immer wiederkehrenden gesellschaftskritischen Themen der Sendung.
Batman kann vielleicht als gewaltverherrlichend interpretieren (insbesondere etwa die Versionen von Frank Miller). Dennoch ist unklar wie eine Sendung deren Held als einziges Ziel die Verbrechensbekämpfung hat, mangelndes Unrechtsbewusstsein bei Kindern hervorrufen sollte. Insbesondere schlägt Batman typischerweise niemanden tot - der interessierte Leser wird wissen, dass sich Batman zu Beginn seiner "Karriere" schwor seine Gegner nicht zu töten, sondern jeweils nur unschädlich zu machen.

"Bekriegen und totschlagen" - und das gerade bei Batman und den Simpsons! Wenn der Rest des Artikels ähnlich oberflächlich recherchiert ist, dann gute Nacht. Die "Simpsons" sind ein Spiegel der amerikanischen Gesellschaft samt positivem Gegenentwurf.
Wenn wir uns demnächst wieder über orientierungslose Jugendliche in Deutschland unterhalten, wird es sicher auch daran liegen, daß die Elterngeneration immer noch populäre Jugendkultur mißversteht. Hauptsache, es bleiben die einfachen Feindbilder erhalten.

Zitat: "Das Problem beginnt mit der russischen Durchschnittsfamilie, wo der Vater ein Alkoholproblem hat und die Mutter ueberarbeitet ist."
Also bitte. Ich kann nachvollziehen, dass die westlichen Medien eine Propaganda gegen die jetzige Fuehrung in Russland fuehren muessen. Sei es deswegen, dass diese Medien russophoben Oligarchen gehoeren oder aus anderen bestimmten Gruenden. So ein Unsinn zu behaupten ist aber das allertiefste. Weiss denn die FAZ-Redaktion wieviele millionen Hekto-Liter Bier, Wein und Spirituosen pro Jahr allein in Deutschland verbraucht werden? Bei diesen Zahlen muesste man halb Deutschland zur Entzugstherapie schicken. Dieser Konsum wird aber nirgendwo nichteinmal andeutungsweise (ausser "Die deutschen Brauereien konnten im letzten Jahr ihren Absatz um ...% steigern. Wirklich toll fuehr unsere Wirtschaft!") angesprochen. Waere vielleicht ein schoenes Thema fuer die FAZ. Denken Sie darueber mal nach.

...
Wenn das die FAZ so schreibt, muss ich das wohl glauben. Und aber dieses Volk der Puschkins, Dostojewskis, Tschernyschewskijs, Tolstois, Gorkis, usw. usf. so gedemütigt zu sehen, tut in der Seele weh. Wie viele Generationen werden diesem totalitären Kapitalismus geopfert werden? Ich befürchte nur, dass alle Opfer umsonst sein werden.