Von Tilman Spreckelsen
11. April 2008 Über siebzig Maigret-Romane hat Georges Simenon geschrieben. Jetzt erscheinen sie in revidierter Übersetzung auf deutsch, chronologisch geordnet, ein Roman pro Woche. Maigret-Novize Tilman Spreckelsen liest mit. (Siehe auch: Warum ich jede Woche einen Maigret-Roman lesen werde.)
Die Handlung in einem Satz: Pietr, der Lette, kommt nach Paris und wird unterwegs erschossen (oder auch nicht), ein Doppelgänger nimmt seinen Platz ein (oder auch nicht), Maigret gerät in Lebensgefahr, aber weil er beharrlich alle Verdächtigen anstarrt, bis die völlig entnervt sind, schießt sich am Ende der Hauptbösewicht eine Kugel in den Kopf.
Spielt in: Paris und Fécamp
Neues über Maigret: Er ist 45 Jahre alt, hat dichtes braunes Haar, gepflegte Hände, breite Schultern. Er rasiert sich täglich, kann aber keine Krawatte binden. Ein Medizinstudium hat er abgebrochen. Sein Vater war Jagdhüter auf einem der ältesten Güter der Loire.
Auftritt Madame Swaan
Der erste Satz ist schon mal sehr gut: Interpol an Sûreté Paris: Xvzust Krakau vimontra m ghks triv psot uv Pietr, der Lette, Bremen vs tyz btolem.. Es geht auch schwungvoll weiter: Der Zug nach Paris, aus dem der Verdächtige erschossen herauspurzelt, der massige Kommissar, der eine Affäre mit seinem Ofen zu haben scheint (jedenfalls tritt er niemandem so zärtlich gegenüber wie ihm), die schönen Regenbilder aus der Provinz, die entsetzte Frau des Verdächtigen, als der klatschnasse Kommissar vor der Tür steht.
Nur als zwischendurch eine Madame Swaan auftaucht, werde ich unsicher: In 75 Wochen ließe sich vermutlich auch die Recherche lesen. Andererseits hat das ganze natürlich den Charme der Echtzeit-Lektüre: Er habe, schreibt Simenon, seinen ersten Maigret-Roman 1929 in vier, fünf Tagen geschrieben, vom ersten Konzept bis zum fertigen Typoskript. Viel kürzer brauche ich zum Lesen auch nicht.
Lieblingssatz: Vermutliche Zusammenarbeit mit der Bande Maronetti (Falschgeld und Urkundenfälschung) und der Kölner Bande (gen. Die Mauerbohrer).
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Natascha Vlahovic, FAZ.NET, Verlag
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